Herausforderung für die Ukraine

Schneller und präziser: Russland setzt auf neue Kamikazedrohnen aus dem Iran

  • Nils Thomas Hinsberger
    VonNils Thomas Hinsberger
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Russlands neue Drohnen sind schneller und präziser als ihre Vorgänger. Eine Herausforderung für die Ukraine. Die neuen Drohnen stammen wohl erneut aus dem Iran.

Moskau – Im Ukraine-Krieg setzt Russland schon seit 2022 auf sogenannte Kamikazedrohnen. Die unbemannten Flugzeuge können per Fernsteuerung gesteuert werden. Im Krieg dienen sie dazu, präzise Angriffe auf feindliche Ziele zu fliegen. Jetzt hat Wladimir Putins Militär anscheinend eine neue Art von Drohnen im Kriegseinsatz. Die Shahed-238 sind die nächste Entwicklungsstufe der unbemannten Fluggeräte. Wie ihrer Vorgängen kommen die Drohnen wohl von Moskaus Verbündetem – dem Iran.

Bei den Drohnen handelt es sich um sogenannte Kamikaze-Drohnen. Diese Drohnen können direkt in das anvisierte Ziel gelenkt werden. Dafür tragen sie einen Sprengsatz, der bei Kontakt explodiert. Die Drohnen werden durch den Einsatz ebenfalls zerstört.

Neue Kamikazedrohnen stellen Ukraine vor Herausforderung

Der Leiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung des österreichischen Bundesheeres, Oberst Markus Reisner, sieht durch den Einsatz der neuen Drohnen zwei wesentliche Herausforderungen für die Ukraine, schreibt er auf der Website des Bundesheeres. Einerseits sorge ein neuer Turbinenantrieb für kürzere Zeitfenster für die ukrainische Luftverteidigung, um auf einen Drohnenangriff zu reagieren. Die Shahed-238 könne im Vergleich zur lediglich mit einem Propellerantrieb ausgestatteten Shahed-136 Ziele wesentlich schneller erreichen, sagte Reisner.

Eine militärische Kamikazedrohne im Einsatz (Archivbild). Russland setzt im Ukraine-Krieg wohl neue Drohnen ein. Ein Problem für die Ukraine.

Zum anderen werde es bedeutend schwieriger, die Drohnen nach der Früherkennung abzufangen. Die hohe Geschwindigkeit sorge dafür, dass Flugabwehrkanonen die unbemannten Flugzeuge schwerer treffen könnten. Außerdem würden die Drohnen wesentlich präziser agieren können, berichtet Reisner. Durch eine neue Navigationseinheit sei die Drohne in der Lage nicht nur stationäre, sondern auch bewegliche Ziele zu treffen.

Shahed-238 stammen wohl vom Russland-Verbündeten Iran

Der Einsatz der neuen Drohnen-Versionen sei durch den Fund von Trümmerteilen am 8. Januar belegt worden, berichtet das Military Watch Magazine. Auf sozialen Medien seien Bilder der Teile veröffentlicht worden, die auf den Einsatz im Krieg hinweisen würden. Der erste Einsatz der Vorgängerversionen im Krieg gegen die Ukraine soll bereits im September 2022 stattgefunden haben.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Dass die Drohnen aus dem Iran stammen, sei für Reisner klar. Das beweise der Umstand, dass das erste Modell der Shahed-238 während einer Ausstellung in Teheran vorgestellt wurde. Die Veranstaltung sei von der iranischen Revolutionsgarde organisiert worden. Das Military Watch Magazine mutmaßt zudem, die Drohnen könnten speziell für Russland hergestellt worden sein. Das Magazin begründet die Annahme mit dem hohen Preis – etwa doppelt so viel wie für die älteren Drohnen. Russland hätte das nötige Budget, solche Drohnen zu erwerben. (nhi)

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