Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung
Wetter-Schock im September 2025: Nur wenige werden den echten Altweibersommer genießen dürfen
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September wird anders, als viele denken: Sonnenglanz, Spinnfäden und plötzlich Herbst – doch kommt wirklich der sagenumwobene Altweibersommer? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.
Kassel – Der September gilt als Monat der großen Gegensätze. Einerseits blitzt er oft noch einmal mit spätsommerlicher Wärme auf, andererseits schickt er uns schon deutlich die ersten Vorboten des Herbstes. Dieses Jahr starten wir mit einem überraschend warmen Auftakt, der in vielen Regionen Temperaturen über der 20-Grad-Marke bereithält. An manchen Tagen ist sogar noch einmal ein Hauch von Hochsommer spürbar, bevor kühlere Luftmassen langsam die Oberhand gewinnen.
Besonders spannend: Während die ersten Nächte bereits erfrischend kühl und herbstlich wirken, kann man tagsüber noch im T-Shirt draußen sitzen. Doch genau diese Mischung macht den September so einzigartig – er ist weder Sommer noch Herbst, sondern ein faszinierender Spagat dazwischen.
Das Geheimnis des Altweibersommers bevor das graue Herbst-Wetter Überhand gewinnt
Wenn im September oder Anfang Oktober plötzlich milde Tage mit strahlend blauem Himmel auftauchen, spricht man vom Altweibersommer. Der Name klingt zunächst merkwürdig, doch er geht nicht auf „alte Frauen“ zurück, sondern auf uralte Sprachwurzeln. Das althochdeutsche Wort „weiben“ bedeutet „spinnen“ und beschreibt die feinen Fäden der Spinnen, die in der klaren Luft glänzen wie silberne Haare.
Dieses Naturphänomen ist so markant, dass es seit Jahrhunderten mit dieser Wetterlage verbunden wird. Ein echter Altweibersommer fühlt sich an wie ein Geschenk der Natur: goldene Sonnenstrahlen, trockene Luft, leuchtende Wälder und eine Stimmung, die den Sommer noch einmal zurückholt, bevor endgültig der graue Herbst Einzug hält. Für viele Menschen ist er das Schönste, was das Jahr zu bieten hat – eine kleine Verlängerung der warmen Jahreszeit.
Chancen auf den Altweibersommer 2025
Die aktuellen Langfristmodelle deuten darauf hin, dass der September 2025 zwar mit einigen warmen Tagen beginnt, aber keine durchgehend stabile Hochdruckphase bringt. Wahrscheinlicher ist eine wechselhafte Abfolge: sonnige Tage mit Temperaturen bis zu 25 Grad, gefolgt von kühleren Einschüben, die uns rasch daran erinnern, dass der Herbst vor der Tür steht. Ein langer, stabiler Altweibersommer mit wochenlangem Sonnenschein scheint deshalb eher unwahrscheinlich.
Dennoch könnten einzelne Regionen Glück haben: Besonders im Süden sind kurze, goldene Schönwetterfenster im Laufe des Monats gut möglich. Am Ende hängt alles von den Großwetterlagen ab – ob sich Hochdruckgebiete gegen den atlantischen Herbststurm durchsetzen können. Eins steht aber fest: Wenn die warmen Spätsommertage kommen, dann sind sie umso wertvoller. 2025 müssen wir sie wahrscheinlich genießen, solange sie da sind – denn sie könnten schneller vorbei sein, als uns lieb ist.
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Felix Kästle
