Besuch bei Selenskyj

Kampf gegen Russlands Angriffskrieg: Merz verspricht bei Kiew-Reise die Lieferung von Taurus-Raketen

Reiste mit dem Zug nach Kiew: Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) wird am Bahnhof von Botschafter Manfred Jäger empfangen.
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Reiste mit dem Zug nach Kiew: Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) wird am Bahnhof von Botschafter Manfred Jäger empfangen.
  • Jens Kiffmeier
    VonJens Kiffmeier
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Besuch in Kiew: Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) ist in die Ukraine gereist – und verspricht Selenskyj die Lieferung von Taurus-Raketen.

Kiew – Angesichts der anhaltenden russischen Angriffe ist Unionskanzlerkandidat Friedrich Merz zu einem Solidaritätsbesuch in die Ukraine eingetroffen. Dies ist sein zweiter Aufenthalt in der Ukraine seit Beginn des Krieges. Merz kam am Montagmorgen in einem Sonderzug in der ukrainischen Hauptstadt an, um der Regierung und den Menschen seine Unterstützung im Kampf gegen Russlands Angriffskrieg zu zeigen. Die Debatte um die Taurus-Lieferung dürfte damit neu aufflammen.

Merz erklärte bei seiner Ankunft: „Ich bin nach Kiew gereist, um der ukrainischen Regierung und den Menschen in der Ukraine zu versichern, dass die CDU/CSU-Bundestagsfraktion fest an ihrer Seite steht“, zitierte ihn die Nachrichtenagentur Reuters. Der Besuch solle die Solidarität der Union mit der Ukraine unterstreichen, insbesondere in Zeiten verstärkter russischer Angriffe.

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Merz betonte die Notwendigkeit verstärkter militärischer Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland, um deren Selbstverteidigungsrecht zu gewährleisten. Nur eine starke Ukraine zwinge Russlands Präsidenten Wladimir Putin an den Verhandlungstisch, sagte Merz und warnte: „Wenn unsere Unterstützung für die Ukraine schwächer wird, dann wird dieser Krieg länger dauern. Wenn unsere Unterstützung für die Ukraine konsequent ist, dann wird dieser Krieg schneller enden.“ 

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Ein zentrales Thema der Diskussion ist die Lieferung des Taurus-Marschflugkörpers. Während Merz die Lieferung als Option sieht, lehnt Kanzler Olaf Scholz (SPD) die Taurus-Lieferung mit Hinweis auf die Reichweite bis Moskau ab. Die unterschiedlichen Positionen zeigen die Spannungen innerhalb der deutschen Politik bezüglich der militärischen Unterstützung der Ukraine.

„Unsere Position ist klar: Wir wollen Ihre Armee in die Lage versetzen, Militärbasen in Russland zu erreichen“, sagte Merz am Montag bei dem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Dieser wünschte sich „entschlossenere“ Hilfe Deutschlands unter einem möglichen Kanzler Merz.

Die Ukraine müsse „ohne Einschränkungen“ die Möglichkeit haben, ihr Recht auf Selbstverteidigung wahrzunehmen, sagte Merz zu Taurus. Es gehe dabei nicht darum, Zivilbevölkerung oder Infrastruktur in Russland anzugreifen. Ziel jeglicher militärischer Unterstützung müsse zudem immer sein, „diesen Krieg so schnell wie möglich zu beenden und einen Frieden zu ermöglichen“.

Unionsfraktionsvize Johann Wadephul bekräftigte das Ultimatum an Wladimir Putin, Taurus zu liefern, sollte Moskau weiter Infrastruktur und Zivilbevölkerung bombardieren. „Merz hat sich grundsätzlich dafür ausgesprochen, Taurus zu liefern“, sagte Wadephul dem Magazin Politico und unterstrich dabei die Entschlossenheit der Union, die Ukraine mit allen notwendigen Mitteln zu unterstützen.

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Im Zuge der Diskussionen über die militärische Unterstützung wurde auch die Möglichkeit eines neuen Sondervermögens für die Bundeswehr und die Ukraine thematisiert. Wadephul zeigte sich offen für diese Idee und betonte die Priorität der Bereitstellung von Mitteln: „Aus meiner Sicht ist es die absolute Priorität, die Mittel für die Bundeswehr, aber auch für die Ukraine bereitzustellen.“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Abschließend wurde auch ein Ausblick auf die politischen Implikationen der Reise von Merz gegeben. Wadephul äußerte sich zu den Plänen von Merz, falls er Bundeskanzler wird: „Merz wird wahrscheinlich Anfang Mai Bundeskanzler sein. Dann muss man sich fragen: Brauchen wir Taurus im September des nächsten Jahres noch?“ (jkf)