Präsident sucht Verbündete

Selenskyj trifft südamerikanische Präsidenten – und führt „offenes“ Gespräch mit Orban

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
    schließen

Der ukrainische Präsident Selenskyj sucht nach Verbündeten im Ukraine-Krieg. Ein Treffen mit US-Präsident Biden soll neue Mittel freisetzen.

Buenos Aires – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist weiter auf der Suche nach Verbündeten und Unterstützung für den Abwehrkampf gegen Russland im Ukraine-Krieg. Die Gegenoffensive der Ukraine ist ins Stocken geraten, und es mehren sich die Sorgen, dass Kiew den Konflikt gegen die russischen Invasoren verlieren wird – besonders dann, wenn die westliche Unterstützung nachlässt.

Selenskyj wird am Dienstag (12. Dezember) zu einem Treffen mit US-Präsident Joe Biden im Weißen Haus erwartet. Biden habe den Ukrainer eingeladen, „um das unerschütterliche Engagement der Vereinigten Staaten für die Unterstützung des ukrainischen Volkes bei der Verteidigung gegen die brutale russische Invasion zu unterstreichen“, teilte das Weiße Haus mit. Aus dem Büro Selenskyjs hieß es, er reise bereits an diesem Montag in die USA. Es werde neben dem Treffen mit Biden auch eine Reihe anderer Gespräche geben. US-Medienberichten zufolge soll sich Selenskyj auch mit US-Senatoren sowie dem Sprecher des US-Repräsentantenhauses, dem Republikaner Mike Johnson, treffen.

Wolodymyr Selenskyj (l-r), ein Vertreter von Equador und Viktor Orban, nehmen an der Zeremonie der Amtseinführung von Argentiniens neuem Präsidenten Milei teil.

Zuvor war Selenskyj auf der Suche nach Verbündeten nach Argentinien gereist. Bei seinem Arbeitsbesuch in Buenos Aires zur Amtseinführung des neuen argentinischen Staatschefs Javier Milei kam Selenskyj am Sonntag mit mehreren südamerikanischen Staatschefs zusammen und lotete die Möglichkeiten zu einem Gipfeltreffen Ukraine-Lateinamerika aus.

Selenskyj traf südamerikanische Präsidenten – und Orbán

Selenskyj traf in Buenos Aires nicht nur mit den Präsidenten Paraguays, Ecuadors, und Uruguays zusammen, um die Chancen eines Gipfeltreffens mit den Vertretern Lateinamerikas zu erörtern. Er nutzte den Besuch auch, um mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orbán über den von der Ukraine angestrebten EU-Beitritt zu sprechen. Orbán hatte gedroht, Kiews Hoffnungen auf einen baldigen Beginn von Aufnahmegesprächen mit der Europäischen Union zu blockieren.

Selenskyj hat nach eigenen Angaben ein „offenes“ Gespräch mit Orbán geführt. „Es war so offen wie möglich – und natürlich ging es um unsere europäischen Angelegenheiten“, sagte Selenskyj in seiner nächtlichen Videoansprache auf Telegram. Orbáns Pressechef Bertalan Havasi bestätigt das Treffen in einer E-Mail, lässt aber offen, ob der Ungar weiterhin gegen einen Beitritt der Ukraine zur Europäischen Union (EU) ist. „In Bezug auf den EU-Beitritt der Ukraine hat Viktor Orbán signalisiert, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union dieses Thema kontinuierlich diskutieren“, heißt es in der E-Mail.

Ungarn lehnt EU-Beitritt der Ukraine bislang ab

Bei einem EU-Gipfel am 14. und 15. Dezember soll entschieden werden, ob Beitrittsgespräche mit der Ukraine aufgenommen werden. Orban hatte zuvor wiederholt erklärt, dass er die Aufnahme von Gesprächen zum jetzigen Zeitpunkt ablehne. Eine Entscheidung darüber muss in der EU einstimmig getroffen werden.

Die Visite in Argentinien stand aber vor allem im Zeichen der Bemühungen Selenskyjs, die Unterstützung des sogenannten Globalen Südens für sein Land zu sichern. Viele der Länder tun sich schwer, die harte Linie westlicher Industrienationen gegenüber Russland mitzutragen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Selenskyj spricht mit Biden über weitere Militärhilfen

Das Weiße Haus teilte unterdessen mit, Biden und Selenskyj wollten den dringenden Bedarf der Ukraine für den Kampf auf dem Schlachtfeld erörtern und auch über die Fortsetzung der US-Hilfen sprechen. Die Freigabe neuer Mittel wird von einem Streit im US-Parlament blockiert. Mehr und mehr Republikaner melden Zweifel an der Unterstützung für die Ukraine an oder lehnen diese ab. Nach Angaben der Regierung in Washington, D.C., werden die bisher vom Parlament bewilligten Mittel für die Ukraine zum Jahresende komplett aufgebraucht sein.

Ein kürzlich verabschiedeter Übergangshaushalt der USA enthält erneut keine neuen Mittel für die Ukraine. Dies, obwohl Biden bereits im Oktober große Milliardensummen für Kiew beim Kongress beantragt hatte. Mit wachsender Dringlichkeit fordern Biden und sein Team den Kongress seit Wochen zum Handeln auf. Doch bisher gibt es dort keine Bewegung. (skr mit Agenturmaterial)

Rubriklistenbild: © Fernando Gens/dpa