Russland
Putin interveniert persönlich: Fehler in Munitionsfabrik – 20.000 Menschen bei Frost ohne Heizung
VonRobert Wagnerschließen
Ein großflächiger Ausfall der Heizungen zwingt Wladimir Putin dazu, eine Munitionsfabrik zu verstaatlichen. Verantwortliche wurden bereits festgenommen.
Moskau – Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Verstaatlichung der Munitionsfabrik Klimovsk nahe Moskau angeordnet. Grund dafür ist ein weitreichender Ausfall der Heizungsleitungen in der Gegend, der auf einen Defekt im Komplex der Munitionsfabrik zurückgehen soll, wie das unabhängige Nachrichtenportal Meduza berichtet. Der Kreml hat die lokalen Behörden für ihre Reaktion auf die Krise gelobt, obwohl Berichten zufolge am Dienstagnachmittag (9. Januar) noch mehr als 170 Wohngebäude keine Heizung hatten.
Russland: Über 20.000 Menschen müssen wegen Defekt in Kraftwerk frieren
Die Ausfälle begannen, als am 4. Januar eine Heizungsleitung im Kraftwerk Klimovsk, das an die Munitionsfabrik angeschlossen ist, platzte. Über 20.000 Menschen in der Stadt Podolsk waren davon betroffen. Da die Temperaturen in den folgenden Tagen auf unter Minus 20 Grad fielen, hatten die Menschen ohne funktionierende Heizung große Schwierigkeiten, sich warmzuhalten. Allerdings reagierte Moskaus Gouverneur Andrej Worobjow erst am 7. Januar auf diese lokale Krise. Die Kommentarfunktion auf seinem Telegram-Kanal soll er abgeschaltet haben, vermutlich um die Flut an Beschwerden zu unterbinden.
Am 8. Januar kündigte Worobjow an, dass die Bewohner des betroffenen Bezirks im Januar von der Zahlung ihrer Heizkosten befreit werden. Er versprach außerdem, ihnen etwaige Mehrkosten zu erstatten. Die Behörden stellten den vom Heizungsausfall Betroffenen kostenlose Unterkünfte in der Stadt Naro-Fominsk zur Verfügung, die allerdings eine Stunde von Podolsk entfernt ist. Laut der Nachrichtenagentur RBC sind bereits 110 Menschen, darunter 95 Kinder, dort untergebracht.
Wladimir Putin leitet Untersuchungen: Chef der Munitionsfabrik und Bürgermeister verhaftet
Ebenfalls am 8. Januar wies Wladimir Putin das Katastrophenschutzministerium an, „alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, um die Stromausfälle in Podolsk zu bewältigen. Er ist nicht erst seit seinem Krieg gegen die Ukraine darum bemüht, das Bild eines starken, durchgreifenden Anführers und Kümmerers abzugeben.
Die Lösung des technischen Problems soll sich aber als schwierig erwiesen haben. Nach Angaben des Vizegouverneurs der Region Moskau tappten die Behörden laut RBC fast einen Tag lang im Dunkeln, da es sich bei dem betroffenen Kraftwerk um eine technisch sensible Einrichtung handelt. Das Personal, das den Heizraum betreute, und dessen Räumlichkeiten wurden durchsucht und die Verantwortlichen verhört.
Die Ermittler eröffneten mehrere Strafverfahren. Kurz darauf berichtete eine Untersuchungskommission, es habe den Generaldirektor der Munitionsfabrik Klimovsk sowie den Leiter des Heizraums der Anlage festnehmen lassen. Darüber hinaus wurde der stellvertretende Bürgermeister von Podolsk verhaftet. Er soll angeblich ein Formular zur Genehmigung des Heizraums unterzeichnet haben, ohne ihn tatsächlich inspiziert zu haben. Wladimir Putin beschloss laut RBC daraufhin, das Werk zu verstaatlichen.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Auch der Strom fällt in Russland häufiger aus – Fabrikchef soll kriminelle Vergangenheit haben
Der Heizungsausfall in Podolsk ist der bisher größte in der Region Moskau im noch jungen Jahr 2024, aber nicht der einzige. Regionale Behörden meldeten ähnliche Ausfälle unter anderem in den Städten Lytkarino, Solnechnogorsk, Woskressensk, Sergijew Possad, Balaschicha, Chimki und Schtscholkowo. Mehr als 100.000 Menschen in dieser Region Russlands haben seit Jahresbeginn mindestens einen Stromausfall erlebt.
Wie Meduza berichtete, ist es offenbar nicht das erste Mal, dass der Generaldirektor des Munitionswerks Klimovsk strafrechtlich verfolgt wird. Die Nachrichtenagentur RBC identifizierte ihn als Igor Kushnikov. Berichten zufolge wurde Kushnikov in den 1990er Jahren wegen angeblicher Führung eines Syndikats der organisierten Kriminalität vor Gericht gestellt.
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