Raketenschlag gegen die Ukraine

Putins Reaktion auf westliche Waffenhilfe mit „Oreschnik“-Rakete

  • Jekaterina Jalunina
    VonJekaterina Jalunina
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Als Antwort auf die Ukraine hat Russland eine neue Rakete eingesetzt. Putin und ein führender Politiker betonen, dass der Kreml jedes Recht auf diesen Schritt habe.

Moskau – Russlands Angriffskrieg eskaliert weiter mit einem neuen Raketenschlag gegen die Ukraine und Drohungen von Präsident Wladimir Putin gegenüber Kiews westlichen Unterstützern. Nachdem US-Präsident Joe Biden der Ukraine den Einsatz von Langstreckenwaffen erlaubt hatte, reagierte Kremlchef Putin mit dem Einsatz einer neuen Rakete. Er bezeichnete diese als „unbesiegbar“.

Am Donnerstagmorgen bestätigte Putin, dass eine neu entwickelte russische Mittelstreckenrakete die ukrainische Großstadt Dnipro getroffen habe. In einer Videoansprache stellte er das neue System namens „Oreschnik“ vor, das mit Hyperschallgeschwindigkeit arbeite und angeblich nicht abgefangen werden könne. Diese Behauptung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. In Dnipro trafen sechs einzelne Sprengköpfe ein. Diese seien nicht mit nuklearen Sprengköpfen bestückt gewesen, so Putin.

Putins Reaktion auf westliche Unterstützung für Kiew: Drohungen gegen NATO-Staaten

Putin sprach von einer Reaktion darauf, dass die USA und andere Länder der Ukraine den Einsatz weitreichender Waffen gegen russisches Territorium erlaubt hätten. „Wir haben mehrfach unterstrichen, dass der vom Westen provozierte Regionalkonflikt in der Ukraine Elemente globalen Charakters angenommen hat“, sagte Putin. Zugleich nannte er das neue System die Moskauer Antwort darauf, dass die USA Mittelstreckenraketen in Europa und im Pazifik stationieren wollten.

Nun erklärte ein hochrangiger russischer Politiker, dass Putin berechtigt sei, NATO-Staaten ins Visier zu nehmen, die der Ukraine militärische Hilfe leisten, da die Spannungen aufgrund der westlichen Unterstützung für Kiew eskalieren.

Russland: Duma-Chef bekräftigt Moskaus Reaktion auf westliche Waffenlieferungen an die Ukraine

Andrey Kartapolov, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, sagte der russischen Nachrichtenagentur TASS, dass die Lieferung westlicher Waffen, die Angriffe auf russisches Territorium ermögliche, Moskau „jedes Recht gebe, militärische Einrichtungen in NATO-Ländern anzugreifen“, die die Ukraine unterstützen.

Putin lobte seine Militärs und Rüstungsfabriken für den Bau der neuen Rakete.

„Wladimir Wladimirowitsch Putin hat eine Entscheidung getroffen, die wir voll unterstützen“, erklärte Duma-Sprecher Wjatscheslaw Wolodin auf seinem Telegram-Kanal. Er bezeichnete den Schritt als „eine angemessene und lang erwartete Reaktion“ und fügte hinzu, dass die USA und ihre europäischen Verbündeten „Raketen einsetzen, um russisches Territorium anzugreifen“ .„Unser Land hat das Recht, militärische Einrichtungen von Staaten anzugreifen, die uns angreifen“, fuhr Wolodin fort. „Trotz westlicher Behauptungen, dass Russland es nicht wagen wird, zu handeln, wird es das tun – und es hat jedes Recht dazu“, bekräftigte er.

Putin betont Russlands Recht auf Vergeltung bei Provokationen und kündigt Serienproduktion an.

Auch Putin sagte: „Wir haben jedes Recht, Länder ins Visier zu nehmen, die den Einsatz dieser Waffen gegen uns zulassen“. Das Pentagon bestätigte, dass es sich bei der Rakete um einen neuen, experimentellen Typ einer Mittelstreckenrakete auf Basis der Interkontinentalrakete RS-26 Rubezh handele. Die NATO-Mitglieder reagierten vorsichtig auf die eskalierende Rhetorik Russlands.

Putin hat nach dem russischen Angriff mit einer neuartigen Mittelstreckenrakete in der Ukraine den weiteren Einsatz und die Serienproduktion der Oreschnik-Rakete angeordnet. „Wir werden diese Tests fortsetzen, auch in Kampfsituationen, abhängig von der Situation und der Art der Bedrohungen für die Sicherheit Russlands“, sagte der russische Präsident am Freitag bei einem im Fernsehen übertragenen Treffen mit Militärvertretern.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Selenskyj fordert moderne Luftverteidigungssysteme bei seinen Verbündeten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte von seinen westlichen Partnern am Freitag Luftverteidigungssysteme der neuesten Generation. „Der Verteidigungsminister der Ukraine führt bereits Gespräche mit unseren Partnern über neue Luftverteidigungssysteme – genau die Art von Systemen, die Leben vor neuen Risiken schützen können“, sagte er in seiner abendlichen Videoansprache.

Nach dem Angriff hatte Selenskyj die internationale Gemeinschaft bereits zu einer Reaktion aufgefordert. Es handele sich um eine „offensichtliche und ernsthafte Steigerung des Ausmaßes und der Brutalität dieses Krieges“. (jal/dpa/afp)

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