Ist das noch „normal“?

Wetter in Deutschland ist heißer als am Mittelmeer – Meteorologe spricht von „deutlichem Signal“

  • VonDominik Jung
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Deutschland schwitzt im April – und das im doppelten Sinn. Zwischen Ost-Hitze und West-Kühle verläuft eine Wettergrenze mit brisantem Klima-Potenzial.

Frankfurt – Was derzeit über Deutschland hinwegzieht, lässt selbst erfahrene Wetter-Experten aufhorchen: Während im Westen eher frühlingshafte 10 bis 12 Grad herrschen, werden im Osten am Mittwoch und Gründonnerstag stellenweise bis nahe 30 Grad gemessen. Temperaturen, die sonst eher im Hochsommer üblich sind – und das am 16. und 17. April.

Wetter-Phänomene dieser Art sorgen für Diskussionen: Ist das noch normales Aprilwetter oder zeigt sich hier der Klimawandel in Echtzeit? „Solche extremen Wärmespitzen zu einem so frühen Zeitpunkt im Jahr sind früher die absolute Ausnahme gewesen. Jetzt häufen sie sich“, erklärt Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net. Und weiter: „Einzelne Wetterereignisse sind nicht gleich Klimawandel, aber die Häufung und Verschiebung solcher Ereignisse ist ein deutliches Signal.“ Ein Blick nach Südeuropa macht die Lage noch absurder: In Teilen des Mittelmeerraums ist es zurzeit kühler als in Dresden oder Cottbus. In Italien toben lebensgefährliche Unwetter.

Was für Temperaturanomalien: Über Ostdeutschland ist es am Mittwoch (16. April) für die aktuelle Jahreszeit 13 Grad „zu warm“

Hinweis für Klimawandel in Deutschland: Wettergrenze teilt das Land

Zwischen West und Ost verläuft aktuell eine markante Wettergrenze. Sie trennt kühlere Luftmassen im Westen von sehr warmer, trockener Luft aus Südosteuropa, die in den Osten Deutschlands strömt. Diese Konstellation führt zu extremen Temperaturunterschieden auf relativ kleinem Raum – ein Phänomen, das Meteorologen als „Baroklinität“ bezeichnen.

Das bedeutet: Wo sich Luftmassen unterschiedlicher Temperatur treffen, kann es besonders dynamisch zugehen. Während in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz noch Pulloverwetter herrscht, liegen die Menschen in Sachsen-Anhalt und Brandenburg im T-Shirt auf der Parkbank. Auch die UV-Strahlung ist ungewöhnlich hoch für April. Und das alles vor Ostern. Experten sehen darin zwar kein direktes Zeichen des Klimawandels, aber sehr wohl ein Mosaiksteinchen in einem größeren Bild. Frühzeitige Wärmewellen, besonders im Frühjahr, werden seit Jahren häufiger registriert.

Wetter-Experte besorgt: Aprilhitze tritt häufiger auf

Auch wenn Dominik Jung betont, dass man Wetter und Klima streng voneinander trennen müsse, sprechen die Entwicklungen für sich: Der Klimawandel zeigt sich zunehmend durch veränderte Muster im Wettergeschehen. Aprilhitze, die früher extrem selten war, tritt nun häufiger auf – und das bereits im ersten Drittel des Monats. Auch zu Ostern wird ein ungewöhnlicher Wetter-Mix erwartet.

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Das hat nicht nur Auswirkungen auf unsere Freizeitplanung, sondern auch auf Landwirtschaft, Wasserhaushalt und Ökosysteme. Für viele klingt 30 Grad im Frühling verlockend – doch Meteorologen warnen: Solche Temperaturspitzen könnten künftig häufiger auftreten und langfristig das Klima in Mitteleuropa spürbar verändern. Was wir derzeit erleben, ist vielleicht „nur Wetter“ – aber eben Wetter in einem Klima, das sich wandelt. Und das immer spürbarer.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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