„Es geht um unser Land“

Selenskyjs Minister will in Deutschland für den Ukraine-Krieg rekrutieren – Buschmann erteilt Absage

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Die Ukraine will geflüchtete Bürger aus Deutschland mobilisieren. FDP-Justizminister Buschmann rechnet nicht mit praktischen Folgen.

Update vom 22. Dezember, 14.40 Uhr: Die Probleme der Ukraine bei der Mobilisierung von Soldaten zur Abwehr der russischen Invasion werden laut Bundesjustizminister Marco Buschmann keine praktischen Folgen für in Deutschland lebende Ukrainer haben. „Dass wir nun Menschen gegen ihren Willen zu einer Wehrpflicht oder zu einem Kriegsdienst zwingen, das wird nicht der Fall sein“, sagte der FDP-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. „Ich kann mir nicht vorstellen, da unsere Verfassung ja für deutsche Staatsbürger vorsieht, dass niemand gegen seinen Willen Dienst an der Waffe leisten muss, dass wir Menschen anderer Staaten dann dazu zwingen können“, ergänzte Buschmann.

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul (CDU) zeigte hingegen Verständnis für das Anliegen des ukrainischen Verteidigungsministeriums. „Es ist ein dringender moralischer Appell und den sollten wir durchaus auch politisch unterstützen. Diese Menschen halten sich hier auf, weil dort Krieg geführt wird - und sie müssen einfach einen Beitrag dazu leisten, dass dieser Krieg beendet wird“, sagte Wadephul im TV-Sender Welt. Der CDU-Verteidigungspolitiker Roderich Kiesewetter sagte am Freitagmorgen im Deutschlandfunk, wenn sich wehrfähige Männer der Unterstützung ihrer Heimat entzögen, könne man das nicht gutheißen.

„Dass wir nun Menschen gegen ihren Willen zu einer Wehrpflicht oder zu einem Kriegsdienst zwingen, das wird nicht der Fall sein“, sagt Bundesjustizminister Marco Buschmann.

„Es geht um unser Land“ – Selenskyjs Minister will in Deutschland für den Ukraine-Krieg rekrutieren

Erstmeldung vom 21. Dezember: Kiew – 450.000 bis 500.000 Soldaten – so viele will Wolodymyr Selenskyj für den Krieg gegen Russland mobilisieren. Das sagte der ukrainische Präsident vergangenen Dienstag. Doch die Frage ist: Woher sollen die Kämpfer kommen? Ein neuer Plan sieht vor, Ukrainer aus dem Ausland für den Dienst an der Waffe einzuberufen – auch aus Deutschland.

Dabei setze die Regierung in Kiew auch auf Zwang. Wer sich nicht freiwillig zur Verteidigung gegen die Truppen des russischen Machthabers Wladimir Putin meldet, den soll eine Strafe erwarten. Der ukrainische Verteidigungsminister Rustem Umerow wisse aber noch nicht, welche Konsequenzen den Unfreiwilligen drohen würden. „Wir besprechen noch, was passieren soll, wenn sie nicht freiwillig kommen“, sagte Umerow mehreren Medien, darunter Bild, Politico und Welt TV.

Ukrainisches Militär sieht Krieg gegen Russland als „Ehre“

„Wir schicken ihnen eine Einladung und es ist dann ihr Recht, zu uns zu kommen und zu dienen“, sagte der Verteidigungsminister im Interview. Eine Bürde sehe er in der Rekrutierung für den Ukraine-Krieg nicht. Der Kampf für das eigene Land sei nach Umerow „eine Ehre.“ Und das trotz vermeintlich hoher Verluste auf beiden Seiten.

Die Kriegsmüdigkeit unter den Ukrainern scheint wenig verwunderlich, will man russischen Angaben zu Verlusten der ukrainischen Armee Glauben schenken. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu soll nach dpa-Informationen von 383.000 verwundeten oder getöteten Ukrainern gesprochen haben. Die Ukraine gibt die Verluste auf russischer Seite mit 348.000 Soldaten an. Da beide Kriegsparteien keine offiziellen Zahlen über Verluste im Ukraine-Krieg bekannt geben, können die Angaben nicht unabhängig überprüft werden.

Russland unterstellt der Ukraine mehrere Niederlagen im Krieg

Die Ankündigung der ukrainischen Armeeführung kommt, nachdem Putin die „wachsende Kraft“ der russischen Rüstungsproduktion betonte. Dem Westen warf er vor, beim Versuch gescheitert zu sein, Russland eine Niederlage gegen die Ukraine zu bescheren. Auch die Gegenoffensive der Ukraine erklärte der russische Machthaber erneut als gescheitert. „Der Gegner erfährt schwere Verluste und hat in bedeutendem Umfang seine Reserven aufgebraucht“, so der russische Präsident.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Russlands Verteidigungsminister sprach bei einer Sitzung auch davon, dass die Zahl der freiwilligen Kämpfer von 250.000 auf 745.000 im nächsten Jahr steigen soll. „Vorrangiges Ziel für das kommende Jahr ist es, die militärische Spezialoperation fortzusetzen bis zur Erfüllung aller gesetzten Aufgaben“, so der Minister. Vielleicht gerät die Ukraine auch wegen solcher Aussagen zunehmend unter Druck.

US-Senat will keine neuen Lieferungen an die Ukraine im Krieg gegen Russland

Selenskyj war in den vergangenen Tagen vermehrt in westlichen Ländern, um für mehr militärische Unterstützung für die Ukraine zu bitten. Und die Ukraine könnte auf die Hilfen angewiesen sein. Wie der US-Senat am Dienstag ankündigte, wolle er in diesem Jahr keine neuen Hilfen für die Ukraine bewilligen. US-Präsident Joe Biden steht zwar hinter der Ukraine und bat im Oktober um weitere Unterstützungen im Kongress. Doch oppositionelle Republikaner blockieren Lieferungen weiterer Hilfsgüter.

Umerow zeigt sich von den Diskussionen in den USA aber wenig besorgt. Er sei sich sicher, dass auch weiterhin Hilfslieferungen aus den Vereinigten Staaten in die Ukraine gelangen. „Beide Seiten im Kongress unterstützen ja die Sache. Und sie verstehen auch, dass die Kräfte des Bösen die Weltordnung verändern wollen.“ (nhi)

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