Gemeinsam im Ukraine-Krieg

Russen äußern Unzufriedenheit über Nordkorea-Soldaten: „Was zur Hölle sollen wir mit denen?“

  • Laura May
    VonLaura May
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Nordkorea unterstützt Russland im Ukraine-Krieg. Aus Putins Armee durchgesickerte Daten offenbaren die Frustration seiner Soldaten.

Kiew – Seit dem BRICS-Gipfel in Kasan leugnet Wladimir Putin seine Kriegskooperation mit Kim Jong-un nicht mehr. Nachdem der Kreml Vorwürfe über nordkoreanische Truppeneinsätze im Ukraine-Krieg lange zurückgewiesen hatte, scheint nun fix: Pjöngjang schickt Soldaten nach Russland.

Doch russische Soldaten empfangen die Kollegen offenbar mit Zurückhaltung und äußern Bedenken hinsichtlich der Art und Weise, wie nordkoreanische Soldaten kommandiert und mit Munition und militärischer Ausrüstung versorgt werden. Dies geht aus durchgesickerten, vom Verteidigungsgeheimdienst der Ukraine erhaltenen und am Freitag veröffentlichten Sendungen hervor.

Interne Gespräche offenbaren Unmut russischer Soldaten über Nordkorea im Ukraine-Krieg

Nach Angaben des ukrainischen Verteidigungsgeheimdienstes wurde der Ton in der Nacht des 23. Oktober von verschlüsselten russischen Übertragungskanälen abgefangen. Wie unter anderem CNN berichtet, offenbart der Auszug aus internen Gesprächen russischer Soldaten, ihre Ablehnung und Verzweiflung über Putins neue Strategie im Ukraine-Krieg.

Nordkorea – Kim Jong-uns abgeschottete Diktatur

Menschen an der Grenze zwischen Nord- und Südkorea
Die Skyline von Pjöngjang
Kim Jong-un auf einem Pferd
Sowjetische Soldaten in Pjöngjang
Nordkorea – Kim Jong-uns abgeschottete Diktatur

Sie reden verächtlich über die ankommenden nordkoreanischen Soldaten mit dem Codenamen „K-Bataillon“ und bezeichnen sie einmal als „die verdammten Chinesen“. Kim Jong-uns Streitkräfte würden Aufträge nicht ausführen, seien verwirrt und schlecht ausgebildet, schreibt ein russischer Soldat. „Was zur Hölle sollen wir mit denen?“

Aufnahmen geben Infos über nordkoreanische Truppenbewegungen im Ukraine-Krieg

Durch die Analyse der abgehörten Aufnahmen durch die Ukraine wurden außerdem Details zu Putins Kriegsplänen öffentlich, wie etwa Informationen über nordkoreanische Truppenbewegungen in der Gegend des Feldlagers Postoyalye Dvory in der russischen Region Kursk. Zudem ist von Plänen die Rede, die einen Dolmetscher und drei hochrangige Offiziere pro 30 nordkoreanische Männer vorsehen – was die russischen Soldaten in der Audioaufnahme ebenfalls verurteilen.

„Das Einzige, was ich nicht verstehe, ist, dass es drei leitende Beamte für 30 Leute geben sollte. Woher bekommen wir sie? Wir müssen sie herausziehen“, sagt ein russischer Soldat in der Audioaufnahme. Die Veröffentlichung der russischen Internas folgt auf eine Ankündigung des ukrainischen Militärgeheimdienstes vom Donnerstag, dass eine Gruppe nordkoreanischer Soldaten in der russischen Region Kursk gesichtet wurde, einem Gebiet, das an die Ukraine grenzt und in dem laufende Militäreinsätze stattgefunden haben.

„Klarer Schritt Russlands“ – Selenskyj warnt vor Eskalation im Ukraine-Krieg

In einem Beitrag auf seinem offiziellen Telegram-Konto teilte der Verteidigungsgeheimdienst der Ukraine mit, dass einige nordkoreanische Truppen, die im Fernen Osten Russlands ausgebildet worden waren, sich auf den Weg in die westrussische Region gemacht hätten. Das ist jene Region, in der ukrainische Truppen in russisches Territorium eingedrungen sind.

Russische und nordkoreanische Soldaten kämpfen gemeinsam im Ukraine-Krieg.

Wolodymyr Selenskyj sagte am Freitag, er habe vom Oberbefehlshaber der Ukraine einen Bericht über den Einsatz nordkoreanischer Militärangehöriger erhalten. „Laut Geheimdienstinformationen wird Russland am 27. und 28. Oktober seine ersten nordkoreanischen Truppen in Kampfgebieten stationieren. Dies ist ein klarer Schritt in der Eskalation Russlands, im Gegensatz zu all den Desinformationen, die heutzutage in Kasan kursieren“, sagte Selenskyj. (lm)

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