Vor Wahlen 2024

Neue Strategie von Putin: Russland als „Insel der Ruhe“ – mitten im Ukraine-Krieg

  • Fabian Müller
    VonFabian Müller
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Im kommenden Jahr wird in Russland gewählt. Kaum einer zweifelt an der Wiederwahl Wladimir Putins. Seine Strategen wollen ihn als Bewahrer des politisch stabilen Russlands inszenieren.

Moskau – Im Jahr 2024 stehen in Russland Präsidentschaftswahlen an. Die Strategen des derzeitigen Präsidenten Wladimir Putin arbeiten schon seit Jahren an der Botschaft, die im Zentrum seines Wahlkampfes stehen soll. Dem russischsprachigen Online-Medium Meduza zufolge soll sie lauten: Der Westen versinkt im Chaos, während Russland dank seines klugen und furchtlosen Präsidenten ein Ruhepol ist. Der Ukraine-Krieg und der Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs sollen den Planungen dabei nichts anhaben können.

Ein Fokus des Wahlkampfs wird laut dem Bericht auf der Außenpolitik liegen, in seinen Reden könnte er so vermehrt Kritik an den westlichen Ländern anbringen. Der Kreml hoffe, Putin so als Mann darzustellen, der Russland innenpolitisch in eine „Insel der Ruhe“ verwandelt habe. Das hätten mehrere Quellen, die der russischen Regierung nahestehen, gegenüber Meduza bestätigt.

Präsidentschaftswahlen 2024 in Russland: Putins Team arbeitet neue Wahlkampf-Strategie aus

Russlands Präsident Wladimir Putin (Archivbild).

Die Wahlkampfplaner spekulieren außerdem, dass die Wahlberechtigten nahezu nach Kritik am Westen lechzen würden. Immer dann, wenn Putin öffentlich den Westen kritisierte, sollen seine Zustimmungswerte gestiegen sein. Unabhängig bestätigen lässt sich diese Annahme nicht. Laut Meduza gebe es aber Umfragen staatlicher Meinungsforschungsinstitute, die diese Behauptungen bestätigen würden.

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Putins Strategen setzen außerdem darauf, die Probleme, mit denen westliche Länder konfrontiert sind, stärker anzusprechen. Als Beispiel nannte eine Quelle dem Portal die Wanzenplage in Paris, die in den vergangenen Wochen vermehrt Thema in den Medien war. Ein politisches Beispiel: Die USA stünden vor dem Zusammenbruch, weil sie nicht nur der Ukraine, sondern auch Israel militärisch unter die Arme greifen müssten. Ihr Ende sei dementsprechend unvermeidlich, so der mögliche russische Propaganda-Tenor.

Auf der anderen Seite sollen die staatlichen russischen Medien die Botschaft verbreiten, Russland stehe trotz der zahlreichen Sanktionen und vor dem Hintergrund des allgemeinen Chaos in der Welt ziemlich gut da. Der Krieg in der Ukraine soll dabei eher hintergründig behandelt werden. Denn um diesen Krieg in politische Wahlkampagnen einzubeziehen, bräuchte es deutlichere Erfolge an der Front und keine Grabenkämpfe, wie sie der Kreml derzeit beobachte, so die Quelle von Meduza. (fmü)

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