„Erklärung soll öffentlichen Aufschrei dämpfen“
Löchrige Luftverteidigung nach Drohnen-Angriffen: Putin kann seine Raffinerien nicht mehr schützen
- VonSimon Schröderschließen
Putin verstärkt die Luftverteidigungsmaßnahmen an kritischen Standorten. Das Panzir-System soll die Ölproduktion schützen – das ukrainische Militär widerspricht.
Sysran – Um seine Raffinerien besser zu schützen, setzt Wladimir Putin auf zusätzliche Luftverteidigung durch das Panzir Flugabwehrraketen-System. Nachdem die Raffinerie in Sysran von ukrainischen Kamikazedrohnen angegriffen wurde, reagierte der Kreml am Dienstag (19. März) mit einer Ankündigung, seine Verteidigungskapazitäten an kritischen Standorten in Russland zu erhöhen.
Ukrainischer Militär stellt klar: Jüngste Behauptungen sind Putins Propaganda
„Die Arbeit an der Sicherheit geht weiter; das ist ein wirklich dringendes Thema. Wir arbeiten zusammen, auch mit den Kollegen der russischen Garde, an der Verteidigung von Objekten, durch die Installation der notwendigen Schutzsysteme vom Typ ‚Panzir‘“, äußerte sich Artem Verkhov, Direktor der „Abteilung für die Gasindustrie Entwicklung“ Russlands, gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax.
Laut Informationen des ukrainischen Militärs ist die Ankündigung jedoch lediglich ein weiterer Propagandaversuch Putins. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums der Ukraine, Andriy Yusov gab seine Einschätzung und widersprach der Darstellung: „Die Panzir-Systeme sind dort bereits stationiert; diese Erklärung soll den öffentlichen Aufschrei dämpfen und Budgetmittel umlenken. Diese Behauptungen werden die Situation nicht wesentlich ändern; die Probleme werden bei den militärisch genutzten Unternehmen des Besetzers fortbestehen.“
Ukraine verzeichnet Erfolge gegen russische Infrastruktur: Russlands Öl wird knapp
Nachdem Kiew im Ukraine-Krieg zuletzt einige Erfolge beim Zerstören russischer Infrastruktur verzeichnen konnte – insbesondere Öldepots und Raffinerien – gerät der Kreml in Erklärungsnot. Immer wieder konnten Drohnen durch die löchrige russische Luftverteidigung Putins Achillesferse treffen. Durch die aktuellen Angriffe büßt der russische Autokrat nämlich mächtig an Profit ein und auch das Kriegsgerät benötigt den Kraftstoff dringend. Somit sind diese Angriffe in zweierlei Hinsicht verheerend für Russland.
Thomas O‘Donnell sagte im Gespräch mit dem US-amerikanischen Auslandsradiosender Voice of America, dass Kriege grundsätzliche riesige Mengen und Diesel benötigen: „So ist diese Region direkt verantwortlich für den Diesel des Kriegs.“ Der geopolitische Analyst der Hertie Schule Berlins führte weiter aus: „Durch die Angriffe auf die Raffinerien dort oben wird der Diesel, den sie exportieren – vorher haben sie fast so viel Diesel wie Öl exportiert, zerstört und sie müssen ihn in Öl umwandeln, wenn sie damit Geld verdienen wollen.“
Putins Profite in Gefahr – und russische Ölraffinerien weiterhin schlecht geschützt
Einer Rechnung der Nachrichtenagentur Reuters zufolge konnte die Ukraine durch ihre Angriffe die russische Ölproduktion um ca. 7 Prozent senken. Auch erscheint es fahrlässig, dass Russland erst jetzt die Luftabwehr an strategisch wichtiger Infrastruktur erhöht. Die Drohnenangriffe auf russisches Öl sind bereits seit Januar in vollem Gange und wurden vorher sogar von ukrainischer Seite aus angekündigt.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland




Zwischen zwölf und 15 solcher Angriffe konnte Kiew bereits erfolgreich durchführen. Und dass diese auch ihre Wirkung entfalten, zeigt der verhängte Export-Stopp. Laut Bild hatte Moskau für ab dem 1. März einen Export-Stopp auf Benzin angeordnet, damit die eigene Armee nicht in die Röhre schaut. (SiSchr)
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