Warnung an Ukraine-Verbündete

Russlands Staats-TV in Sorge nach ukrainischem Angriff auf Sewastopol

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
    schließen

Ein ukrainischer Raketenangriff trifft das Herz der russischen Marine. Die russische Elite sieht den Krieg als katastrophalen Fehler an.

Moskau – Nach dem Angriff auf das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol auf der Krim äußerten sich sogar führende Propagandisten des russischen Staats-TV besorgt über die Fähigkeit Moskaus, ukrainische Raketen abzuwehren - der Treffer schlägt hohe Wellen in Russland.

Der frühere Kreml-Berater Sergej Markow sagte in einer ersten Einschätzung, der Vorfall zeige „eine klare Eskalation der Angriffe“ durch vom Westen gelieferte Raketen und Drohnen. „Die Luftverteidigung der russischen Armee braucht eindeutig ernsthafte Verstärkungen“, schrieb Markow auf Telegram, und nannte den Angriff die „größte Attacke der Ukraine auf die Krim seit Beginn des Krieges“.

Warnung an die Verbündeten der Ukraine

Margarita Simonjan, Chefredakteurin des Senders RT (Russia Today) und regelmäßiger Gast im russischen Staatsfernsehen, schrieb auf Telegram, der Schlag sei vom kollektiven Westen ausgeführt worden. Sie sprach eine Warnung an die Verbündeten Kiews im Ukraine-Krieg aus. „Die Eskalation wird sich exponentiell fortsetzen, bis wir gezwungen sind, ihnen allen ein Ultimatum zu stellen, dass wir sie von nun an als Teilnehmer behandeln werden“, schrieb Simonjan. Sie fügte hinzu, dass die Verbündeten der Ukraine als militärische Gegner behandelt werden sollten.

22. September 2023: Raketen treffen das Hauptquartier der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol.

Sergej Mardan, Moderator des russischen Staatsfernsehens, bezeichnete den Treffer auf das Flotten-Hauptquartier als „vernichtenden Schlag für die gesamte russische Elite“, die seiner Meinung nach den Konflikt im Herbst 2023 „einfrieren“ will. Mardan schrieb auf Telegram, die russische Elite wolle nicht kämpfen und eine halte Invasion im großen Stil für einen katastrophalen Fehler.

„Der ideale Weg für sie ist eine ‚begrenzte‘ militärische Niederlage Russlands“, so Mardan. „Wir müssen nur beweisen, dass wir nicht gewinnen können.“ Er fügte hinzu, die Angriffe vom Freitag zerstörten den Mythos, dass „die Krim seit 2014 ohne einen einzigen Schuss erobert wurde“.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Angriff auf Sewastopol mit Marschflugkörpern

Brady Africk, Analyst am American Enterprise Institute, veröffentlichte auf X (ehemals Twitter) Satellitenbilder von den Folgen des Einschlags. Aus dem Gebäude aufsteigender Rauch war darauf zu erkennen. Africk wies darauf hin, dass Videos zeigten, wie von Frankreich und Großbritannien an die Ukraine gelieferte Storm Shadow- und SCALP-Marschflugkörper das Gebäude trafen.

Der Berater des russischen Außenministeriums und Direktor des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten, Andrej Kortunow, ordnete die Angriffe als höchstens psychologisch bedeutsam ein. Er glaube nicht, „dass sie militärisch wirklich einen großen Schaden anrichten“: „Es wurden keine echten kritischen militärischen Ziele getroffen“, sagte Kortunow im BBC-Radioprogramm „Today“. „Der Schaden ist, zumindest nach den Berichten, die wir erhalten haben, ziemlich begrenzt.“ (skr)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Sergei Malgavko

Mehr zum Thema