„Kaum unverwundbare Superwaffen“

Brisanter US-Bericht: Russen sollen 26 Leopard-Panzer in der Ukraine vernichtet haben

  • Patrick Mayer
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Der Leopard-2-Panzer aus Deutschland soll derzeit kein Faktor mehr auf dem Ukraine-Schlachtfeld sein. Das sorgt für Zweifel in den USA.

Washington – Die Fachzeitschrift Foreign Affairs hat eine lange Geschichte hinter sich. Seit 1922 erscheint das Journal zu amerikanischer Außenpolitik und internationalen Beziehungen in New York. Die Autoren haben engste Kontakte zur Spitzenpolitik in den USA. Das gehört zum Markenkern.

Waffen für die Ukraine: Angeblich mindestens 26 Leopard-2-Panzer zerstört

Es ist insofern brisant, weil sich eine jüngste Analyse des Journals zum Ukraine-Krieg sehr kritisch liest. Und zwar mit Blick auf die Leopard-2-Kampfpanzer aus Deutschland, von denen Kiew in 2023 mehrere Dutzende bekam. Der Artikel von Foreign Affairs stammt vom 29. Januar.

Die Autoren der Publikation ordnen Stimmungen und Eindrücke aus Washington ein. So ist zu lesen, dass die Leopard 2 zwar gute Leistungen gebracht hätten, sie „waren aber kaum unverwundbare Superwaffen“. Mehr noch: „Von den weniger als 100 Leopard 2 im ukrainischen Dienst wurden mindestens 26 außer Gefecht gesetzt“, heißt es in der Analyse.

Gegen russische Armee: Ukrainer bekamen mindestens 65 Leopard-2-Panzer

Die Zahl 100 gelieferter „Leos“ 2 ist neu und so noch nicht gefallen. Bisher war bekannt: Deutschland hatte der Ukraine 18 moderne Leopard 2A6 geliefert, die in München-Allach vom deutschen Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) zusammengebaut werden. Portugal stellte drei Kampfpanzer desselben Modells. Polen lieferte 14 ältere „Leos“ 2A4, zehn 2A4 kamen aus Schweden sowie acht der „Leoparden“ aus Kanada. Norwegen hatte ferner acht Leopard 2 übergeben.

Vier finnische Leopard 2R zur Minenräumung ergänzten das (öffentlich überlieferte) „Leo“-Paket vor der gescheiterten ukrainischen Gegenoffensive im Sommer. Wären mindestens 65 Kampfpanzer aus deutscher Produktion. Die Hauptwaffe, eine 120-mm-Glattrohrkanone, stammt von der Düsseldorfer Waffenschmiede Rheinmetall. Doch die Verluste sind wohl empfindlich.

Ein Leopard-2-Panzer im Februar 2023 auf dem Übungsgelände in Augustdorf bei Bielefeld (Archivfoto).

Leopard-2-Panzer für die Ukraine: Sechs „Leos“ blieben in Minenfeld an der Südfront

Laut Wirtschaftsmagazin Forbes büßten einzig die 33. mechanisierte Brigade und die 47. Angriffsbrigade am 8. Juni in einem russischen Minenfeld bei Mala Tokmachka in der südlichen Region Saporischschja drei Leopard 2A6, 16 Schützenpanzer Bradley sowie drei Minenräumpanzer Leopard 2R ein. Die Informationen lassen sich nicht unabhängig verifizieren. Bei X (vormals Twitter) kursierte jedoch ein Video (siehe Tweet oben), das drei schwer beschädigte Minenräumer 2R zeigte.

Videos russischer Militärblogger zufolge bereitete den „Leo“-Besatzungen neben Minen vor allem die Kamikaze-Drohne vom Typ Lancet Probleme, gegen die die Ukrainer kein Mittel zur Verteidigung fanden. So konnten die Russen wohl mindestens einen Leopard 2A4 auf dem Schlachtfeld erbeuten (siehe Tweet unten). Damit nicht genug der Probleme.

Ukraine-Krieg: Probleme in der Liefer- und Logistik-Kette für die Leopard 2

Wie der Grünen-Haushaltspolitiker Sebastian Schäfer Anfang Januar öffentlich machte, kann „nur noch eine sehr geringe Zahl der gelieferten Kampfpanzer von der Ukraine eingesetzt werden“. Ersatzteilmangel durch Verschleiß und Schäden durch Reparaturversuche der Ukrainer sorgten für Unklarheit, wann die Panzer wieder an die Front können, erklärte der Bundestagsabgeordnete nach einem Besuch im Reparatur-Hub der deutschen Rüstungsindustrie in Litauen – fernab der Front.

Bundeswehr-Generalleutnant a.D. Roland Kather kritisierte daraufhin Schwächen in der europäischen Lieferkette für die ukrainischen Leopard-2-Panzer. „Was nützt es, den Ukrainern ein System auf den Hof zu stellen, ohne dass eine Logistikkette existiert? Wir haben einen Leopard in einem hochintensiven Gefecht. Da entstehen natürlich Gefechtsschäden, und die sind gar nicht so einfach zu beseitigen“, sagte der Militärexperte im Gespräch mit Welt live. Die Ukrainer seien „unheimlich bemüht, teilweise greifen sie zu Hammer und Meißel und versuchen selbst, das Auto instand zu setzen. Das gelingt natürlich nicht, dazu ist es viel zu komplex“, erklärte Kather. 

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
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Leopard-2-Panzer der Ukraine: Viele „Leos“ sind zur Reparatur in Litauen

Hinweise darauf, dass die Leopard 2 Anfang 2024 zwischen Charkiw, Donbass und Saporischschja kein Faktor mehr sind, gibt es viele. Wie alle anderen Panzer auch, benötigen die „Leos“ „eine umfangreiche Unterstützungsinfrastruktur, um sich im Kampf behaupten zu können“, schreibt Foreign Affairs: „Die Ukraine war 2023 nicht in der Lage, diese bereitzustellen.“ Und so stehen die meisten der gelieferten Leopard 2 derzeit wohl in einer Reparaturwerkstatt im Baltikum. (pm)

Rubriklistenbild: © IMAGO/David Inderlied/Kirchner-Media

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