Lerneffekte von der Front

Dreifach-Schutz: Video zeigt, wie Ukrainer US-Panzer gegen Putins Waffen nachbessern

  • Patrick Mayer
    VonPatrick Mayer
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Bei X kursiert ein Video von einem Panzer M1 Abrams der Ukrainer. Er wurde gegen zwei Gefahren durch Wladimir Putins russische Truppen modifiziert.

Kiew – Sie sind im Ukraine-Krieg ein gejagtes Ziel: Panzer. Das gilt sowohl für die Militär-Gefährte aus Russland, als auch für die Stahlkolosse aus der Ukraine, die bis zum T-80 aus einstmals sowjetischer Produktion in den Modellen teils identisch sind.

Leopard 2, Challenger, M1 Abrams – die westlichen Partner Kiews haben den ukrainischen Streitkräften in den vergangenen eineinhalb Jahren zudem eine nicht genau bezifferte Anzahl an Kampfpanzern aus ihren Beständen geschickt. Es dürfte eine Zahl zwischen 150 und 200 Panzern sein.

Jene Panzer stammen aus den 1980er und 1990er Jahren. Bestätigt hat sich: Ob sie nun aus deutscher, britischer oder amerikanischer Produktion gekommen sind – auf heutige Gefahren auf dem Schlachtfeld waren sie teils nur unzureichend vorbereitet. Deshalb hat die ukrainische Armee in einem zweiten Schritt jetzt ein weiteres Mal nachgerüstet. Und zwar einen Abrams-Kampfpanzer, den die USA geliefert hatten.

M1 Abrams aus den USA: Ukraine-Armee rüstet gelieferte Panzer nach

Konkret: Bei X macht ein Video die Runde, das den M1 Abrams unweit der Front zeigen soll. Auffällig ist: Der Panzer hat reaktive Kacheln als zusätzliche Panzerung sowie auf dem Turm ferner eine Käfigpanzerung montiert. Beides wurde wohl nachträglich angebracht, um den Panzer (und natürlich die Besatzung) gegen tückische Panzerabwehrwaffen wie die berüchtigte RPG-7 sowie gegen Kamikaze-Drohnen der Russen zu schützen.

Bei Käfigpanzerungen zerschellen heranrauschende Kamikaze-Drohnen schlicht am Metall. Sie können somit nicht auf dem Turm detonieren, der beim Abrams angesichts einer geringeren Panzerung als Schwachstelle gilt. Oder Hohlladungsgeschosse der mitgeführten Granate der Drohne können nicht in die Panzerung des Turmes vorstoßen und im Kampfraum erheblichen Schaden anrichten. Solche Käfige auf dem Turm nutzten die Amerikaner zum Beispiel im Zweiten Golfkrieg (1990 bis 1991) und im Irakkrieg (März bis Mai 2003) nicht, als die Abrams in hoher Stückzahl zum Einsatz kamen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
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Anti-Drohnen-Jammer in Ukraine-Panzer? Innovativer Abrams gegen Putins Armee

Da die russischen Panzer-Verluste im Ukraine-Krieg verheerend sind, haben auch die Invasionstruppen des Moskau-Regimes wiederum oft die sogenannten Reaktivpanzerungen an ihren Fahrzeugen angebracht. Dabei handelt es sich um mit Sprengstoff beschichtete Kacheln, die beim Aufschlag einer Panzerabwehrwaffe wie beschriebener RPG-7 eine Gegenexplosion erzeugen und das heranfliegende Geschoss so unschädlich machen sollen. Ohne dass sich dieses durch die Panzerung hindurch in das Innere des Panzers bohrt. Und auch an dem abgebildeten Abrams wurden die Sprengstoffkacheln befestigt.

Damit nicht genug: Wie ukrainische Militärblogger bei X schreiben, soll der Panzer angeblich zudem einen Jammer integriert haben. Also einen Störsender gegen feindliche Drohnen. Die Information lässt sich nicht unabhängig verifizieren. Es wäre jedenfalls eine echte Innovation. Vereinfacht: In der Theorie sollen Jammer erreichen, dass ferngesteuerte Drohnen durch die Übernahme der Kontrolle von Video- und Navigationssignalen abgewehrt werden. Andere Jammer stören das GPS-Signal einer Drohne, indem sie elektromagnetische Wellen einer bestimmten Frequenz aussenden, sodass die gegnerischen Drohnen nicht wie beabsichtigt starten oder landen können. (pm)

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