Deutschland-Besuch

Selenskyj in Aachen gelandet - mit Forderungen im Gepäck

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    VonChristian Stör
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    Julia Volkenand
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Der ukrainische Präsident Selenskyj wird bei seinem Deutschland-Besuch vom Bundespräsidenten und dem Kanzler empfangen. Selenskyjs Tag im News-Ticker.

Update vom 14. Mai, 20.29 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reist nach seinem Deutschland-Besuch an diesem Sonntagabend (14. Mai) überraschend weiter nach Paris. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wolle ihn zu einem Arbeitsabendessen empfangen, teilte der Élyséepalast mit.

Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Als am 24. Februar 2022 russische Truppen in die Ukraine einmarschierten, sah zunächst alles nach einem leichten Sieg Russlands aus. Doch daraus wurde nichts. Die Ukraine leistete vom ersten Tag an erbitterten Widerstand und wehrte sich mit vereinten Kräften gegen die Invasion. Das liegt auch an ihrem Präsidenten. Wolodymyr Selenskyj überraschte mit seinem Auftreten im Krieg von Beginn an die ganze Welt – vor allem den Aggressor aus Russland.
Wolodymyr Selenskyj
Selenskyj kandidiert in der Ukraine
Wolodymyr Oleksandrowytsch Selenskyj wurde am 25. Januar 1978 als Sohn jüdischer Eltern in Krywyj Rih im Südosten der damals noch sowjetischen Ukraine geboren. Er schloss erfolgreich ein Jurastudium ab, war aber nie als Jurist tätig. Stattdessen gründete er zunächst eine Kabarettgruppe, die fünf Jahre lang von Moskau aus durch die Staaten der ehemaligen Sowjetunion tourte. Als Komiker und Schauspieler erlangte er große Popularität – in der Ukraine und in Russland.
Wolodymyr Selenskyj – Vom Komödianten zum Symbol des Widerstands

Selenskyj in Deutschland: Scholz würdigt ihn bei Karlspreis-Verleihung

Update vom 14. Mai, 17.12 Uhr: Olaf Scholz hat Wolodymyr Selenskyj und seinem Volk für die Verteidigung gemeinsamer europäischer Werte gedankt. In seiner Karlspreis-Laudatio erinnerte der Kanzler daran, wie Selenskyj am Morgen des russischen Angriffs mit wirkmächtigen Worten den Widerstand bekräftigt habe. „‘Der Präsident ist hier. Wir alle sind hier‘“, zitierte Scholz (SPD) auf Ukrainisch aus der ersten Videobotschaft des ukrainischen Präsidenten und stellte fest: „Wohl selten in der Geschichte hatten so knappe Worte so große Wirkung.“

Es sei augenblicklich klar gewesen, dass das ukrainische Volk nicht vor Russlands Gewalt weichen, sondern widerstehen werde. Der Krieg zeige für die Ukraine und für die EU auf: „Wir stehen zusammen! Wir gehören zusammen! Und: Unsere Geschichte wird gemeinsam weitergehen.“

Karlspreis an Selenskyj: Wüst nennt ukrainischen Präsidenten „Held Europas“

Update vom 14. Mai, 16.15 Uhr: Wolodymyr Selenskyj ist nach der Landung in Aachen von NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) empfangen worden. Das berichtete die Nachrichtenagentur dpa. „Ein Held Europas und ein großer Kämpfer für die Freiheit – willkommen in NRW“, twitterte Wüst zudem. Der ukrainische Präsident gilt als sehr gefährdet. Die Zeremonie zur Karlspreis-Verleihung wird von extrem strengen Sicherheitsauflagen begleitet.

Selenskyj (4. v.l.) nach seiner Ankunft in Aachen

Die Redner im Krönungssaal des Aachener Rathauses sind am Sonntag Kanzler Olaf Scholz (SPD), EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der polnische Regierungschef Mateusz Morawiecki. 700 Gäste sind geladen.

Selenskyj besucht Deutschland: „Wir befreien unser gesetzmäßiges Gebiet“

Update vom 14. Mai, 14.00 Uhr: Wolodymyr Selenskyj ist Befürchtungen entgegengetreten, seine Streitkräfte könnten im Ukraine-Krieg mit moderneren westlichen Waffen auch russisches Staatsgebiet angreifen. „Wir greifen das russische Territorium nicht an. Wir befreien unser gesetzmäßiges Gebiet“, sagte Selenskyj in Berlin bei einem Treffen mit Bundeskanzler Olaf Scholz. „Wir haben dafür keine Zeit, keine Kräfte und keine überzähligen Waffen dafür.“ Man habe sich gemäß internationalem Recht bei der Vorbereitung der Gegenoffensivaktionen ausschließlich auf die Befreiung „unseres von der ganzen Welt anerkannten Territoriums“ konzentriert.

Selenskyj in Deutschland: Scholz bei Kampfjet-Frage zurückhaltend

Update vom 14. Mai, 12.25 Uhr: Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland gebeten, sein Land in einer Koalition mit anderen Partnern durch die Lieferung moderner Kampfjets zu unterstützen. Die Ukraine arbeite während seines Besuchs in europäischen Hauptstädten daran, „eine Kampfjet-Koalition zu schaffen“, sagte Selenskyj bei einem Treffen mit Kanzler Olaf Scholz in Berlin. „Das ist für die Ukraine sehr wichtig, unsere Anstrengungen zu koordinieren“, sagte Selenskyj. Russland habe derzeit ein Übergewicht im Luftraum. Dies wolle man ändern.

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine, und Bundeskanzler Olaf Scholz (r, SPD) äußern sich bei einer Pressekonferenz nach ihrem Gespräch im Bundeskanzleramt.

Scholz äußerte sich dazu zurückhaltend. Deutschland habe der Ukraine sehr viel geliefert. Gerade was die Luftverteidigung betreffe, seien dies sehr moderne Waffen. „Das ist das, worauf wir uns als Deutsche jetzt konzentrieren“ Es gehe darum sicherzustellen, dass Russland seine Truppen zurückziehe, wenn man den Frieden in der Ukraine sichern wolle, betonte Scholz, der der Ukraine zugleich die weitere Unterstützung Deutschlands zusicherte.

„Wir unterstützen Euch so lange, wie es nötig sein wird“, sagte Scholz. Bisher sei Hilfe im Wert von 17 Milliarden Euro geleistet worden. Der schreckliche Krieg habe erhebliche geopolitische Konsequenzen, betreffe aber vor allem die Menschen in der Ukraine. Deutschland stehe auch in voller Solidarität zu den geflüchteten Menschen. Scholz: „Diese Solidarität, sie ist anhaltend und sie ist stark.“

Selenskyj in Deutschland: Präsident in Schwarz-Grün - und mit Spenden-Werbung

Update vom 14. Mai, 11.40 Uhr: Wolodymyr Selenskyj tourt aktuell durch Europa und ist heute in Deutschland zu Gast. In Berlin wurde er von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Empfang genommen. Wie bei Besuchen im Ausland von ihm gewohnt, trat er auch Steinmeier in einem militärisch anmutenden Outfit entgegen. Selenskyj trug in Berlin ein schwarzes Sweatshirt und olivgrüne Cargopants.

Auf Selenskyjs Pullover war neben einer ukrainischen Fahne die Aufschrift „United24“ gedruckt - der Name einer Internet-Spendenplattform, die Kiew Anfang Mai 2022 gegründet hatte. Die Plattform hat bis jetzt mehr als 337 Millionen Dollar (311 Millionen Euro) an Spenden gesammelt - aus mehr als 100 Ländern. Damit wurden nach jüngsten offiziellen Angaben unter anderem der Aufbau der Flotte von Marinedrohnen sowie alle Projekte im Zusammenhang mit Drohnen für die Front unterstützt. Neben dem militärischen Bereich werden die Mittel inzwischen auch im medizinischen Sektor verwendet.

Update vom 14. Mai, 10.10 Uhr: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Deutschland bei seinem Besuch in Berlin seinen Dank für die Unterstützung im Ukraine-Krieg ausgesprochen. „In der schwierigsten Zeit in der modernen Geschichte der Ukraine hat sich Deutschland als unser wahrer Freund und verlässlicher Verbündeter erwiesen, der im Kampf für die Verteidigung von Freiheit und demokratischen Werten entschieden an der Seite des ukrainischen Volkes steht“, schrieb Selenskyj beim Empfang durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf Englisch ins Gästebuch. „Gemeinsam werden wir gewinnen und den Frieden nach Europa zurückbringen.“

Selenskyj bedankte sich persönlich bei Steinmeier für dessen Unterstützung. „Vielen Dank, Herr Bundespräsident, für Ihre persönliche Unterstützung der Ukraine und Gastfreundschaft“, schrieb er. Selenskyj dankte auch dem deutschen Volk für dessen „fantastische Solidarität“. Auf Deutsch ergänzte er: „Danke Deutschland!“

Im Anschluss an das Treffen mit Steinmeier wollte Kanzler Olaf Scholz (SPD) Selenskyj mit militärischen Ehren im Kanzleramt empfangen.

Selenskyj in Deutschland zu Besuch: Treffen mit Steinmeier

Update vom 14. Mai, 9.25 Uhr: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zum offiziellen Auftakt seines Deutschlandbesuchs in Berlin empfangen. Selenskyj traf am Sonntagmorgen in einem Autokonvoi am Schloss Bellevue ein, dem Amtssitz des deutschen Staatsoberhauptes. Nach dem Eintrag Selenskyjs ins Gästebuch war ein Gespräch des Bundespräsidenten mit dem ukrainischen Gast geplant. Auf beiden Seiten sollten je vier Berater dabei sein, hieß es.

Im Anschluss wollte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) Selenskyj mit militärischen Ehren im Kanzleramt empfangen. Nach einem Gespräch unter vier Augen und einer weiteren Unterredung im kleinen Kreis war auch eine Pressekonferenz geplant.

Wolodymyr Selenskyj erstmals seit Kriegsbeginn in Deutschland

Erstmeldung vom 13. Mai:

Berlin - Wolodymyr Selenskyj ist in Berlin angekommen. Das zumindest teilte der ukrainische Präsident in der Nacht zum Sonntag (14. Mai) auf Twitter mit. „Schon in Berlin“, schrieb er gegen 00:36 Uhr. „Waffen. Mächtiges Paket. Luftabwehr. Wiederaufbau. EU. NATO. Sicherheit“, fügte er noch hinzu. Auch Oleksii Makeiev, der ukrainische Botschafter in Berlin, teilte die Nachricht auf seinem Account.

Es ist der erste Besuch des ukrainischen Präsidenten in Deutschland seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022. 

Das konkrete Programm Selenskyjs wurde aus Sicherheitsgründen bislang nicht bekanntgegeben. Es gab aber Spekulationen, dass der Gast aus Kiew von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Kanzler Olaf Scholz (SPD) empfangen wird. Am Sonntagnachmittag steht in Aachen die Verleihung des Karlspreises für europäische Verdienste an, der Selenskyj und dem ukrainischen Volk schon im Dezember zugesprochen wurde.

Regierungskreise in Berlin hatten der Deutschen Presse-Agentur am Samstag bestätigt, dass der Besuch am Sonntag stattfinden wird. Kurz vor der Ankunft hatte die Bundesregierung dem ukrainischen Präsidenten aber schon mal einen Willkommensgruß gesendet: Sie sagte ihm weitere Waffen im Wert von 2,7 Milliarden Euro für den Abwehrkampf gegen die Truppen des russischen Präsidenten Wladimir Putin zu.

Zuletzt besuchte Selenskyj wenige Tage vor Beginn des Ukraine-Krieges Deutschland, damals auf der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2022. Die ersten zehn Monate nach der russischen Invasion hatte er das Land dann gar nicht mehr verlassen. Das änderte er Ende vergangenen Jahres. Inzwischen war er schon in Washington, Warschau, Paris, London, Brüssel, Helsinki und Den Haag. Am Samstag traf er in Rom Papst Franziskus und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, bevor er nach Deutschland weiterreiste. (jv mit Material von dpa und afp)

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