Nach SS-Relativierung

Vor Sachsen-Wahl: AfD-Mann Krah wieder als Wahlkämpfer im Einsatz

  • VonKilian Beck
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Maximilian Krah trat in der Lausitz auf. Vor der EU-Wahl zwang ihn seine Partei aus der Öffentlichkeit. Nun gibt es offenbar kein Problem mehr mit Krahs Auftritten.

Dresden – Der fraktionslose Europaabgeordnete Maximilian Krah macht wieder Wahlkampf für die AfD. In der heißen Phase des Wahlkampfes zur Europawahl im Juni drängte die AfD-Spitze Krah zum Rückzug aus der Öffentlichkeit, weil er die Nazi-Organisation SS relativiert hatte. Nun scheint Parteichefin Alice Weidel kein Problem mit den Wahlkampfauftritten für den sächsischen Landesverband zu haben, berichtete das Nachrichtenmagazin Spiegel.

AfD-Spitzenkandidat Maximilian Krah im Europaparlament.

Vor Sachsen-Wahl: Maximilian Krah tritt mit Karsten Hilse auf

Dem Bericht zufolge trat Krah zusammen vor der Sachsen-Wahl mit dem Bundestagsabgeordneten Karsten Hilse in der Stadt Kamenz in der Lausitz auf. Hilse verbreitete im Bundestagsplenum bereits Verschwörungsmythen zur Corona-Impfung und beschimpfte Wirtschaftsminister Robert Habeck. 2022 wurde er wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte am Rande einer verschwörungsideologischen Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen 2020 zu einer Geldstrafe von 20 Tagessätzen verurteilt. Vor seiner Abgeordnetenzeit war Hilse selbst Polizist.

Bundes-AfD: Krahs Auftritt vor Sachsen-Wahl ist Sache des Landesverbandes

Aus Weidels Umfeld hieß es gegenüber dem Nachrichtenmagazin, der Auftritt Krahs vor der Sachsen-Wahl sei Sache des Landesverbandes und daher „vollkommen akzeptabel“. Nach der Europawahl stimmte eine knappe Mehrheit in der EU-Parlamentsdelegation gegen Krahs Aufnahme. Seither sitzt der ehemalige Spitzenkandidat bei den fraktionslosen Abgeordneten. Auslöser für den Rauswurf waren SS-relativierende Äußerungen Krahs gegenüber der italienischen Tageszeitung Repubblica. Deswegen flog die AfD auch kurzzeitig aus der extrem rechten EU-Fraktion „Identität und Demokratie“.

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Die AfD liegt in den Umfragen zur Bundestagswahl 2025 an zweiter Stelle.
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Parteiinterne Kritik an Krah wurde bereits zuvor durch Spionagevorwürfe gegen einen Mitarbeiter und Korruptionsvorwürfe gegen ihn befeuert. Der inzwischen ehemalige Mitarbeiter sitzt in Untersuchungshaft. Gegen Krah laufen seit Wochen Vorermittlungen.

Sachsen-Wahl: Landtag aus AfD, CDU und BSW möglich

Den sächsischen Landesverband scheinen Krahs parteiinterne Querelen wenig zu kümmern. So sprach Krah auch bereits Mitte Juli auf dem Wahlkampf-Auftakt der AfD in Dresden. Landeschef Jörg Urban hofft darauf, dass die AfD bei der Sachsen-Wahl im September als stärkste Kraft in den Landtag einzieht. In aktuellen Umfragen zur Sachsen-Wahl liegt die AfD mit etwa 31 Prozent knapp vor der CDU mit 30 Prozent. Nach der Wahl wird eine komplizierte Koalitionsbildung erwartet, da ein Landtag aus AfD, CDU und Bündnis Sahra Wagenknecht in Umfragen möglich scheint. (kb)

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