Ukraine rückt vor

Russland befürchtet weitere Offensive nach Kursk-Angriff: Schützengräben weit im Landesinneren gesichtet

  • Bedrettin Bölükbasi
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Die Kursk-Offensive der ukrainischen Armee sorgt für Aufsehen in Russland. Putins Armee ist besorgt über einen weiteren Vorstoß.

Moskau – Die Offensive der ukrainischen Armee in der russischen Grenzregion Kursk bringt Russland und Kreml-Chef Wladimir Putin gewaltig unter Druck. Der Vorstoß des ukrainischen Militärs auf russischem Territorium hat den Beginn einer neuen, entscheidenden Phase im Ukraine-Krieg eingeläutet. So wie es aussieht, fürchtet Russland nun weitere Attacken der Ukraine innerhalb der russischen Grenzen.

Ukrainische Offensive in Kursk: Russland baut neue Defensivanlagen auf

Die Vorbereitungen dagegen laufen auf Hochtouren, wie aus einem Bericht der Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) deutlich wird. Demnach heißt es von russischen Militärbloggern, die mit der Lage auf dem Schlachtfeld meistens gut vertraut sind, dass die Ukrainer weitere kleine Fortschritte in Kursk gemacht haben, die Geschwindigkeit dieser Zugewinne jedoch abgenommen habe.

Dennoch fürchten die Russen offenbar einen weiteren, größeren Vorstoß der ukrainischen Armee, zeigen Satellitenbilder. Im Nordwesten der Stadt Sudscha, die ukrainische Soldaten zuletzt erreicht hatten, errichtet das russische Militär neue defensive Befestigungsanlagen.

Auf Satellitenbilder sind laut dem amerikanischen Institut auch Schützengräben und breitere Gräben gegen Fahrzeuge zu entdecken. Nicht nur um Sudscha, sondern auch auf Straßen rund um die Stadt Lgow wurden defensive Positionen aufgebaut - weit im Landesinneren.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Mehrere Kilometer hinter dem ukrainischen Fortschritt: Russland besorgt über neuen Vorstoß

Entscheidend ist dabei, wo genau diese Befestigungen der russischen Armee errichtet wurden. Sie befinden sich rund 17 Kilometer hinter dem weitesten Fortschritt der Ukraine in der Region. Dem ISW zufolge zeigt dies, dass das russische Militär besorgt über einen neuen und vor allem schnellen Vorstoß der ukrainischen Armee ist.

Dass die Befestigungen zudem auf zentralen Straßen um die Städte errichtet wurden, deutet laut dem Institut auf russische Versuche, die Hauptrouten zu schützen. So will man wohl die Bewegung der ukrainischen Armee einschränken - sollte sie das Gebiet erreichen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt betont, dass man nicht das Ziel hat, russisches Territorium zu übernehmen. Bislang ist jedoch unklar, was die genauen Ziele der ukrainischen Armee mit dem Angriff auf Kursk sind. Laut Heorhii Tykhyi, dem Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, will Kiew mit der Offensive den russischen Nachschub in Richtung Donbass verhindern und die russische Logistik stören. (bb)

Rubriklistenbild: © Oleg Petrasiuk/Press service of 24 Mechanised brigade/AP/dpa

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