Rückschlag für Kiew

Putin macht Jagd auf US-Waffen: Video zeigt erste Zerstörung eines ukrainischen HIMARS

  • Patrick Mayer
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Russische Militärblogger teilen ein Video, das sehr wahrscheinlich die Explosion eines amerikanischen HIMARS-Mehrfachraketenwerfers der Ukrainer zeigt.

Nikanorivka - Sie galten im Ukraine-Krieg lange als quasi unzerstörbar, doch jetzt soll es erstmals auch einen der ihren erwischt haben. Die Rede ist von den amerikanischen Mehrfachraketenwerfern HIMARS im Dienst der ukrainischen Armee.

Ukraine-Verluste: Russland-Armee zerstört wohl erstmals ein HIMARS-System

Militärblogger aus Russland teilten in den Sozialen Medien ein Video (siehe Tweet unten), das die Zerstörung eines High Mobilitiy Artillery Rocket Systems, so der gesamte Name, zeigen soll. Unbestätigten Berichten zufolge sollen die Bilder es aus dem Osten der Ukraine stammen, Ort und Zeitpunkt der Drohnen-Aufnahmen lassen sich nicht unabhängig verifizieren.

Sehr wahrscheinlich handelt es sich dagegen um ein ebensolches HIMARS-System, von denen die Amerikaner laut Website des US-Außenministeriums dem heimtückisch überfallenen Land bis Ende Dezember 2023 insgesamt 39 Exemplare geliefert hatten. Seither stellten die USA jedoch wegen der Blockade der Republikaner im Kongress keine schweren Waffen mehr bereit. Seit Februar 2022 war indes bislang kein einziger Verlust eines HIMARS bekannt geworden.

Russische Verluste in der Ukraine: HIMARS setzt den Truppen von Wladimir Putin zu

Der auf dem Drohnen-Video abgebildete HIMARS-Mehrfachraketenwerfer war offenbar an einem Waldrand abgestellt. Ob es Verluste unter den bedienenden Soldaten gab, ist nicht überliefert. Kiew hat bisher den mutmaßliche Verlust des HIMARS jedenfalls nicht bestätigt. Der Mehrfachraketenwerfer, dessen Prototyp im Jahr 1999 vorgestellt wurde, hat den Invasionstruppen des imperialistischen Kreml-Machthabers Wladimir Putin in den vergangenen zwei Jahren heftige Verluste beigebracht.

Zum Beispiel, als jüngst zwei russische Raketenwerfer „Grad“ durch eine mutmaßliche GLSDB-Bombe aus einem HIMARS bei Kreminna auf einen Schlag vernichtet wurden. Und: Kürzlich wurden ukrainischen Angaben zufolge angeblich etliche russische Soldaten durch einen HIMARS-Treffer bei einer Zeremonie in der Siedlung Oleniwka in der Region Donezk getötet. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig überprüfen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

HIMARS aus den USA: Lukratives Ziel für Wladimir Putins Truppen in der Ukraine

Die M142, so die Typ-Bezeichnung des US-Militärs für das Artilleriesystem, gilt wegen ihres Radantriebs und einer Höchstgeschwindigkeit von bis 94 km/h als sehr flexibel einsetzbar. Vereinfacht: Schnelles Schießen und unmittelbares Verstecken vor Gegenfeuer sind damit gut umsetzbar. Das wurde in diesem Fall aber offenbar verhängnisvoll vernachlässigt. Der Schlag gegen das HIMARS-System soll sich russischen Bloggern zufolge beim Dorf Nikanorivka ereignet haben, rund 40 Kilometer nordwestlich von Awdijiwka, was sich ebenso wenig verifizieren lässt wie die Behauptung, dass der russische Angriff angeblich mit einer Iskander-M-Rakete erfolgte.

Es wäre ein herber Rückschlag für Kiew: Die HIMARS-Raketen sollen nicht zuletzt eine Reichweite von bis zu 80 Kilometern haben. Und: Die präzisionsgelenkten Boden-Boden-Raketen aus der Reihe der Guided MLRS verfügen über GPS- und INS-Positionsbestimmung sowie Lenkmechanismen und sind dadurch während des Fluges manövrier- sowie korrekturfähig. Das macht sie zu einer hochpräzisen Waffe. Und für ein lukratives Ziel für die russische Armee Putins, die kürzlich wohl auch zwei schwere US-Kampfpanzer M1 Abrams der Ukrainer ausschalten konnte.

Schlagkräftig und präzise: Ein HIMARS-Mehrfachraketenwerfer, wie sie in der Ukraine zum Einsatz kommen. (Symbolfoto)

Wie viele HIMARS-Raketen haben die Ukrainer noch? Republikaner blockieren

Aktuell ist völlig unklar, wie viele Raketen die ukrainischen Streitkräfte für ihre HIMARS noch haben. Generell muss die Artillerie mitten im Verteidigungskampf extrem haushalten, was mit ein Grund dafür gewesen sein soll, dass Mitte Februar die einstige Bastion im Donbass, die völlig zerstörte Industriestadt Awdijiwka, an die Russen fiel.

Aber: Die Republikaner von Donald Trump, der sich am 5. November wohl wieder der US-Präsidentschaftswahl stellen wird, blockieren nach wie vor im Abgeordnetenhaus des Kongresses ein vorbereitetes Militärpaket der Biden-Regierung über kolportiert 60 Milliarden US-Dollar. (pm)

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