Verteidigungsminister warnt
„Russland geht in Kursk aufs Ganze”: Nato-Mitglied Estland warnt
- VonJan-Frederik Wendtschließen
Russland meldet Erfolge in Kursk. Der estnische Verteidigungsminister warnt vor einer kritischen Frontlage und ruft Europa zur Unterstützung auf.
Tallinn – Estlands Verteidigungsminister, Hanno Pevkur, warnt vor einer heiklen Frontsituation im Ukraine-Krieg: „Russland geht gerade aufs Ganze, um die russische Region Kursk zurückzuerobern“, sagte der Politiker dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). „Die Situation an der Front wird jetzt zunehmend ernster und die Gefechte auf dem Schlachtfeld werden immer schwieriger, insbesondere wegen der beginnenden Winterperiode“, so Pevkur. Er war erst vor wenigen Tage in der Ukraine. Dort traf er den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und dessen Verteidigungsminister Rustem Umjerow.
Im Krieg gegen Russland: Ukraine kämpft gegen militärisches Ungleichgewicht
Das ukrainische Militär hatte die russische Grenzregion im August überraschend erobert. Seit Wochen versucht Russland, sein Staatsgebiet zurückzuerobern – lange Zeit ohne großen Erfolg. Nun mehren sich Berichte über russische Gebietszurückeroberungen unter enormen Verlusten russischer Soldaten. Zudem hatte Wladimir Putin zuletzt eine operative Niederlage einstecken müssen, nachdem die Ukraine das Hauptquartier für die Kursk-Gegenoffensive mit britischen Storm-Shadow-Marschflugkörpern beschossen hatte.
Laut Pevkur ist die russische Armee mit einer halben Million Soldaten gut aufgestellt. Hinzu komme die nordkoreanische Unterstützung von mindestens 10.000 Soldaten bei Kursk. „Natürlich profitiert Russland von den zusätzlichen Kräften in dieser Region, während die Ukraine schon lange mit allen verfügbaren Soldaten kämpft“, meint Pevkur. In diesen Kriegsgebieten sei es entscheidend, „zwei oder drei zusätzliche Brigaden zu haben“. Dieses Ungleichgewicht mache die Lage für das angegriffene Land schwierig.
Pevkur: Europa muss Waffenlieferung an Kiew im Ukraine-Krieg „schleunigst“ ausweiten
Den Munitionslieferungen aus Nordkorea müsse Europa geschlossen entgegentreten. Waffenlieferungen an die Ukraine sollten „schleunigst ausgeweitet“ werden und „vor allem schneller“ ablaufen. Als Reaktion auf die nordkoreanischen Soldaten hatten die USA, Großbritannien und Frankreich der Ukraine erlaubt, ihre reichweitenstarken Raketen in Russland einzusetzen – laut Medienberichten wohl nur in der Region Kursk. Mittlerweile sollen auch Huthi-Kämpfer aus dem Jemen für Russland kämpfen.
Ukraine-Krieg: Die Ursprünge des Konflikts mit Russland




In dem Interview kritisierte Pevkur den deutschen Kanzler Olaf Scholz für sein Telefonat mir Putin. Man müsse dem Kremlchef entschlossener gegenüberstehen. Es brauche eine klare Stimme und mehr militärische Hilfe für die Ukraine.
Wegen Lage im Ukraine-Krieg: Pevkur richtet Appell an europäische Bevölkerung
„Ich erinnere an 1989, als Präsident Reagan in Berlin war und appellierte: ‚Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder‘. Heute müssen wir sagen: ‚Herr Putin, raus aus der Ukraine‘“, machte der Estländer deutlich. Kein Telefonanruf werde Putins Überzeugungen ändern.
Pevkur befürwortet in dem Gespräch die Erhöhung des Nato-Beitrags – von aktuell zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf drei Prozent. Das transatlantische Verteidigungsbündnis hatte zuletzt neue Vorhaben verabschiedet. „Diese Pläne können wir nur erfüllen, wenn wir in den nächsten Jahren mindestens drei Prozent in Verteidigung investieren“, so Pevkur. Weiter appellierte er: „Wir müssen dringend die Bereitschaft in unserer Bevölkerung stärken, Europa im Ernstfall mit der Waffe zu verteidigen.“ (Jan Wendt)
Rubriklistenbild: © Russisches Verteidigungsministerium
