Ukraine-Krieg

„Sehr effizient“: So wichtig sind Kiews Billig-Drohnen im Ukraine-Krieg

  • Erkan Pehlivan
    VonErkan Pehlivan
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Mit einfachen FPV-Drohnen fügt die Ukraine der russischen Armee empfindliche Schäden zu. Sie werden im Ukraine-Krieg immer mehr zum „Gamechanger“.

Kiew – Im Ukraine-Krieg sind Drohnen inzwischen zu einem wichtigen Instrument geworden. Das gilt insbesondere für die sogenannten FPV-Drohnen. Dabei hat der Pilot eine Brille auf und steuert die Drohne aus der Ich-Perspektive. Diese Art der Drohnen sind für die ukrainischen Frontkämpfer zum Teil wichtiger als die Artillerie geworden. Der ukrainische Minister für digitale Transformation, Michailo Fedorow, nennt diese Drohnen sogar „Gamechanger“, die massenhaft russisches Gerät zerstören.

„FPV-Drohnen sind also in der Tat eine technische Revolution, auch wenn die Technik selbst recht einfach ist. Aber es hat sich herausgestellt, dass sie sehr effizient ist“, sagte Fedorow gegenüber Newsweek. Die Aufnahmen von zerstörten russischen Panzern oder getöteten Gegnern durch FPV-Drohnen tauchen oft in den sozialen Medien auf. Entweder fliegen Sie in russische Militärfahrzeuge rein oder werden als Aufklärungsinstrumente zur Steuerung von Artillerieangriffen eingesetzt.

Kiew will Drohnen-Flotte im Ukraine-Krieg massiv ausbauen

Diese FPV-Drohnen sind günstig, verwenden oft herkömmlich gekaufte Ersatzteile und können dem Gegner einen ernsthaften Schlag versetzen. Die Regierung in Kiew will sich mit diesen Drohnen noch weiter eindecken und hat hierzu auch Spendenaktionen durchgeführt. Die Kiewer Plattform United24, die vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ins Leben gerufen wurde, hatte Anfang des Monats in nur wenigen Tagen rund 6,3 Millionen Dollar eingesammelt, womit 10.000 FPV-Drohnen angeschafft werden können.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Laut Fedorow werden die Drohnen im Ausland gekauft und dann in der Ukraine mit Munition ausgestattet. Sie haben eine Reichweite von bis zu 10 Kilometern. „Sie werden entlang der gesamten Frontlinie eingesetzt, auch vom ukrainischen Sicherheitsdienst“, sagte der Minister. „Diese Drohnen sind dafür gedacht, Feinde und Gerät direkt auf dem Schlachtfeld zu zerstören.“

Mit solchen FPV-Drohnen können ukrainische Soldaten schweres russisches Kriegsgerät ausschalten.

In einer weiteren Spendenrunde konnten in nur drei Tagen genug Geld für weitere 5000 FPV-Drohnen gesammelt werden. Mehr als 224.059 Spender aus der Ukraine und 59 anderen Ländern trugen zu den Geldern „für ein Neujahrsfeuerwerk für die Feinde der Ukraine“ bei, hieß es von der Plattform United24. Mit den Geldern werden 3000 FPV-Drohnen mit Wärmebildkameras und 2000 weitere mit Tageslichtkameras mit einer Reichweite von bis zu 22 Kilometern gekauft.

Selenskyj will mit Drohnen Leben ukrainischer Soldaten retten

Der ukrainische Präsident will die Drohnen-Flotte seines Landes im Kampf gegen die russische Invasionsarmee weiter ausbauen. „Dies ist eine offensichtliche Priorität des Staates und ein sehr konkreter Weg, um das Leben unserer Soldaten zu retten“, sagte Selenskyj in seiner Videoansprache am Mittwoch (20. Dezember). Er habe bei einer Beratung mit Regierung und Militär in Kiew darüber gesprochen, was an Drohnen im Lager sei und was an der Front benötigt werde. „Die Logistik wird schneller sein“, sagte der Präsident. Man arbeite auch daran, die Effektivität von Drohnen zu verbessern.

Auch Russland setzt im Ukraine-Krieg immer mehr auf Drohnen

Doch auch Russland setzt zunehmend auf diese FPV-Drohnen und hat seine Produktion dieser Geräte hochgefahren. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass das russische Militär durch diese Bemühungen Zehntausende von FPVs pro Monat erhält“, schätzt Samuel Bendett vom Center for Naval Analyses gegenüber Newsweek. (erpe/dpa)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Stanislav Krasilnikov

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