Krieg in der Ukraine

Trotz russischer Offensive: Ukraine gibt Charkiw nicht auf

  • VonSarah El Sheimy
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Die russische Offensive ist der Stadt Charkiw bislang vor allem aus der Luft gefährlich geworden. Trotz der ständigen Gefahr wollen einige aber nicht weichen.

Charkiw – Anfang Mai hat das russische Militär von Belgorod aus eine Offensive auf die zweitgrößte Stadt der Ukraine, Charkiw, gestartet. Bei seinem Vorstoß hat Russland einige grenznahe Dörfer eingenommen, die Stadt Wowtschansk bleibt umkämpft. Von dort aus ist es bis Charkiw für die russischen Soldatinnen und Soldaten zwar kein Katzensprung, die Stadt und ihre Bevölkerung werden aber bereits seit Wochen aus der Luft angegriffen. Russlands Präsident Putin will die Stadt nach eigenen Angaben zwar nicht einnehmen, Fachleute vermuten, dass sein Ziel vor allem darin besteht, Charkiw unbewohnbar zu machen. Genau das scheinen ukrainische Offizielle aber verhindern zu wollen.

„Das Leben geht weiter“, zitiert das US-Portal Newsweek den Leiter der Abteilung für Jugend und Sport der regionalen Militärverwaltung in Charkiw, Konstantin Anantschenko. Man sei „unzerbrechlich“. Kinder würden immer noch dazu angehalten, Sport zu treiben, und Sportlerinnen und Sportler weiterhin trainieren. Turnhallen, Sportstätten und Gemeinschaftseinrichtungen, die in Trümmern lagen, seien repariert worden, so Anantschenko.

Wolodymyr Selenskyj (M), Präsident der Ukraine, betrachtet eine Landkarte während eines Besuches in Charkiw. Im Ukraine-Krieg hat Russland dort jüngst eine Offensive gestartet. (Archivbild)

Offensive auf Charkiw: Mehr als 14.000 Menschen sind vertrieben worden

Dem schließt sich auch die ukrainische Abgeordnete Mariia Mezentseva an, wie Newsweek berichtet. Zerstörungen könnten in Charkiw auch während des Ukraine-Krieges wieder aufgebaut werden. In der Stadt sei es gegenwärtig möglich, ins Restaurant, Schwimmbad oder Fitnessstudio zu gehen, gleichzeitig könne es aber auch jeden Moment zu einer Luftoffensive kommen. „Manche Menschen sind sich nicht ganz sicher, ob es ihr Café, Restaurant oder Geschäft morgen überhaupt geben wird.“

Vor dieser Gefahr sind in der Region Charkiw seit Beginn der neuen russischen Offensive bereits viele geflohen: 10.500 Menschen habe man nach Angaben des Gouverneurs Oleh Syniehubov aus verschiedenen Gegenden evakuiert. Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge handelt es sich sogar um mehr als 14.000 Personen, die in der Region Charkiw vertrieben worden sind.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Baerbock in der Ukraine: Die Bundesaußenministerin appelliert an die Verbündeten

Fast 189.000 Zivilpersonen würden sich weiterhin in Gebieten aufhalten, die höchstens 25 Kilometer von der russischen Grenze entfernt seien, sagte der Vertreter der WHO in der Ukraine, Jarno Habicht, am Dienstag. Sie seien durch die anhaltenden Kämpfe im Grenzgebiet „erheblichen Gefahren ausgesetzt“. Auch das UN-Flüchtlingshilfswerk zeigte sich „äußerst besorgt“ über die steigenden „humanitären Bedürfnisse und die Zwangsumsiedlungen“ infolge der russischen Angriffe.

Bei ihrem Besuch in der Ukraine am Dienstag hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) mehr internationale Hilfe für die Luftverteidigung des Landes gefordert, um „die Ukraine vor dem russischen Raketen- und Drohnenhagel zu schützen“. Der ukrainische Präsident Selenskyj hatte kurz zuvor mehrmals um die Lieferung von weiteren Patriot-Flugabwehrsystemen gebeten, mit denen er die Stadt Charkiw vor russischen Geschossen schützen möchte. (ses/AFP)

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