Vorbereitungen abgeschlossen

Selenskyj „will nicht warten“: Ukraine bereit für Gegenoffensive

  • Daniel Dillmann
    VonDaniel Dillmann
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Seit Wochen wartet die Welt auf den Start der ukrainischen Gegenoffensive im Krieg mit Russland. Präsident Selenskyj verspricht den baldigen Start.

Kiew – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den umgehenden Beginn der ukrainischen Gegenoffensive angekündigt. Die Vorbereitungen seien abgeschlossen. „Ich glaube, dass wir nun bereit sind, zu beginnen“, so Selenskyj im Interview mit dem US-Magazin Wall Street Journal über die aktuelle Lage im Ukraine-Krieg.

Zuletzt hatten Experten spekuliert, dass die Ukraine noch auf die Lieferung weiterer Waffensysteme aus dem Westen warten wolle, ehe man mit der großangelegten Gegenoffensive beginnen würde. Westliche Verbündete hatten Kiew die Lieferung von Kampfjets des Typs F16 in Aussicht gestellt und bereits mit der Ausbildung ukrainischer Piloten begonnen. Wann die Kampfflugzeuge aber zur Verfügung stehen werden, ist unklar.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Ukraine-Krieg: Selensky will mit Gegenoffensive „nicht noch Monate warten“

Auch darauf kam Selenskyj zu sprechen. „Wir hätten gerne noch manche Dinge gehabt, aber wir können nicht noch Monate warten“, so der ukrainische Präsident. Seine Regierung und die Militärführung des Landes seien aber absolut sicher, dass „wir erfolgreich sein werden“.

Ein Datum für den Beginn der Gegenoffensive nannte der ukrainische Präsident nicht. Zeitgleich zu seiner Ankündigung veröffentlichte das ukrainische Verteidigungsministerium Bilder von Stellungen nahe der von Russland besetzten Stadt Bachmut. Dort bereiten sich die ukrainischen Streitkräfte offenbar auf einen Gegenschlag vor.

Wolodymyr Selenskyj bei einem Frontbesuch im Ukraine-Krieg.

Wird Bachmut zum Startpunkt der Gegenoffensive?

Die Stadt stand lange Zeit im Zentrum des Ukraine-Kriegs. Russland war es erst nach Wochen blutiger Stellungskriege gelungen, Bachmut zu erobern. Internationale Beobachter schätzen, dass allein bei der Schlacht um Bachmut bis zu 30.000 russische Soldaten fielen. Vor allem die Söldner-Armee Wagner soll bei den Kämpfen hohe Verluste erlitten haben. Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin hatte der russischen Militärführung deshalb schwere Vorwürfe gemacht und die mangelnde Unterstützung seiner Truppen durch Munition und Nachschub kritisiert. Laut Prigoschin haben seine Einheiten die Stadt mittlerweile verlassen. Laut Informationen des US-Nachrichtenportals Newsweek wird Bachmut aktuell vor allem von russischen Reserveeinheiten verteidigt.

Ebenfalls im Gespräch mit dem Wall Street Journal lobte Selenskyj die vom Westen zur Verfügung gestellten Luftabwehrsysteme. Vor allem das Patriot-System würde die ukrainischen Städte vor russischen Raketenangriffen schützen. „Es gibt derzeit nur eine einzige Waffe, die in der Lage ist, einige Arten von Raketen zu stoppen, die von der Russischen Föderation auf unsere Zivilbevölkerung, Schulen, Infrastruktur und Energiesysteme abgeschossen werden“, so der ukrainische Präsident. In dem seit mehr als 15 Monaten laufenden Krieg hatte das russische Militär in den vergangenen Tagen so viele Raketen und Drohnen auf die Ukraine und besonders auf Kiew gefeuert wie noch nie seit Beginn der Invasion. (mit dpa) 

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