US-Behörde warnt

Putins Einfluss auf den Westen: Deutschland für Russlands Propaganda besonders angreifbar

  • Sandra Kathe
    VonSandra Kathe
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Mit gefälschten Nachrichtenseiten und Russland-freundlichen Influencer-Berichten soll Russland laut FBI in vielen Ländern Spuren hinterlassen haben.

Washington/Moskau – Ein Bericht des FBI legt unverblümte Pläne der russischen Regierung offen, durch Fake News und gefälschte Nachrichtenseiten die Wahlergebnisse in den USA zu manipulieren und darüber hinaus auch auf die Politik in Europa Einfluss zu nehmen. Dabei ist auch die Rede davon, dass die AfD „mit allen Mitteln“ unterstützt werden solle.

Bekannt wurde dies im Rahmen einer offiziellen Anklage der US-Behörden gegen mehrere russische Staatsangehörige, über die das US-Justizministerium am Mittwoch (4. September) berichtete. In diesem Zuge wurden auch über 30 Websites deaktiviert, die zuvor als sogenannte „Doppelgänger“-Seiten russische Propaganda ausgespielt und diese als Inhalte etablierter Medien getarnt hatten. Zu den betroffenen Nachrichtenseiten in Deutschland zählen unter anderem Der Spiegel, die Süddeutsche Zeitung sowie Bild.

Vor einer Task Force aus US-Politikern stellte der FBI-Chef Christopher Wray am Mittwoch die Untersuchungsergebnisse seiner Ermittler vor.

FBI legt Russland-Kampagne offen: Verbindungen von Kreml zu IT-Firma

Die US-Zeitung Politico berichtet, dass die FBI-Berichte sich bei ihren Anschuldigungen auf ein offizielles Dokument der russischen IT-Firma Social Design Agency beruft, in dem über die Pläne zur Beeinflussung der US-Wahl auch etliche Informationen über den Umgang mit Staaten in Europa zu finden sind. Das Unternehmen hat laut Behördeninformationen enge Verbindungen zum Kreml und agiert laut FBI-Angaben unter der Führung von Wladimir Putins stellvertretendem Büroleiter Sergei Kirijenko.

Die Fake-Seiten, KI-generierten Inhalte und Propaganda-Kampagnen von Influencern, die demnach unter Einflussnahme des Kreml entstanden sein sollen, hätten laut den Dokumenten aus Russland zum Ziel, „rationale und emotionale Reaktionen der Leserschaft hervorzurufen“, Skepsis an der Unterstützung der Ukraine zu schüren, die USA zu diskreditieren, sowie die Menschen dazu zu bringen, die Sanktionen gegenüber Russland zu verurteilen. Damit würde in den betroffenen Ländern Misstrauen gegenüber der Politik sowie eine Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben.

Russlands Einfluss in Deutschland: „Abhängiger“ als Frankreich

Wie die Nachrichtenseite T-Online berichtet, umfassen diese Pläne auch eine massive Einflussnahme in Deutschland, das nach Einschätzung der Autoren des Papiers „abhängiger“ von Russland sei, als etwa Frankreich. Das FBI bezeichnete Deutschland laut Politico sogar als besonders angreifbares Ziel für die angeblichen Pläne, was auch mit Verbindungen zu Parteien vor Ort zu tun habe.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

So zitiert T-Online aus dem 277 Seiten starken Dokument der US-Ermittlungsbehörde, dass es von russischer Seite den Plan gegeben habe, die AfD „mit allen Mitteln“ zu unterstützen. Ihre Taktik: Die Politikerinnen und Politiker der Partei als Märtyrer darzustellen, „die für die Demokratie und Deutschlands nationale Interessen“ leiden.

Ziel ist „Eskalation interner Spannungen“: FBI zitiert internes Dokument aus Russland

Generell geht aus den Papieren hervor, dass Desinformations- und Manipulationskampagnen neben den USA auch auf europäische Staaten, vor allem das Vereinigte Königreich, Deutschland, Frankreich und Italien abgezielt werden sollten. Darüber hinaus sei es laut Politico zu versuchter Einflussnahme gegenüber Personen aus Politik, Wirtschaft und Medien in diesen Ländern gekommen.

In dem Dokument, das die Zeitung zitiert, heißt es offen, dass das Ziel der Kampagne die „Eskalation interner Spannungen“ sowie die „Destabilisierung der gesellschaftlichen Situation“ in den betreffenden Ländern wäre. Bezweckt werden solle damit, die Interessen der russischen Föderation voranzubringen. (saka)

Rubriklistenbild: © Andrew Harnik/AFP

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