Mikro- und Nanoplastik

Mikroplastik in Lebensmitteln und im Wasser – Studie zeigt Alltags-Gefahrenquellen

  • Fabian Hartmann
    VonFabian Hartmann
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Mikro- und Nanoplastik sind allgegenwärtig und schaden der Gesundheit. Doch die Aufnahme kann minimiert werden, indem man ihre hauptsächlichen Quellen meidet.

Kassel – Mikro- und Nanoplastikpartikel (MNP) sind weit verbreitet und Menschen kommen täglich mit ihnen in Kontakt – und das, ohne es zu bemerken. Die Partikel sind in vielen Alltagsgegenständen enthalten, was es wichtig macht, ihre gesundheitlichen Risiken zu verstehen. Wegen ihrer Verbreitung gibt es mittlerweile eine umfangreiche Studienlage zu Mikro- und Nanoplastikpartikeln, ihrem Auftreten und ihren potenziellen gesundheitsschädlichen Auswirkungen. Daraus lassen sich auch wichtige Verhaltensweisen ableiten, die helfen können, die Aufnahme von MNP im Alltag zu reduzieren.

Mikro- und Nanoplastik sind allgegenwärtig – auch in Lebensmitteln

Mikroplastik bezeichnet Polymer-Partikel oder -fasern, die zwischen einem Mikrometer (1 µm = 0,001 mm) und fünf Millimetern groß sind. Nanoplastik hingegen werden winzige Teilchen genannt, die weniger als ein Mikrometer messen. Diese Partikel finden sich im Alltag in Kosmetikprodukten wie Lippenstiften, Peelings und Duschgels sowie in einigen Lebensmitteln, darunter Bier, Honig, Kaugummi, Kochsalz, Mineralwasser und Obst und Gemüse. Eine Studie der Universität Catania aus dem Jahr 2021 zeigte, dass Äpfel besonders stark belastet sind, während der Gehalt in Salat vergleichsweise gering ist.

Ein Mann hält eine Plastik-Wasserflasche in der Hand

In Fisch und Meeresfrüchten ist die Belastung durch Mikro- und Nanoplastik aufgrund des kritischen Zustands der Weltmeere besonders hoch. Eine 2019 von Greenpeace in der Türkei durchgeführte Studie ergab, dass 44 Prozent der untersuchten Fische und 91,2 Prozent der Muscheln Mikro- und Nanoplastik enthielten. Dies könnte darauf hindeuten, dass man Fisch und Meeresfrüchte nicht zu häufig konsumieren sollte.

Gehirne von Demenzkranken weisen einen deutlich erhöhten Anteil von Mikro- und Nanoplastik-Partikel auf

Untersuchungen deuten darauf hin, dass Gehirne von Demenzkranken vergleichsweise viel Mikroplastik aufweisen. Laut dem Magazin Nature Medicine legen jüngste Studien nahe, dass MNP in Plaques in der Halsschlagader vorkommen könnten, die bei einer Carotisstenose auftreten. Das gesundheitsschädliche Potenzial von MNP ist jedoch noch nicht vollständig erforscht und eine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung nicht nachgewiesen. Bekannt ist jedoch, dass Patientinnen und Patienten mit Plaques in der Halsschlagader einem höheren Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle ausgesetzt sind, wie eine Studie des New England Journal of Medicine kürzlich zeigte.

Nature Medicine weist auch darauf hin, dass Studien eine Häufung von Mikro- und Nanoplastik in Gehirnen von Verstorbenen mit Demenz-Diagnose zeigten. Diese Gehirne wiesen einen drei- bis fünffach höheren Anteil an MNP im Vergleich zu solchen ohne Demenz-Diagnose auf. Obwohl die Studie zeigt, dass MNP die Blut-Hirn-Schranke passieren können, bleibt unklar, warum dies besonders bei Demenz-Patientinnen und -Patienten geschieht. Es wird vermutet, dass Demenz die Blut-Hirn-Schranke schwächen könnte, was den Eintritt von MNP ins Gehirn erleichtert. Eine andere Möglichkeit, die von der Genomic Press in Betracht gezogen wird, ist, dass die Partikel im Gehirn eine Mikroinflammation auslösen und den Protein-Abbau hemmen, was die Neurodegeneration bei Demenzkranken verschlimmern könnte.

Mit diesen Tipps lässt sich die Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik reduzieren

Es ist zwar unrealistisch, die Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik vollständig zu vermeiden, schließlich nimmt der Mensch den größten Teil schon über die Atemluft auf. Aber es ist möglich, andere Hauptquellen reduzieren. Die Genomic Press hebt vier grundlegende Maßnahmen hervor. Eine davon ist der Umstieg von Flaschenwasser, insbesondere aus Plastikflaschen, auf Leitungswasser. Dies könnte die jährliche Aufnahme von Mikro- und Nanoplastik-Partikeln von etwa 90.000 auf 4.000 Partikel senken, wie eine Untersuchung der American Chemical Society aus dem Jahr 2019 nahelegt.

Listerien, Pferdefleisch, Olivenöl: Die zwölf größten Lebensmittelskandale in Deutschland

Symbolbild zum Thema Kontrolle, Qualität, Check, Test usw. von Grillfleisch und Bratwürsten, 6.3.2023
Der BSE-Skandal erschütterte in den 1990er Jahren die europäische Fleischindustrie. Die Übertragung der Rinderkrankheit BSE auf den Menschen (Creutzfeldt-Jakob-Krankheit) führte zu einem massiven Vertrauensverlust. Ursache war die Verwendung von mit BSE-Erregern kontaminiertem Tiermehl in Futtermitteln. Der Skandal führte zu Massenschlachtungen, Einfuhrverboten. Fast-Food-Ketten nahmen sogar Burger mit Rindfleisch zeitweise aus dem Programm.
Hunderte in Röhrchen gefüllte Proben von möglicherweise an BSE erkrankten Rindern warten im Veterinärinstitut Oldenburg auf ihre Untersuchung (Foto vom 09.07.2008).
Gammelfleischskandal (2005): Dieser Skandal betraf den Verkauf von verdorbenem Fleisch, das teilweise mehrere Jahre abgelaufen war. Es wurde festgestellt, dass mehrere Unternehmen verdorbenes Fleisch wiederaufbereiteten und es als frisch vermarkteten.
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Eine weitere wirksame Methode zur Reduzierung der MNP-Aufnahme besteht darin, das Erhitzen von Lebensmitteln mit Plastikanteilen zu vermeiden. Teebeutel enthalten oft Kunststoff, und eine US-Studie aus dem Jahr 2019 deutet darauf hin, dass sie beim Erhitzen viele MNP freisetzen. Auch die Lagerung von Lebensmitteln kann zur Belastung mit MNP beitragen. Eine Studie zu Mikroplastik in Lebensmittelkonserven zeigte, dass der tägliche Konsum von Dosensuppe über fünf Tage den Bisphenol-A-Spiegel im Urin der Probandinnen und Probanden um mehr als 1000 Prozent erhöhte, weshalb besser auf Dosensuppen verzichtet werden sollte.

Eine andere Studie wies auf ein um das Dreißigfache erhöhtes Vorkommen von Mikro- und Nanoplastik in stark verarbeiteten Lebensmitteln wie Chicken-Nuggets hin, weshalb es ratsam ist, diese zu meiden. Die Genomic Press empfiehlt generell, Glas- oder Edelstahlbehälter anstelle von Plastikgefäßen zu verwenden und das Erhitzen von Lebensmitteln in Plastikbehältern, insbesondere in der Mikrowelle, zu vermeiden. Auch die langfristige Lagerung von Lebensmitteln in Plastik, sei es im Kühlschrank oder bei Raumtemperatur, führt zu einer erheblichen Freisetzung von Plastik.

„Kunststoffe sind heutzutage überall“, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung. Die globale Produktion wächst und immer mehr Mikroplastik gelangt als Abfallprodukt in die Umwelt. Die gute Nachricht: „Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist es unwahrscheinlich, dass von Mikroplastik in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für die Menschen ausgehen.“ Trotzdem wird eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen mit Mikroplastik in Verbindung gebracht. Der BUND nennt: Brustkrebs, Unfruchtbarkeit, verfrühte Pubertät, Fettleibigkeit, Allergien und Diabetes. Laut einer WWF-Studie nehmen Menschen weltweit durchschnittlich bis zu fünf Gramm Mikroplastik pro Woche über Nahrung, Luft und Wasser auf. Die Menge möglichst stark zu reduzieren, schadet mit Sicherheit nicht. (fh)

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