Schwere Verluste in Kursk

„Friendly Fire“ im Ukraine-Krieg: Russland feiert Abschuss – doch Angriff trifft Nordkorea-Raketenwerfer

  • Felix Durach
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Russland verzeichnet im Ukraine-Krieg weitere Verluste. Einen von Nordkorea gelieferten Raketenwerfer soll Putins Truppe dabei sogar versehentlich selbst zerstört haben.

Frankfurt – An der Präsenz von nordkoreanischen Truppen in der russischen Grenzregion Kursk sollte spätestens nach der Gefangennahme von zwei Soldaten kein Zweifel mehr bestehen. Russlands Präsident Wladimir Putin versucht im Ukraine-Krieg um jeden Preis, die ukrainischen Streitkräfte hinter die Grenze zurückzudrängen und setzt dabei auch auf Truppen aus Nordkorea. Neben Soldaten soll Russland jedoch auch Kriegsgerät von Kim Jong-un erhalten haben – darunter auch Raketensysteme zur Luftabwehr aus nordkoreanischer Produktion. Einer dieser Raketenwerfer wurde nun offenbar in Kursk zerstört – und zwar ausgerechnet durch eine russische FPV-Drohne.

Verluste im Ukraine-Krieg: Russland zerstört wohl Raketenwerfer aus Nordkorea durch „Friendly Fire“

Von dem Vorfall berichtet unter anderem der ukrainische Militärblogger Alexander Kovalenko auf seinem Telegram-Account. Durch „Friendly Fire“ eines russischen Drohnenpiloten soll dabei ein Raketensystem vom Typ Pongae M-2020 zerstört worden sein. „Der Pilot dachte, er habe ein westliches Modell eines Luftabwehrsystems im Visier, und betätigte daher die Taste zum Maschinengewehr“, schreibt Kovalenko. Die Informationen können jedoch nicht unabhängig überprüft werden.

Wie das ukrainische Portal Militarnyi berichtete, wurde der Vorfall von russischen Militärbloggern zunächst als Abschuss eines westlichen Radarsystems auf Telegram gefeiert. Die Analyse von Bildmaterial weise jedoch eher auf ein nordkoreanisches Raketensystem mit kurzer Reichweite hin. Deren Silhouette habe starke Ähnlichkeiten mit westlichen Radarsystemen, die sich im Besitz der Ukraine befinden.

Russische Truppen haben offenbar versehentlich ein von Nordkorea geliefertes Luftabwehrsystem in Kursk zerstört.

Entwicklungen „äußert beunruhigend“ – Luftabwehr aus Nordkorea wohl bereits im Kursk-Einsatz

„Friendly Fire“ – also der Beschuss von Soldaten oder Kriegsgerät durch die eigenen Truppen – ist keine Seltenheit in der Hitze des Krieges und auch im Ukraine-Krieg kam es bereits öfter zu ähnlichen Vorfällen, die ebenfalls Verluste nach sich zogen. Der jüngste Fall gibt laut Kovalenko aber auch Hinweise auf den Zustand der russischen Streitkräfte in Kursk.

So war bislang nicht bekannt, dass Russland Waffensystem vom Typ Pongae M-2020 bereits vor Ort in Kursk und im Einsatz hat. Die Lieferung in das Kriegsgebiet geschah demnach offenbar, ohne dass westliche oder südkoreanische Geheimdienste davon wussten. Kovalenko schließt in seinem Beitrag daraus, dass es logistische Lieferketten zwischen Nordkorea und Russland gibt, die von den Geheimdiensten nicht überwacht werden und bezeichnete die Erkenntnis als „äußert beunruhigend“.

Russlands Verluste im Ukraine-Krieg – Nordkorea muss mit Luftabwehrsystemen aushelfen

Weiter ist die Präsenz der von nordkoreanischen Raketensystemen in Kursk ein Hinweis auf die schwindenden Kapazitäten der russischen Armee im Bereich der Luftverteidigung. „Russland verlangt von Nordkorea genau das, was ihm am meisten fehlt, und diese Lieferungen spiegeln die Komplexität der Kompensation der Verluste wider“, analysiert Kovalenko. Nach Munition und Soldaten, welche Putins Streitkräfte bereits aus Pjöngjang erhalten haben, stünden nun auch Boden-Luft-Raketenwerfer im Fokus. Unklar ist derzeit jedoch, ob Russlands Mangel an Luftabwehr aus den immensen Verlusten rührt, welche die Streitkräfte im bisherigen Verlauf des Ukraine-Kriegs erlitten haben oder ob das russische Kriegsgerät an der Front in der Ostukraine benötigt wird.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Bereits 300 Nordkorea-Soldaten in Kursk gefallen – Selenskyj hofft auf Gefangenenaustausch

Die Entwicklungen zeigen den steigenden Einfluss Nordkorea auf den Verlauf des Ukraine-Kriegs. Zahlen des südkoreanischen Geheimdienstes NIS zufolge, sollen bislang etwa 300 nordkoreanische Soldaten im Krieg gefallen sein – 2700 weitere Soldaten wurden im Kampf verwundet. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat am Wochenende angekündigt, nordkoreanische Kriegsgefangene für einen Austausch mit ukrainischen Soldaten in den von Russland besetzten Gebieten nutzen zu wollen. Dadurch könnten die Gefangennahme von nordkoreanischen Truppen für die Ukraine eine strategische Bedeutung erhalten, um den von Selenskyj benannten „Austauschfond“ der Ukraine aufzustocken.

Die Präsenz von nordkoreanischem Raketenwerfern in Kursk könnte es den Truppen der Ukraine jedoch auch schwerer machen, ihre umkämpften Positionen auf russischem Gebiet zu halten. Im August 2024 waren die ukrainischen Streitkräfte erstmals seit Beginn des Ukraine-Kriegs tief auf russisches Gebiet vorgestoßen und hatten mehrere Ortschaften eingenommen. Russland ist es seitdem nicht gelungen, die eingedrungenen Soldaten wieder hinter die Grenze zurückzudrängen und Kiew konnte zuletzt sogar eine neue Offensive in Kursk starten. Bei ihren künftigen Vorstößen stehen die Truppen der Ukraine jetzt also auch den nordkoreanischen Raketenwerfern gegenüber – sollte Russland diese nicht weiterhin durch „Friendly Fire“ selbst ausschalten. (fd)

Rubriklistenbild: © Montage: Alexander Zemlianichenko/dpa/Screenshot/Telegram/@zloyodessit

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