Waffenlieferungen

Streit um Taurus-Marschflugkörper für die Ukraine – „Ihr werdet es sowieso tun“

  • Maximilian Kurz
    VonMaximilian Kurz
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Außenminister Kuleba bedankt sich bei Baerbock für die deutsche Kriegsunterstützung. Jedoch kritisiert er die fehlende Bereitschaft, Taurus zu liefern.

Kiew – Die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock ist zu Gast in der Ukraine. Auf eine rasche Entscheidung der Bundesregierung zur Taurus-Marschflugkörper-Lieferung macht die Ministerin keine Hoffnung. Ihr ukrainischer Kollege übt Kritik daran.

Taurus: Keine baldige Entscheidung in Sicht

Bei ihrem Besuch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew musste die deutsche Außenministerin Baerbock heute Rede und Antwort stehen. Besonders emotional war das Thema um die Taurus-Marschflugkörper. Die Ministerin erklärte: „Wir in Europa wissen: Ihr verteidigt hier auch unsere europäische Freiheit.“. Bei Waffenlieferungen aus Deutschland müssten allerdings zunächst „alle Fragen geklärt sein“.

Das Zögern der deutschen Bundesregierung konnte der ukrainische Außenminister Kuleba nicht nachvollziehen. Der Minister erklärte: „Ich verstehe nicht, warum wir Zeit verschwenden“. Ebenso sagte er: „Ihr werdet es sowieso machen“

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine-Krieg: Kiew sagt Dankeschön für Panzer „Gepard“

Trotz des Unverständnisses über die fehlenden Entscheidungen aus Berlin dankte der Ukrainer Deutschland für die gelieferten Waffen. Besonders der Gepard-Flugabwehrpanzer konnte der Ukraine in ihrer Verteidigung helfen. Kiew fordert dennoch seit Längerem weitere deutsche Waffen im Ukraine-Krieg.

Grund für die lange Entscheidungsfindung der Bundesregierung zum Thema „Taurus“ sind Befürchtungen, dass Russland damit angegriffen werden könnte. Eine mögliche Vergeltung, sollten Marschflugkörper von der Ukraine auf russisches Territorium abgefeuert werden, liegt der deutschen Bundesregierung schwer im Magen. Kiew hat allerdings zugesichert, westliche Waffen nicht für Angriffe auf russisches Gebiet einzusetzen.

Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) gibt eine Pressekonferenz mit dem ukrainischen Außenminister Dmytro Kuleba in Kiew.

Eine unendliche Geschichte: Der Westen und seine Waffenlieferungen an die Ukraine

Seit dem russischen Einmarsch werden ukrainische Forderungen zu Waffenlieferungen aus Kiew deutlich. Auch die Vereinigten Staaten von Amerika hielten ihr vor einigen Monaten gemachtes Versprechen ein. Mitte September sollen zehn M1 Abrams-Panzer in die Ukraine verlegt werden. Diese werden von ihrem aktuellen Standort Deutschland entsendet, um die Gegenoffensive gegen die russischen Besatzer zu verstärken. Sie bilden die erste Lieferung der insgesamt 31 zugesagten Kampfpanzer amerikanischer Herkunft.

Auch Deutschland möchte weiterhin einen Beitrag für die Ukraine leisten. Laut Berliner Zeitung hat Bundesaußenministerin Annalena Baerbock für das kommende Jahr eine Wiederaufbaukonferenz in Berlin angekündigt. So sagte sie: „Damit aus Leid und Zerstörung Neues erwachsen kann, gehen wir gemeinsam den Wiederaufbau an“.

Rubriklistenbild: © Oliver Weiken/dpa