Entschlossene Reaktion gefordert

Selenskyj fordert wegen Nordkorea-Soldaten in Russland Reaktion des Westens

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hofft auf Hilfe wegen Soldaten aus Nordkorea. Russland könnte diese bald in den Ukraine-Krieg schicken.
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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, hofft auf Hilfe wegen Soldaten aus Nordkorea. Russland könnte diese bald in den Ukraine-Krieg schicken.
  • Felix Busjaeger
    VonFelix Busjaeger
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Nordkorea-Soldaten könnten bald für Russland im Ukraine-Krieg kämpfen. Selenskyj ist in Alarmbereitschaft – der Westen müsse schnell reagieren.

Kiew – Erst waren es nur vereinzelte Berichte, doch inzwischen gibt es immer mehr bestätigte Informationen, dass Russland im Ukraine-Krieg auf die Hilfe von Soldaten aus Nordkorea zurückgreifen könnte. Wie viele Nordkoreaner sich in Russland aufhalten und auf Befehl von Präsident Wladimir Putin in den Krieg in der Ukraine eingreifen könnten, ist bislang unklar. Die Schätzungen reichen von etwa 3.000 Soldaten bis zu 12.000. Für den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj sind die Berichte mehr als besorgniserregend. Angesichts des wahrscheinlichen Kriegseintritts des nordkoreanischen Militärs gegen sein Land forderte er nun die westlichen Partner zur stärkeren Unterstützung für Kiew auf.

Wegen Soldaten aus Nordkorea in Russland: Selenskyj mit düsterer Prognose für Ukraine-Krieg

„Jeder Kriegstag beweist, dass Moskau entschlossen ist, seine Aggression fortzusetzen“, sagte Selenskyj in seiner Abendansprache zur aktuellen Lage im Ukraine-Krieg. „Und deshalb betrachten sie Nordkorea zunehmend als Verbündeten und ihre Soldaten könnten jeden Tag auf dem Schlachtfeld gegen die Ukraine stehen. Die Ukraine wird gezwungen sein, tatsächlich in Europa gegen Nordkorea zu kämpfen“, warnte der Präsident weiter. Zugleich machte er deutlich, dass ausbleibende Hilfe aus dem Westen „Putin nur noch mehr zu seinen weiteren Investitionen in den Terror“ ermutigen würde.

Inwieweit Soldaten aus Nordkorea an Kampfhandlungen im Ukraine-Krieg bereits teilnehmen oder künftig für Russland in die Kämpfe ziehen könnten, kann aktuell nicht gesagt werden. Westliche Geheimdienste hatten zuletzt die Anwesenheit der Truppen bestätigen können – ohne einen Grund zu nennen. Bereits am Donnerstag warnten EU-Staaten Nordkorea vor einer direkten Beteiligung an Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine. Das Mitwirken nordkoreanischer Truppen wäre ein einseitiger feindseliger Akt mit ernsthaften Konsequenzen für den Frieden und die Sicherheit in Europa und weltweit, heißt es in einer vom EU-Außenbeauftragten im Namen der 27 Länder veröffentlichten Erklärung.

Nordkorea-Soldaten könnten für Russland im Ukraine-Krieg kämpfen

Über die Anwesenheit von Soldaten aus Nordkorea in Russland hatte auch der südkoreanische Geheimdienst berichtet. Laut den Informationen befinden sich die Truppen in Militäreinrichtungen, wo sie mutmaßlich für einen Einsatz gegen die Ukraine vorbereitet werden sollen. Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR verbreitete bereits am Freitag Erkenntnisse über erste Soldaten aus Nordkorea, die im umkämpften russischen Gebiet Kursk angekommen sein sollen. Die Informationen sind nicht unabhängig überprüfbar.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Der HUR schätzt, dass derzeit etwa 12.000 nordkoreanische Soldaten in Russland sind, unter ihnen 500 Offiziere und 3 Generäle aus Pjöngjang. Südkorea sowie die USA schätzten die Zahl der Kämpfer hingegen auf etwa 3000. Für die Koordination des Einsatzes soll nach Angaben aus Kiew der stellvertretende russische Verteidigungsminister Junus-bek Jewkurow zuständig sein. Experten hatten zuvor auf Probleme hingewiesen, darunter vor allem auch Sprachbarrieren.

„Welt kann Krieg stoppen“: Selenskyj fleht um Hilfe im Ukraine-Krieg

„Abstraktionen und Worte sind da zu wenig. Es braucht konkrete Schritte“, sagte Selenskyj angesichts der Meldungen über Soldaten aus Nordkorea in Russland. „Die Welt kann den Krieg stoppen.“ Ungenutzte Zeit ohne Entscheidungen führe nur zu neuen Opfern. „Wir erwarten eine stärkere Unterstützung der Ukraine. Das wird fair sein“, sagte Selenskyj. (fbu/dpa)

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