Kritik am Scholz-Kurs

Ex-SPD-Chef Gabriel: „Werden Russland niederringen müssen“ – notfalls „mithilfe der Bundeswehr“

  • Stephanie Munk
    VonStephanie Munk
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Truppen der Bundeswehr in der Ukraine? Für Kanzler Scholz ein No-Go. Ex-SPD-Außenminister Gabriel sieht das anders. Er will Putin „nicht versprechen, dass wir das nie tun werden“.

Berlin – Schon zum zweiten Mal nach der Europawahl zeigt der ehemalige SPD-Chef Sigmar Gabriel klarer Kante gegen Bundeskanzler und Parteikollegen Olaf Scholz. Diesmal geht es um den Ukraine-Krieg: Der Ex-Außenminister fordert, Bundeswehr-Soldaten in der Ukraine nicht auszuschließen.

Gabriel äußerte sich in einem Interview mit dem Stern ausführlich zum Ukraine-Krieg. Danach gefragt, ob irgendwann westliche Bodentruppen in der Ukraine nötig werden könnten, sagte er, er würde „nichts ausschließen“, wenn die Gefahr drohe, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland verliere. Es sei eine „seltsame Taktik“, den russischen Präsidenten Wladimir Putin „immer öffentlich darüber zu informieren“, wie weit man im Ukraine-Krieg gehen werde, so das SPD-Urgestein.

Gabriel greift Kurs der SPD schon zum zweiten Mal an

Das ist schon das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass Gabriel den Kurs von Scholz direkt angreift. Die erste Scholz-Attacke erfolgte am Tag nach der Wahl, als Gabriel zur Wahlschlappe der SPD und der anderen Ampel-Parteien sagte, „die Bevölkerung ist durch mit dieser Regierung.“ Offen stellte er infrage, ob Lars Klingbeil und Saskia Esken noch die richtigen sei für den Job als SPD-Vorsitzende.

Bild aus anderen Zeiten: Sigmar Gabriel (r.) im Jahr 2017, als er noch SPD-Außenminister innerhalb der Merkel-Regierung war, bei einem Treffen mit Wladimir Putin.

Jetzt folgt also Gabriels Kritik an Scholz‘ rote Linien im Ukraine-Krieg. Dass der Kanzler solche immer wieder gezogen hat, bemängelt nicht nur die alte SPD-Größe, sondern stieß zuvor schon auch bei Experten und westlichen Verbündeten auf Kritik.

Deutsche Truppen in der Ukraine? Gabriel fordert härteren Kurs gegen Putin

Der Vorstoß, notfalls auch westliche Truppen in die Ukraine zu senden, kam als erstes von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Einen solchen Einsatz grundsätzlich auszuschließen, sei vor allem mit Blick auf die Abschreckung Russlands falsch, sagte Macron im Februar.

Ähnlich sieht es Gabriel, wie er im Interview ausführte. „Niemand wünscht sich, die Bundeswehr in einen Krieg führen zu müssen.“ Aber: „Es braucht das klare Signal an Putin: Stopp diesen Krieg – oder wir tragen ihn zu dir“, so Gabriel, der von 2017 bis 2021 Außenminister der Regierung von Angela Merkel war.

Das könne bedeute, dass deutsche Soldaten in der Ukraine zum Beispiel dabei helfen, Flugverbotszonen in der Ukraine durchzusetzen., so Gabriel. Eine Flugverbotszone war eines der ersten Dinge, die die Ukraine nach der Invasion Russlands forderte. Kanzler Olaf Scholz schloss von Beginn an aus, dass deutsche Soldaten sich mit deutschen Flugabwehrraketen daran beteiligen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Gabriel: „Russland noch einmal niederringen“ – er fordert aber auch Friedensverhandlungen

Gabriel sagte jetzt, er würde „Herrn Putin nicht schon wieder versprechen, dass wir das nie tun werden.“ Sei Russland in der Ukraine erfolgreich, gefährde das auch die Sicherheit in Deutschland und in Europa. „Putin wird nach kurzer Zeit der Erholung an anderer Stelle zündeln. Immer gern an den Rändern von EU und Nato, weil er weiß, dass es uns dort schwerfällt, hart zu reagieren.“ Gabriel, der von 2009 bis 2017 SPD-Chef war, folgerte: „Wir werden Russland noch einmal so niederringen müssen, wie wir das im Kalten Krieg mit der Sowjetunion gemacht haben.“

Neben einem militärisch härteren Kurs fordert Gabriel aber auch verstärkte Verhandlungen und Gespräche. „Neben der Konferenz in der Schweiz bedarf es einer zweiten Friedenskonferenz, auf der sich Russlands Gesprächspartner treffen.“ Diese Russland-Allianz solle von China geführt werden. „Deutschland könnte einen solchen Vorschlag glaubwürdig einbringen. Dann würde das Wahlplakat des Bundeskanzlers zur Europawahl unter dem Motto ‚Frieden sichern‘ auch durch aktives Handeln unterlegt werden“, sagte Gabriel.

„Geirrt“: Gabriel kennt Putin von seiner Zeit als SPD-Außenminister

Sigmar Gabriel kennt Wladimir Putin persönlich: In seiner Zeit als Außenminister traf er den russischen Präsidenten mehrmals. Er gehöre zu „den Politikern, die sich in Russland und seinem Präsidenten geirrt haben“, sagte Gabriel jetzt. Diesen Fehler wolle er nicht noch einmal machen. Heute ist Sigmar Gabriel Vorsitzender der Atlantik-Brücke, eine wirtschafts-, finanz-, bildungs- und militärpolitische Brücke zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland. (smu)

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