Kämpfe gehen weiter

Putins Waffenruhe im Ukraine-Krieg an Ostern: Experte wittert Kalkül

  • Felix Busjaeger
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Putin hatte eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg über Ostern angekündigt. Vollständig eingehalten wird sie wohl nicht. Experten wittern schon russisches Kalkül.

Update vom 21. April, 7.50 Uhr: Nach Ablauf der von Moskau angeordneten Oster-Waffenruhe im Ukraine-Krieg hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Russland im Tagesverlauf 2935 Verletzungen der Feuerpause vorgeworfen. Die meisten Angriffe der russischen Streitkräfte hätten sich gegen Pokrowsk im Gebiet Donezk gerichtet. Hinter der Feuerpause vermutet derweil der Osteuropa-Experte Alexander Dubowy „ganz klar eine PR-Maßnahme“. Und zwar aus einem bestimmten Grund: Putin reagierte demnach auf die jüngsten Aussagen des US-Präsidenten Trump.

Der Republikaner und sein Außenminister Marco Rubio hatten vor Ostern immer wieder damit gedroht, sich aus den Gesprächen über das Ende des Ukraine-Kriegs zurückzuziehen. Kurz darauf verkündete Putin die Waffenruhe. „Das ist kein Zufall. Das war die ‚Peitsche‘ aus den USA. Das ‚Zuckerbrot‘ kam kurz darauf: Bloomberg meldete, dass die USA grundsätzlich darüber nachdenken, die Krim als Teil Russlands anzuerkennen“, sagte Dubowy gegenüber 20min.ch. „Aber letztlich ist es nichts weiter als eine Showeinlage – ein Teil der altbekannten Strategie: verzögern und zermürben.“

Waffenruhe über Ostern: Putin hat sich überraschend für Feuerpause im Ukraine-Krieg ausgesprochen

Erstmeldung: Kiew – Plötzlich ist sie da: eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg. Kurz vor Ostern verkündete Russlands Präsident Wladimir Putin überraschend die Entscheidung des Kremls. Die Erwartungen auf beiden Seiten waren von Misstrauen geprägt. In der Nacht zum Ostersonntag soll es erneut zu einzelnen Kämpfen gekommen sein. Die Ukraine wirft Russland vor, bis zum Morgen in 59 Fällen angegriffen zu haben. Dennoch versuche die russische Armee den Eindruck zu vermitteln, dass sie sich an die Waffenruhe im Ukraine-Krieg halte, teilte Präsident Selenskyj mit. Derweil vermutet ein deutscher Sicherheitsexperte hinter dem Vorgehen Russlands Kalkül.

Putins Waffenruhe an Ostern im Ukraine-Krieg: Kämpfe gehen weiter

Die Lage im Ukraine-Krieg bleibt angespannt, nachdem Putin überraschend die Waffenruhe in der Ukraine angekündigt hatte. In der Nacht beobachteten sich die Soldaten der beiden Kriegsparteien, um sofort auf eventuelle Verstöße gegen die Feuerpause zu reagieren. Kiew hatte nach der Erklärung Moskaus betont, man werde sich am Verhalten der russischen Seite orientieren. „Schweigen (der Waffen) im Gegenzug für Schweigen, Abwehrschläge als Antwort auf Angriffe“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Putin hatte am Karsamstag für 30 Stunden eine Waffenruhe im Ukraine-Krieg angeboten. Selenskyj reagierte nach anfänglicher Skepsis mit einem Gegenvorschlag und brachte eine Verlängerung der Feuerpause um 30 Tage ins Spiel. „Falls die vollständige Feuerpause tatsächlich hält, schlägt die Ukraine eine Verlängerung über den 20. April hinaus vor.“ Und weiter: „Das würde Russlands wahre Absichten zeigen – denn 30 Stunden reichen zwar für Schlagzeilen, nicht aber für echte vertrauensbildende Maßnahmen“, fügte der Präsident hinzu. „30 Tage würden dem Frieden eine Chance geben.“

„So offensichtlich“: Experte wittert hinter Putins Waffenruhe im Ukraine-Krieg Kalkül

Dass Putin mit dem Vorstoß einer Waffenruhe im Ukraine-Krieg über Ostern möglicherweise auf Schlagzeilen abzielt und sich die Feuerpause schlussendlich nur als Show für US-Präsident Donald Trump entpuppen könnte, vermutete auch Carlo Masala. Kurz nach Bekanntgabe der veränderten Lage im Ukraine-Krieg schrieb er auf Bluesky. „Es geht darum, den USA zu zeigen, dass man doch guten Willens ist und die Schuld den Ukrainern in die Schuhe zu schieben. Es ist so offensichtlich.“ Dennoch würde dieses Vorgehen mutmaßlich funktionieren.

Waffenruhe im Ukraine-Krieg: Putin ordnet einseitige Feuerpause an – Selenskyj zeigt sich skeptisch

„Wir kennen Putins Drehbuch: Große Oster-Waffenruhe ankündigen, dann die Ukraine beschuldigen, sie hätte provoziert oder die Waffenruhe gebrochen“, kommentierte der Sicherheitsexperte Nico Lange Putins Waffenruhe im Ukraine-Krieg. Bislang reagierte Trump auf Truth Social und X noch nicht auf die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg. Der US-Präsident arbeitet sich derweil an seinen eigenen „Umfragewerten“ ab und freut sich auf das Osterfest.

Putins Waffenruhe im Ukraine-Krieg: Selenskyj fordert Feuerpause über Ostern hinaus

Dass Putins Waffenruhe im Ukraine-Krieg bereits nach wenigen Stunden mutmaßlich gebrochen wurde, war auch von Selenskyjs Team erwartet worden. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha äußerte sich kritisch zu der 30-stündigen Feuerpause zu Ostern. Er erinnerte in einem Beitrag auf X daran, dass die Ukraine bei Friedenssondierungen Anfang März in Dschidda dem US-Vorschlag einer 30-tägigen Feuerpause zugestimmt habe. Allerdings habe Russland abgelehnt und stattdessen eine Reihe von Vorbedingungen gestellt. 

Angesichts der aktuellen Entwicklungen im Ukraine-Krieg an Ostern forderte Selenskyj: „Russland muss die Bedingungen der Waffenruhe in vollem Umfang einhalten.“ Der Vorschlag der Ukraine, die Waffenruhe um Mitternacht Ortszeit für 30 Tage zu verlängern, liege weiterhin auf dem Tisch. „Wir werden im Einklang mit der tatsächlichen Situation vor Ort handeln.“ Die Ukraine werde auf Angriffe weiter antworten. (fbu/dpa)

Rubriklistenbild: © Pavel Bednyakov/dpa

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