Seltsame Verbündete

Neonazi bestätigt: Ultrarechte Russen kämpfen auf Seiten der Ukraine

Ein ukrainischer Soldat gestikuliert während eines Gefechts im Ukraine-Krieg. (Symbolfoto)
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Es klingt unglaublich: Die ukrainischen Streitkräfte bekommen Schützenhilfe von russischen Nationalisten.
  • Maximilian Kurz
    VonMaximilian Kurz
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Der frühere Hooligan Denis Nikitin leitet das „Russische Freiwilligenkorps“, eine Einheit russischer Bürger, die an der Seite der ukrainischen Streitkräfte kämpft.

Kiew – Denis Nikitin war vor der Ukraine-Invasion von Wladimir Putins ein international berüchtigter russischer Nationalist. Einst hat er noch rechtsextreme Netzwerke in Europa etabliert – nun kämpft er mit seinem Freiwilligenkorps gegen Russland. Darüber berichtet unter anderem The Guardian.

Ukraine-Krieg: Russischer Ex-Hooligan als Verbündeter der Ukraine

Nikitin ist Anführer des „Russischen Freiwilligenkorps“. Das RDK ist eine umstrittene Einheit, die an der Seite der ukrainischen Armee kämpft. Sie besteht ausschließlich aus russischen Bürgern. Die Einheit hat seit Jahresbeginn mehrere grenzüberschreitende Operationen durchgeführt und offenbar zeitweise einige Dörfer auf russischem Territorium eingenommen. Videos einiger dieser Aktionen verbreiteten sich rasch und sorgten weltweit für Aufsehen. Russland klassifiziert die RDK mittlerweile als „Terrororganisation“.

Die ukrainischen Behörden vermuten, dass das "Russische Freiwilligenkorps" nach einem möglichen Zusammenbruch des Putin-Regimes in Russland einmarschieren könnte, um dauerhafte Kontrolle über Teile des russischen Territoriums anzustreben. Das RDK stellt jedoch für Kiew ein Dilemma dar: Viele ihrer Mitglieder vertreten rechtsextreme Ansichten.

Denis Nikitin: Mixed Martial Arts, Fußball und Deutschland

Nikitin ist in Russland und Deutschland aufgewachsen. Seit 2019 ist er aus dem Schengen-Raum verbannt und gilt immer noch als einer der bekanntesten Neonazis Europas. Sein Spitzname ist „White Rex“, als Organisator von Mixed Martial Arts-Events zog er Rechtsradikale aus ganze Europa nach Kiew. Dorthin zog er 2017, ein Jahr nachdem er mit anderen russischen Hooligans an gewalttätigen Zusammenstößen mit englischen Fans in Marseille beteiligt war.

Im Guardian äußerte Nikitin seine wachsende Feindschaft gegenüber dem Kreml. Der Ex-Hooligan meinte: „Wir haben erkannt, dass Einwanderer nicht das ultimative Übel sind; unser Staat ist unser Feind. Uns wurde klar, dass wir gegen den Staat kämpfen müssen.“

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Ukrainische Behörden bestreiten offizielle Verbindungen

Offiziell erkennt die Ukraine das RDK nicht als verbündete Militäreinheit an. Doch diese Distanzierung ist nicht zwingend glaubwürdig. Der Umgang mit dem RDK ist vergleichbar mit Russlands Behauptungen, die Separatisten in der Ostukraine nicht zu unterstützen. Es erscheint unwahrscheinlich, dass bewaffnete Einheiten russischer Staatsbürger unbehelligt etwa durch Kiew marschieren könnten, wenn ihr Wirken nicht zumindest geduldet wäre.

Laut verschiedenen Berichten haben einige westliche Partner bereits Druck auf die Ukraine ausgeübt. Sie wollen sicherstellen, dass militärische Unterstützung und Ausrüstung nicht in die Hände von paramilitärischen Gruppen gelangen, die sie für Aktionen innerhalb der russischen Grenzen verwenden könnten. Die Ukraine wollte von Attacken unter anderem der RDK auf russischem Staatsgebiet im Mai nichts gewusst haben.

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