Nachschub für Putins Armee

Nordkorea schickt Russland 6700 Container – Munition für den Ukraine-Krieg?

  • Michael Kister
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Nordkorea soll seit September etwa 6700 Container an Russland geliefert haben. Darin könnte vor allem Munition für den Ukraine-Krieg gewesen sein.

Moskau/Pjöngjang – Während ein Team des Auswärtigen Amtes erstmals seit Ausbruch der Corona-Pandemie wieder Nordkorea besucht, zog der Verteidigungsminister von Südkorea, Shin Won-sik, Bilanz über die bisherigen Waffenexporte des von Diktator Kim Jong-un regierten Nachbarstaates an Russland. Er sagte bei einem Medienbriefing, über das die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, Nordkorea habe seit September 2023 etwa 6700 Container mit Waren nach Russland gesandt. Die Container böten entweder genug Platz für ungefähr 3 Millionen Artilleriegeschosse vom Kaliber 152 Millimeter oder für 500.000 Projektile vom Kaliber 122 Millimeter, fuhr er fort.

Dabei erwähnte Shin die ballistischen Raketen nicht, die spätestens seit November ebenfalls ihren Weg von Nordkorea nach Russland finden und zum Beispiel am 7. Februar 2024 auf Charkiw niedergingen. Im Gegenzug erhalte Nordkorea in erster Linie Lebensmittel, aber auch Rohstoffe und Teile, die das stark sanktionierte Land für die Waffenproduktion benötigt, so der südkoreanische Außenminister. Er fügte hinzu, dass das Volumen dieser aus Russland versandten Güter jenes der nordkoreanischen Lieferungen in die andere Richtung um etwa 30 Prozent übersteige.

Bisher soll Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un (l) bis zu 3 Millionen Artilleriegeschosse an Russland geliefert haben.

Ukraine-Krieg: Bis zu 3 Millionen Artilleriegeschosse aus Nordkorea für Russland

Seitdem Kim Jong-un Mitte September 2023 im russischen Weltraumbahnhof Wostotschny Wladimir Putin getroffen hatte, gab es Berichte über einen Waffendeal zwischen den beiden. Kim machte keinen Hehl daraus, dass er den russischen Krieg in der Ukraine unterstützt: Ihre Länder stünden im Kampf gegen den Imperialismus zusammen, versicherte er dem Kremlherrscher.

Wie es scheint, heizt Kim die Munitionsproduktion für seinen Partner sogar an. Normalerweise, so der südkoreanische Verteidigungsminister Shin, schöpften nordkoreanische Waffenfabriken nur etwa 30 Prozent ihrer Produktionskapazitäten aus, weil es ihnen an den nötigen Rohstoffen sowie an Energie mangele. Die Fabriken, die hauptsächlich Waffen und Geschosse für Russland herstellen, trieben diese Quote derzeit aber gegen 100 Prozent, sagte ShinYonhap zufolge am Montag.

Russland verschießt zehnmal so viele Granaten wie die Ukraine

Die nordkoreanischen Fabrikate machen einen Teil der aktuell schätzungsweise 10.000 Granaten aus, die Russland täglich in der Ukraine verschießt. Laut dem ukrainischen Verteidigungsminister Rustem Umjerow sei das bis zu zehnmal so viel, wie sein Land aufbringen könne. Die Ukraine drängt deswegen ebenfalls auf mehr Munitionslieferungen aus dem Westen, die – über Umwege – bisher auch aus Südkorea kamen. Das Land schickte etwa den USA und Polen Artilleriemunition, die dadurch den Freiraum bekamen, eigene Bestände an die Ukraine abzugeben.

Kim dürfte in Russlands Nachfrage eine Chance sehen, die hinkende Wirtschaft seines Landes anzukurbeln: Sein Land hat drei aufeinanderfolgende Jahre der Rezession hinter sich, ausgelöst von der Corona-Pandemie. Die üblicherweise verlässliche Schätzung der südkoreanischen Bank of Korea gab das Bruttoinlandsprodukt (BIP) von Nordkorea für 2022 mit knapp 28 Milliarden US-Dollar an. Das kommt einem Rückgang von 0,2 Prozent zum Vorjahr gleich und summiert sich auf nicht einmal 2 Prozent des südkoreanischen BIPs im selben Zeitraum.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Funktioniert der nordkoreanische Spionagesatellit mit russischer Technologie?

Gleichzeitig und wohl weil Kim so viel Geld in die Rüstung investiert, leidet das Volk von Nordkorea seit Jahren unter chronischer Nahrungsmittelknappheit. Ob die russischen Lieferungen diesem Problem beikommen können, wird sich zeigen. Kim mag es zunächst wichtiger gewesen sein, mit technologischer Unterstützung der Russen einen Prestigecoup einzufahren: Nachdem Putin ihm in Wostotschny versprochen hatte, beim Bau von Satelliten zu helfen, schickte der nordkoreanische Machthaber im vergangenen November seinen ersten Spionagesatelliten ins All.

Damit will Kim prompt das Weiße Haus und amerikanische Militärbasen ausgekundschaftet haben. Der südkoreanische Verteidigungsminister Shin blieb bei dem Medienbriefing am Montag in dieser Hinsicht skeptisch und sagte über den Satelliten: „Er zeigt keine Anzeichen dafür, zu funktionieren, und umkreist die Erde lediglich ohne Aktivität.“ (Michael Kister)

Rubriklistenbild: © Alexander Zemlianichenko/AP/dpa