„Tod immer in der Nähe“
Russland „zieht die Schrauben an“ - Kursk-Lage alarmiert Ukraine
- VonJan-Frederik Wendtschließen
Offensichtlich gewinnt Russland immer mehr ukrainisch besetzte Gebiete in Kursk zurück. Das ukrainische Militär spricht von einer schwierigen Lage.
Kursk – Russland hat die Hälfte der ukrainisch besetzten Kursk-Gebiete zurückerobert. Das berichtet The Economist. Die Ukraine hatte die russische Grenzregion im August überraschend angegriffen. Mittlerweile befindet sich das Militär der Ukraine durchgehend in der Defensive. Das Wetter und die ständigen Angriffe der russischen Truppen erschweren die Lage, schreibt das Nachrichtenportal Ukrainska Pravda.
Die Armee von Präsident Wladimir Putin setzt in Kursk auch Soldaten aus Nordkorea ein – und erkauft sich die Geländegewinne mit hohen Verlusten. Laut Major Ivan Bakrev würde Russland „die Schrauben anziehen“, berichtete der Artilleriekommandeur der 82. Luftlandebrigade dem Economist. Das hätten Putins Truppen bereits getan, bevor die nordkoreanischen Soldaten von Kim Jong-un die Kursk-Schlachten intervenierten.
Kursk-Front: Russland soll enorme Vorteile haben
Die Angreifer hätten in fast allen Bereichen – wie Personal, Artillerie und Ausrüstung – enorme Vorteile und würden erfolgreich zwischen mechanisierten und infanteristischen Angriffen wechseln, sagte Bakrev. Die Ukraine habe bereits die Hälfte der im Sommer eroberten Kursk-Gebiete verloren. Der Gebietsverluste begannen, als das ukrainische Militär von Präsident Wolodymyr Selenskyj die Elitesoldaten an der Front für weniger robuste Einheiten austauschte, so Bakrev: „Das war ein Fehler“.
Russland versuche, die Hauptgruppe der ukrainischen Streitkräfte vom ukrainischen Territorium abzuschneiden, indem sie von den östlichen und westlichen Flanken angreifen. „Jede Einheit in Kursk hat auf Verteidigung umgeschaltet“, erklärte der Kommandeur.
Die immer heftigeren Angriffe könnten mit der bevorstehenden Amtseinführung des designierten US-Präsidenten Donald Trump zusammenhängen, spekulieren die Economist-Analysten. Putin wolle das Kursk-Gebiet vor dem 20. Januar zurückerobern. Dann wird Trump ins Weiße Haus zurückkehren.
Trotz Russlands Überlegenheit: Ukrainer verlieren nicht die Hoffnung
Der Kremlchef rückt seinem Ziel offenbar immer näher. Die Lage für die Ukraine ist schwer, berichtete Ruslan Mokrytskyi. Laut des Unteroffiziers könnte Russland „innerhalb weniger Stunden bis zu 40 Gleitbomben auf eine Stellung abwerfen“, und weiter: „In Kursk ist der Tod immer in der Nähe, er hält dich praktisch in der Hand.“
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine




Allerdings will Mokrytskyi mit seinen Soldaten nicht aufgegeben. Die ukrainischen Truppen hätten bisher immer Wege gefunden, um auf neue Herausforderungen im Ukraine-Krieg zu reagieren. „Wenn der Todesstern über uns auftauchen würde, würden wir einen Ausweg finden“, sagte Mokrytskyi und spielte auf den Todesstern aus der Filmreihe Star Wars an. Dennoch kämpft die Ukraine zunehmend mit Verlusten. Nun soll ein bekannter TV-Star im Krieg gefallen sein. (Jan-Frederik Wendt)
Rubriklistenbild: © Russisches Verteidigungsministerium/dpa
