Russland bedroht die Nato

Russland-Gefahr für die Nato: Vorbereitungen gegen Wladimir Putin gefordert

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Ein britischer Geheimdienst-Spezialist betrachtet Nato-Vorbereitungen für einen potenziellen Krieg gegen Wladimir Putins Moskau-Regime als unvermeidlich.

London – Auch wenn die Verluste für die russische Armee im brutalen Ukraine-Krieg weiter hoch sind, lässt Kreml-Autokrat Wladimir Putin nicht von seinem Imperialismus im geschundenen Nachbarland ab.

Wegen Bedrohung durch Wladimir Putin: Ex-Geheimdienstler fordert Briten-Wehrdienst

Währenddessen lässt der russische Machthaber Nato- und EU-Einrichtungen wie in Italien offenbar ausspionieren. Das westliche Militärbündnis ist gewarnt: Finnlands Präsident Alexander Stubb verwies etwa auf die Größe der finnischen Armee. Und in Deutschland wird zum Beispiel die Einführung der Wehrpflicht diskutiert.

Der frühere britische Geheimdienstchef Sir Alex Younger hat nun in einem Interview gefordert, dass auch Großbritannien eine Art Wehrdienst brauche, sich wiederbewaffnen und militärische Reserven aufbauen müsse, um für die internationale Bedrohung durch das Moskau-Regime aus Russland gewappnet zu sein.

Wegen der Aggression durch Russland-Autokrat Wladimir Putin solle sich Großbritannien deutlich stärker bewaffnen, fordert ein Ex-Geheimdienstler. Hier sind britische Challenger-2-Panzer bei einer Nato-Übung zu sehen.

Annäherung zwischen Donald Trump und Wladimir Putin: Warnung aus Großbritannien

„Putin und Trump haben gemeinsam ihr Bestes getan, um uns davon zu überzeugen, dass sich die Regeln geändert haben“, erklärte Sir Alex Younger im Gespräch mit The Independent. Der ehemalige Leiter des Secret Intelligence Service des Vereinigten Königreichs, kurz MI6, spielte damit wohl auf die Annäherung zwischen US-Präsident Donald Trump und Putins russischem Regime um den willfährigen Außenminister Sergei Lawrow an. Manche Beobachter befürchten gar, die USA könnten unter Trump die transatlantische Verteidigungsallianz Nato langfristig verlassen.

Younger wurde in dem Interview gefragt, ob Großbritannien generell für einen möglichen Krieg gewappnet sei. „Ich mache mir Sorgen. Wir haben selbstverständlich militärisch abgerüstet. Wir haben unsere militärische und industrielle Basis weitgehend demontiert, was ein großes Problem darstellt“, antwortete der 61-Jährige. Zu einem möglichen Wehrdienst zwischen Schottland, England und Wales, meinte der frühere Nachrichtendienst-Chef: „Nach der tatsächlichen Wirksamkeit von Maßnahmen wie der Wehrpflicht müssten Sie einen Soldaten fragen. (…) Ich weiß, dass sie einfach stärker in den Alltag integriert werden muss. Ich denke, das würde umfassendere Vorteile bringen. Daher denke ich, dass es eher um ein kreativeres und umfassenderes Konzept der Reserve geht.“

Putin und Trump haben gemeinsam ihr Bestes getan, um uns davon zu überzeugen, dass sich die Regeln geändert haben.

Sir Alex Younger, ehemaliger Chef des MI6

Nato-Aufrüstung wegen Wladimir Putin: Ex-Chef des MI6 verweist auf Finnland

In einer Expertenrunde mit der ehemaligen Nato-Gesandten des US-Verteidigungsministeriums, Dr. Rachel Ellehuus, schilderte Younger, dass Großbritannien in seiner Befähigung zur Selbstverteidigung hinter andere Nato-Staaten zurückgefallen sei. Und dass die Nato-Mitglieder unterschiedlich auf die Bedrohung durch Russland reagieren. „Es hängt wirklich davon ab, wie nah man an Moskau liegt. Ich denke, in Finnland ist das gut verstanden, und es gibt eine gut integrierte, resiliente Kultur, in der jeder daran gewöhnt ist, seinen Teil beizutragen. In Portugal hingegen trifft das einfach nicht zu – und in gewisser Weise ist das auch verständlich“, meinte er.

Er denke, „auch Großbritannien ist ziemlich zerrissen. Wir haben diese erstaunliche Geschichte, die es den Menschen leichter macht, sich eine viel aktivere Rolle Großbritanniens vorzustellen. Aber ich denke, auch hier gibt es echte Bedenken, aufgefordert zu werden, tatsächlich etwas zu tun“, sagte er The Independent. Der britische Premier Keir Starmer (Labour Party) hatte zuletzt wiederholt Friedenstruppen aus den Reihen der Nato für die Kontrolle einer Waffenruhe in der Ukraine vorgeschlagen. Die Briten würden dafür gemeinsam mit Frankreich Soldaten entsenden, erklärte er, und seien bereit, ihren Beitrag zu leisten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Streitkräfte des Vereinigten Königreichs: Rund 139.500 Berufssoldaten in Großbritannien

Einem Bericht der Nato aus dem März 2024 zufolge hatten die Streitkräfte des Vereinigten Königreichs damals bei knapp 68 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern rund 139.500 Berufssoldaten und knapp 44.000 Reservisten. Zum Vergleich: Die deutsche Bundeswehr hat jüngsten Angaben zufolge rund 181.500 Berufssoldaten. Die British Army, also die Landstreitkräfte, sollen über etwa 200 Challenger-2-Kampfpanzer verfügen. Zum Vergleich: Die Bundeswehr hat 310 Leopard 2 in ihrem Bestand. (pm)

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