Gipfel in Washington

„Einfach nicht genug“: Nato liefert F-16-Kampfjets an die Ukraine

  • Fabian Müller
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Erste F-16-Jets sollen in der Ukraine angekommen sein, viele weitere sollen folgen. Doch Experten befürchten, dass die Zahl nicht ausreichen könnte.

Washington, D.C. – Die USA, die Niederlande und Dänemark haben nach eigenen Angaben damit begonnen, F-16-Kampfjets an die Ukraine zu liefern. Das gaben die Länder im Rahmen des Nato-Gipfels in Washington bekannt. Beschlussreif ist zudem ein neues Militärhilfepaket von 40 Milliarden Euro.

US-Präsident Joe Biden nannte die Nato „stärker denn je“. Der Plan ist, dass die Ukraine noch in diesem Sommer einsatzbereite F-16-Kampfjets zur Verfügung haben soll. Der Transfer der Maschinen sei mit Unterstützung der USA angelaufen, erklärten die beteiligten Länder.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj begrüßte dies und erklärte, damit rücke ein „gerechter und dauerhafter Frieden“ für sein Land näher. Eine Koalition um die Niederlande und Dänemark hatte Kiew die Kampfjets bereits vor rund einem Jahr in Aussicht gestellt, die Lieferung verzögerte sich aber immer weiter.

Nato-Gipfel in Washington: Erste F-16-Jets in Ukraine angekommen

Wie viele Kampfflugzeuge nach Kiew gehen, teilten die Nato-Länder aus Sicherheitsgründen nicht mit. Selenskyj hatte zuletzt gesagt, sein Land benötige rund 130 F-16-Jets, um ein Kräftegleichgewicht mit Russland zu schaffen. Die westlichen Verbündeten haben der Ukraine bislang weniger als hundert Kampfflugzeuge zugesagt.

Die Ukraine bekommt von Nato-Mitgliedern schon in diesem Sommer F-16-Kampfjets (Archivbild).

Laut der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies, kurz CSIS, habe die Lieferung der Jets „eine wichtige symbolische und psychologische Wirkung“, auch auf dem Schlachtfeld. Ein Berater des CSIS, Mark Cancain, sagte der ukrainischen Zeitung Kyiv Post: „Ich denke, dass sie (die F-16-Jets, Anm. d. Red.) für die Luftverteidigung hilfreich sein werden, aber sie werden kein Allheilmittel sein.“ Allerdings befürchtet Cancain aus Sicht der Ukraine, „es werden einfach nicht genug sein“.

Nato liefert F-16 an Ukraine: Neue Militärhilfen auf Gipfel beschlossen

Die Nato gab am Mittwoch außerdem neue Militärhilfen im Umfang von 40 Milliarden Euro für Kiew bekannt. Diplomaten zufolge werden darin laut dem Entwurf der Gipfelerklärung Beiträge seit dem 1. Januar dieses Jahres eingerechnet, also auch die acht Milliarden Euro aus Deutschland. Beim nächsten Nato-Gipfel in Den Haag in einem Jahr wollen die Partner die Hilfen überprüfen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

In Washington einigten sich die Nato-Länder zudem auf eine stärkere Formulierung zu einem möglichen ukrainischen Beitritt zu dem Militärbündnis. Laut Diplomatenangaben sehen die Verbündeten die Ukraine nun auf einem „unumkehrbaren Weg zur vollständigen Euro-Atlantischen Integration, einschließlich der Nato-Mitgliedschaft“. Bundeskanzler Olaf Scholz sagte, damit entstehe für die Ukraine das nötige „Maß an Klarheit“.

Die von Selenskyj erhoffte Beitrittseinladung zur Nato wird es in Washington jedoch erneut nicht geben. Hauptgrund ist die Sorge der USA und Deutschlands vor einer Konfrontation mit Russland. (fmü/afp)

Rubriklistenbild: © Georg Wendt/dpa

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