Russland reagiert nervös

Marschflugkörper Tomahawk: Was die US-Waffe kann, die bald in Deutschland stationiert wird

  • Patrick Mayer
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Die USA verlegen bald Langstrecken-Waffen nach Deutschland, die bis nach Russland reichen. Was der Marschflugkörper zur Abschreckung Wladimir Putins kann.

Washington, D.C. – Wer wissen will, was ein Marschflugkörper vom Typ „Tomahawk“ aus den USA anrichtet, kann das bis heute im serbischen Belgrad begutachten.

Zur Abschreckung von Putin und Russland: USA werden Waffen in Deutschland stationieren

Dort schlugen am 29. und 30. April 1999 mehrere Tomahawk BGM-109 im Hauptquartier des Generalstabs der damaligen jugoslawischen Armee ein. Serbien verzichtete später darauf, das Gebäude abzureißen und wieder zu errichten. Stattdessen steht die Ruine wie ein Mahnmal mitten in der serbischen Hauptstadt.

Eben jene weitreichende Waffe wollen die Amerikaner nun in größerem Umfang bis 2026 in Deutschland stationieren. Mit Blick auf den Ukraine-Krieg. Und zur Abschreckung Russlands und vor allem von deren Machthaber Wladimir Putin. Das gaben die US-Regierung und die deutsche Bundesregierung auf dem Nato-Gipfel in Washington bekannt.

Ein Kriegsschiff der US Navy feuert einen Tomahawk-Marschflugkörper ab. (Symbolfoto)

US-Tomahawks in Deutschland: Reichweite bis Kaliningrad und Russland

Die Tomahawks sollen dann eine Reichweite von mehr als 2000 Kilometern haben. Bemerkenswert: Die Marschflugkörper werden in der Regel von Kriegsschiffen aus abgefeuert. Heißt: Die Amerikaner könnten als Nato-Bündnispartner eventuell ebensolche Kriegsschiffe dauerhaft in deutschen Häfen stationieren. Im Sommer 2011 ankerte zum Beispiel bereits die USS Philippine Sea, die auf den Abschuss von Tomahawks spezialisiert ist, am Bundeswehr-Standort in Kiel. Auch der Stützpunkt Wilhelmshaven der Deutschen Marine wäre für dieses Szenario theoretisch denkbar.

Möglich wäre aber auch der Marinestützpunkt Warnemünde bei Rostock. Denn dieser liegt am nächsten zur russischen Exklave Kaliningrad in der Ostsee, wo zwischen Litauen und Polen Putins Baltische Flotte stationiert ist, die von Polen sowie Balten gleichermaßen als Bedrohung empfunden wird. Von Rostock aus sind es nach Kaliningrad knapp 535 Kilometer Luftlinie, und nach St. Petersburg einmal diagonal über die Ostsee hinweg rund 1220 Kilometer. Die zweitgrößte russische Stadt (etwa fünf Millionen Einwohnerinnen und Einwohner), beziehungsweise die militärische Infrastruktur im von sogenannten Militärbezirk Leningrad, wäre somit theoretisch mit den Tomahawks von Norddeutschland aus erreichbar.

BGM-109 Tomahawk
WaffentypMarschflugkörper
Indienststellung1983
WaffenplattformenKriegsschiffe der US Navy und der Royal Navy (Großbritannien)
Geschwindigkeit878 km/h
Gefechtsgewicht1425 kg
Länge / Durchmesser5,56 m / 51,8 cm
Zielortung3-D-Messsystem INS, GPS

Tomahawk-Marschflugkörper aus den USA: Im Golfkrieg und Kosovokrieg im Einsatz

Die Ankündigung aus Washington und Berlin fällt in die Tage, als ein heimtückischer russischer Luftangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew für einen internationalen Aufschrei gesorgt hatte. Ein derartiges Bombardement auf Kinder, mutmaßlich abgesegnet durch Moskau, ist selbst im blutigen Krieg in der Ukraine eine neue Dimension der Brutalität. Die Tomahawks als Abschreckungswaffe gelten auf US-Seite indes als bewährt. So kamen die Marschflugkörper bereits im Zweiten Golfkrieg 1990 (gegen den Irak unter Saddam Hussein), im Kosovokrieg 1999 (gegen Serbien) und im Afghanistankrieg 2001 (gegen die Taliban) zum Einsatz.

Einzig die Bezeichnung ist schon martialisch: Der Tomahawk war eigentlich eine scharf geschliffene Streitaxt verschiedener indianischer Stämme in Nordamerika. Zur Technik: Der Tomahawk kann mit einem Vertical Launching System (VLS) von Kriegsschiffen aus gestartet werden, also von Senkrechtstartanlagen für Flugkörper. Wie das „heute journal“ des ZDF am Donnerstag (11. Juli) berichtete, sollen die neuen Modelle des Tomahawk auch von Land aus gestartet werden können. Von welcher Waffen-Plattform genau, das ist bisher nicht bekannt.

Ein Tomahawk-Marschflugkörper bei einem Testflug. (Archivfoto)

US-Langstrecken-Waffen in Deutschland: Russlands Regime reagiert nervös

Die modifizierten Marschflugkörper sollen wie die deutschen Taurus auch tieffliegen können – angeblich bei bis zu 900 km/h. Entsprechend schwierig sind sie für gegnerische Radarsysteme zu erkennen, weil sie mit der Oberfläche der jeweiligen Landschaft verschmelzen können – zum Beispiel mit den Wellen der Ostsee oder mit Wäldern und Hügeln. Die wuchtigen und 5,56 Meter langen Lenkwaffen mit ihren Splittergefechtsköpfen von geschätzt 450 Kilogramm sind (sehr wahrscheinlich) nur schwierig auszuschalten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Wie die russischen Luftabwehrsysteme wie die S-350 Witjas gegen die Tomahawk gewappnet wären, ist nicht bekannt, weil es keine Erfahrungswerte dazu gibt. Das russische Regime reagierte zumindest nervös auf die Tomahawk-Ankündigung. Vizeaußenminister Sergej Rjabkow sprach der staatlichen Nachrichtenagentur Tass zufolge von einem „Kettenglied im Eskalationskurs“. (pm)

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