Wegen bewaffnetem Aufstand
Prigoschin nur noch „ein wandelnder Toter“: Russland-Experte rechnet mit Putins Rache
VonBedrettin Bölükbasischließen
Nach seinem bewaffneten Aufstand muss Wagner-Chef Prigoschin nach Belarus und bleibt am Leben - vorerst. Ein Experte geht von Putins Rache aus.
Moskau – Das Schicksal von Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin unmittelbar nach seiner Meuterei sorgte für Überraschung. Der Söldner-Chef, der die Stadt Rostow einnahm und von dort aus samt dem Abschuss russischer Helikopter in Richtung Moskau marschierte, wurde nicht eliminiert, sondern lediglich nach Belarus geschickt. Doch einige Experten sind dennoch der Meinung, dass der Wagner-Chef dort ausgeschaltet werden könnte.
Prigoschins bewaffneter Aufstand: Experte Bremmer verweist auf Putins Vorgehen gegen Rivalen
Zu diesen Experten gehört auch der angesehene Russland-Experte, Politikberater und Chef der Beratungsfirma Eurasia Group, Ian Bremmer. Der Anführer der Wagner-Gruppe gehe nach Belarus, einem Land, das nicht souverän sei, sondern vielmehr unter Kontrolle Russland stehe. „An diesem Punkt ist er wie ein wandelnder Toter“, so Bremmer in einem Interview mit dem US-Sender CNBC. Die Abmachung mit dem Kreml sei kein guter Deal für den Söldner-Boss: „Ich würde mich wundern, wenn er in ein paar Monaten noch unter uns ist.“
Hintergrund des Gedanken von Bremmer: Kreml-Chef Wladimir Putin habe Menschen für Einfacheres als eine Meuterei „eingesperrt und eliminiert“. Was Prigoschin Putin angetan habe, zeige die „Schwäche“ des russischen Präsidenten. Daher sei es „undenkbar, dass Putin ihm erlaubt, länger zu leben als absolut notwendig“.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Wagner-Chef Prigoschins Aufstand: Hardliner Girkin fordert Erhängung
Nicht nur von Experten, sondern auch aus der russischen Hardliner-Szene kommen Stimmen, die ein Attentat gegen den Wagner-Chef fordern. Die bekannteste Persönlichkeit ist dabei Igor Girkin, ein ehemaliger russischer Oberst des Militärgeheimdienstes und Ex-Kommandeur russischer Separatisten im ukrainischen Donbass. Er hat sich auch damit einen Namen gemacht, Putin wegen eines zu sanften Vorgehens in der Ukraine stark zu kritisieren. Zuletzt hatte er sich erneut Putin vorgeknöpft.
„Ich denke nicht, dass alle Wagner-Kommandeure und Kämpfer erschossen werden sollten“, schrieb Girkin im Kurznachrichtendienst Telegram. Allerdings sind Konsequenzen für Prigoschin laut dem Hardliner zwanghaft notwendig. „Doch um Russland als Staat erhalten zu können, ist es einfach notwendig, den ‚Koch‘ für seine Rebellion und den Mord unserer Offiziere zu erhängen“, so der Ex-Milizkommandeur.
Sollte der Wagner-Chef es nicht schaffen, weiterhin die Kontrolle über seine Söldner-Truppe zu erhalten, „dann würde ich nicht mal einen Cent auf das Leben von Prigoschin wetten“, unterstrich Girkin. Ohne seine „Armee“ könne er nicht überleben und werde keine „zweite Chance“ bekommen. Sollte er es aber schaffen, Wagner am Leben zu halten, könne er alle überreden, dass er siegreich sei und sogar als Herausforderer gegen Putin antreten. (bb)
