Verteidigungswall wird zur Falle

Russland werden eigene Verteidigungsanlagen werden zum Hindernis

  • VonLisa Mahnke
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Russland stolpert paradoxerweise über eigenen Verteidigungsanlagen. In der Kursk-Offensive verwendet die Ukraine sie zu ihrem Vorteil.

Plechowo – Bei einem russischen Gegenangriff während der Kursk-Offensive hat die Ukraine russische Verteidigungsanlagen für eigene Zwecke genutzt. Bei der Verfolgung ukrainischer Truppen strandete das russische Kriegsgerät vor der Verteidigungslinie. Der eigene Stacheldraht und die sogenannten „Drachenzähne“ verhinderten den Erfolg für Russland.

Einheiten der 129. territorialen Verteidigungsbrigade der Ukraine hatten die befestigte Stellungen eingenommen, die von Russland im Ukraine-Krieg an der russisch-ukrainischen Grenze errichtet worden waren. Laut Forbes sei die russische Armee dort von der Kursk-Offensive so überrascht worden, dass sie die Verteidigungsanlagen gar nicht richtig nutzen konnte. Die zügig fortschreitende ukrainische Armee konnte sie daher relativ einfach einnehmen.

Russland errichtete an der russisch-ukrainischen Grenze und in eingenommenen ukrainischen Gebieten starke Verteidigungsanlagen.

Ukraine nutzt Russlands Verteidigungsanlagen nahe Kursk – mit Erfolg

Russland konnte die Ukraine seit den weiteren Erfolgen zwar wieder etwas zurückdrängen, scheiterte nun jedoch ironischerweise an den eigenen Verteidigungsanlagen. Dort kam es zu einem Gefecht, laut dem proukrainischen Militär-Nachrichtenportal Militarnyi östlich des Dorfes Plechowo in der russischen Grenzregion Kursk. Anders als die russische Armee, war die Ukraine allerdings vorbereitet und wusste die Anlagen zu nutzen.

Unter fast drei Kilometern durchgehendem Artilleriefeuer bewegte sich die russische Kolonne weiter auf die ukrainische, ehemals russische Verteidigungslinie zu. Neben Stacheldraht, welcher die gepanzerten Fahrzeuge verlangsamte, stellten sogenannte Drachenzähne das Haupthindernis dar, was die russische Kolonne letztendlich zum Stehen brachte. Dabei handelt es sich um pyramidenförmige Hindernisse, die regelmäßig auf dem Boden aufgestellt sind.

Russland setzte auf starke Verteidigungslinie nahe Kursk – nun erfolgreich von Ukraine genutzt

Militarnyi berichtete zuvor bereits von den ausgebauten Verteidigungspositionen der russischen Armee, von denen die Ukraine nach der Einnahme ebenfalls Gebrauch machen kann. Besonders imposant ist die des 488. motorisierten Gewehrregiments der russischen Armee, das komplett unter der Erde verborgen ist. Strom, ein Speisesaal, Waffenlager, sowie Sanitäreinrichtungen waren ebenfalls mit dem Stützpunkt verbunden.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

„Unsere Soldaten haben den russischen Besatzern und ihrer Ausrüstung eine Lektion erteilt, Dutzende von gepanzerten Fahrzeugen verbrannt und das Personal des Feindes liquidiert“, schrieb der ukrainische Militärkorrespondent Jurij Butussow in seinem Telegram-Kanal. Ein Videozusammenschnitt mit dramatischer Rammstein-Musik veranschaulichte dort die ukrainischen Erfolge mit sehr bildlichen Aufnahmen, unter anderem auch von Tötungen russischer Soldaten mit Artillerie und Drohnen.

Die Verteidigungslinie wurden laut Forbes gebaut, um das Fortschreiten des Feindes zu verlangsamen, um die Feuerkraft der eigenen Truppen voll ausnutzen zu können. In der Vergangenheit zeigten sich bereits die Mängel dieser russischen Strategie angesichts der modernen Kampfpanzer der Ukraine. Dieses Konzept zeigte nun Erfolg – nur eben nicht für die russische Armee. (lismah)

Rubriklistenbild: © IMAGO/ZUMA Press Wire/Mykhaylo Palinchak