Plastik-Luftwaffe

Neue Kriegstaktik: Russland und die Ukraine nutzen zunehmend Kamikaze-Drohnen

  • VonKilian Beck
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Der Krieg in der Ukraine wird zunehmend mit Drohnen geführt. Das darf nicht über den Mangel an Munition, unter dem die Verteidiger leiden, hinwegtäuschen.

Kiew – Russland und die Ukraine setzen im Krieg zunehmend auf sogenannte Kamikaze-Drohnen. Am Wochenende griff Russland mit iranischen Shahed-Drohnen Kiew an, berichtete die Washington Post. Die Ukraine attackiere wohl seit Wochen zunehmend russische Frontstellungen mit Sprengstoff-bestückten handelsüblichen Multikopter-Drohnen. Das geht aus öffentlich verfügbaren Daten, die der Analyst Andrew Perpetua ausgewertet hat, hervor. Diese Analyse lässt sich aktuell nicht vollständig überprüfen.

Eine Luftwaffe aus Plastik: Das ukrainische Militär stockt seine Drohnen-Armee massiv auf. (Archivfoto)

„Zehntausende“ Drohnen für die Ukraine – im Monat

In der Ukraine überschlägt sich die Politik nun fast vor Ankündigungen zum Drohnenkrieg: Bis Jahresende werde die Rüstungsindustrie des Landes „zehntausende“ Drohnen monatlich herstellen können, sagte Oleksandr Kamyschin laut dem US-Portal Newsweek kürzlich. Vizepremierminister Mychajlo Fedorow begründete laut dem Portal bereits im Sommer, warum die Ukraine Drohnen als „zentral“ für ihre Kriegsführung betrachte: „Drohnen retten die Leben unserer Soldaten.“ Damals kündigte Fedorow an, die Ukraine werde in diesem Bereich massiv aufrüsten.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Nach Perpetuas Analysen soll mehr als die Hälfte allen Materials, das die Armee von Russlands Präsident Wladimir Putin in der Ukraine verliert, seit Anfang November auf das Konto von ukrainischen Drohnen gehen. Besonders für den ukrainischen Brückenkopf über den Dnipro bei Cherson sollen die Drohnenschläge wichtig sein, sagte der ukrainische Sicherheitsberater Ivan Stupak gegenüber Newsweek. Auch die russische Armee scheint sich den Daten nach zunehmend auf Drohnenkriegsführung zu stützen: So soll seit Anfang November einiges an westlichen Gerät durch Lancet-Drohnen zerstört worden sein.

„Extrem wichtiger Beitrag“ der Drohnen darf nicht über Munitionsmangel hinwegtäuschen

Die Politikwissenschaftlerin und Drohnenexpertin Ulrike Franke sah im Oktober im NDR-Interview bereits ähnliche Entwicklungen. Sie betonte, dass es sich bei den Drohnen in der Ukraine um kleine Systeme handele, die „ein paar Kilo“ Sprengstoff tragen. Das sei an Durchschlagskraft nicht mit Artilleriegranaten zu vergleichen. Allerdings könne es „Momente geben“ in denen Drohnen dem in der Ukraine grassierenden Munitionsmangel Abhilfe schaffen könnten. Der „extrem wichtige Beitrag“ der Drohnen, dürfe allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Ukraine an genug Material zur Selbstverteidigung fehle. (kb)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Kirill Chubotin / Avalon