48 Eurofighter für Saudi-Arabien?

Exportschlager für Warlords: Deutschland verkauft mehr Waffen – Hofreiter fordert Stopp

Will Saudi-Arabien mit Eurofightern beliefern: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
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Will Saudi-Arabien mit Eurofightern beliefern: Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).
  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Ukraine nein, Saudi-Arabien ja: Deutschland will 48 Eurofighter verkaufen – zum Verdruss der Grünen. Die sehen den Anstieg der Rüstungsexporte mit Sorge.

Berlin – Deutschland liefert wieder mehr Waffen in die Welt. Doch die Geschäfte im Ausland sorgen innerhalb der Bundesregierung für neuen Streit. So sollen auch Kampfjets nach Saudi-Arabien veräußert werden. Aber die Grünen könnten sich querstellen. Allen voran Europapolitiker Anton Hofreiter fordert die Ampel-Koalition zum Kursschwenk bei den Rüstungsexporten auf.

Rüstungsexporte: Hofreiter stört sich an Eurofighter-Lieferung an Saudi-Arabien

So beklagte der Grüne Druck aus dem Kanzleramt. Geplant sei eine Lieferung von Rüstungsgütern an Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate. Konkret geht es wohl um die Ausfuhr von 48 Eurofightern sowie sechs Transportflugzeugen A400M, was beim Vorsitzenden des Europaausschusses im Bundestag auf Unverständnis stößt.

„Ich halte das für grundlegend falsch, andere Grüne ebenfalls“, sagte Hofreiter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland und fügte hinzu: „Denn wir können nicht der von Russland überfallenen Ukraine immer noch bestimmte Waffen verweigern und gleichzeitig modernste Waffen an Diktaturen und Autokratien geben.“

Saudi-Arabien statt Ukraine: Waffenexporte entzweien die Ampel

Seit Wochen fordert die Ukraine im Kampf gegen Russland moderne Kampfjets. Zwar unterstützt die Bundesregierung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) das Land mit schweren Waffen wie Kampfpanzern und Raketenwerfern. Doch die Forderung nach Kampffliegern überhörte die Koalition bislang. Im Gegensatz dazu sollen Saudi-Arabien und die Emirate nun aber beliefert werden.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet, drängt insbesondere das Kanzleramt im Bundessicherheitsrat auf einen Export der Kampfjets beziehungsweise Militärtransporter. Dabei werde auf ähnliche Praktiken von Partnerländern verwiesen sowie darauf, dass solche Exportgenehmigungen nötig seien, um gemeinsame Rüstungsprojekte zu ermöglichen, hieß es.

Kampfjets an Despoten: Baerbock zeigt sich zurückhaltend

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) äußerte sich dem Bericht zufolge am Rande einer Sitzung des Auswärtigen Ausschusses des Bundestags zurückhaltend zu solchen Waffenlieferungen. Sie sagte lediglich: „Das ist eine Debatte, die wir gemeinsam in diesem Land im Bundessicherheitsrat führen.“ Eigentlich streben die Grünen eine Vorbildrolle Deutschlands beim Waffenverkauf an.

Doch in Baerbocks Partei bleibt man offenbar skeptisch. Saudi-Arabien habe deutsche Waffen bereits im Jemen-Krieg rücksichtslos gegen Zivilisten eingesetzt, die Vereinigten Arabischen Emirate hätten Warlords unterstützt, kritisiert Hofreiter. Es gebe aber nicht nur humanitäre Gründe, die gegen solche Waffenlieferungen sprächen, sondern auch geostrategische. Denn die Vereinigten Arabischen Emirate unterstützten in Libyen General Khalifa Haftar, der wiederum von den russischen Wagner-Söldnern unterstützt werde, und im Sudan die aufständischen Milizen. „Beides ist nicht im deutschen Interesse“, sagte der Grünen-Politiker und forderte Scholz auf, von dem Plan Abstand zu nehmen.

Statistik beweist: Deutschland liefert mehr Rüstungsgüter in die Welt

Insgesamt bleiben deutsche Waffen international aber gefragt. So verzeichnete die deutsche Regierung im ersten Halbjahr 2023 angesichts des Krieges in der Ukraine eine signifikante Zunahme der Rüstungsexporte. Gemäß Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums wurden Einzelgenehmigungen im Wert von 5,22 Milliarden Euro erteilt, im Vergleich zu 4,16 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum.

Dank Ukraine-Krieg: Rüstungskonzerne profitieren – ein Video

Besonders hervorgehoben wurde vom Ministerium, dass etwa 90 Prozent des Gesamtwerts der Exporte (4,74 Milliarden Euro) an EU- und NATO-Staaten sowie vergleichbare Länder gingen, insbesondere an die Ukraine und Südkorea. Die Lieferungen an die Ukraine allein hatten einen Wert von 1,65 Milliarden Euro. Somit stand die Ukraine erneut an erster Stelle der Ausfuhrliste, gefolgt von Ungarn (1,03 Milliarden Euro) und den USA (277 Millionen Euro).

Rüstungsexport: Deutschland liefert an Nato-Länder

Die genehmigten Werte spiegeln „die enge Verbundenheit mit unseren EU- und Nato-Partnern und engen Partnerländern wider, während eine restriktivere Haltung gegenüber anderen Drittländern eingenommen wird“, erklärte Wirtschaftsstaatssekretär Sven Giegold laut tagesschau.de. Exporte in Höhe von 480 Millionen Euro wurden für Drittstaaten genehmigt, abgesehen von der Ukraine und Südkorea. Hierbei führte Indien mit 109 Millionen Euro die Liste an. (jkf/mit Material der dpa)