Ukraine-Krieg

Schlechte Nachrichten für Selenskyj: Erster Nato-Partner stoppt Waffenlieferungen an die Ukraine

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Bulgarien wird vorerst doch nicht 100 Panzerfahrzeuge an die Ukraine ausliefern. Präsident Radew legte sein Veto ein. Er gilt als pro-russisch.

Sofia – Diese Entscheidung des Nato-Staates Bulgarien kam unerwartet. Präsident Rumen Radew hat am Montag die Lieferung von 100 ausgemusterten Transportfahrzeugen der bulgarischen Armee in die Ukraine mit einem Veto gestoppt. Nur wenige Wochen zuvor hatte das Parlament in Sofia einem entsprechenden Abkommen zugestimmt, wie das US-Magazin Newsweek berichtete.

Laut dem bulgarischen Sender NOVA hat Radew das Abkommen mit seinem Veto zur erneuten Diskussion zurück an das Parlament geschickt. Er erklärte demnach, dass die Abgeordneten, die die Vereinbarung unterzeichnet hatten, mit der Angelegenheit nicht „vertraut“ genug seien. Die bulgarische Nationalversammlung hatte das Abkommen zwischen dem Innenministerium ihres Landes und dem Verteidigungsministerium der Ukraine am 22. November ratifiziert.

Ukrainische Soldaten bedienen einen Mehrfachraketenwerfer. (Archivfoto)

Ukraine-Krieg: Bulgarien blockiert überraschend bereits vereinbarte Lieferung von Panzerfahrzeugen

Bulgarien gehört zu den Nato-Mitgliedern, die den Kampf der Ukraine gegen die russische Invasion bisher energisch unterstützt haben. Da jedoch die Spannungen zwischen Russland und den Mitgliedern des Militärbündnisses zunehmen, haben einige europäische Länder begonnen, Maßnahmen zur Sicherung ihrer eigenen Grenzen zu ergreifen – man befürchtet offenbar eine Ausweitung des Ukraine-Krieges. Bulgarien stünde aufgrund seiner Nähe zur Ukraine in einem solchen Fall an vorderster Front.

In seinem am Montag von NOVA veröffentlichten Antrag sagte Radew, er glaube nicht, dass Vertreter der bulgarischen Nationalversammlung „ausreichend untersucht“ hätten, ob die fraglichen Fahrzeuge vom Innenministerium Sofias nicht mehr benötigt würden.

„Aus den Diskussionen während der Verabschiedung des Gesetzesentwurfs in der Nationalversammlung geht hervor, dass ein großer Teil von ihnen zum Zeitpunkt der Abstimmung nicht mit der konkreten Liste der bereitgestellten Ausrüstung vertraut war“, so Radew an die Parlamentarierinnen und Parlamentarier. Dieser Umstand mache es ihnen „unmöglich“ zu beurteilen, ob die ausgemusterten Panzerfahrzeuge tatsächlich nicht mehr benötigt werden.

Der bulgarische Präsident Rumen Radew auf einer Pressekonferenz im April 2023. Er hat nun die Lieferung von 100 Panzerfahrzeugen an die Ukraine durch ein Veto verhindert.

Bulgariens Präsident führt „Kriegsaufgaben“ an – gilt aber als pro-russisch

Der bulgarische Präsident wies laut des NOVA-Berichts auf Gründe hin, die für einen Verbleib der in Rede stehenden Fahrzeuge in Bulgarien sprechen würden. So seien die „Kriegsaufgaben“ seines Innenministeriums im Genehmigungsprozess durch den Gesetzgeber nicht berücksichtigt worden. Außerdem gebe es keine Pläne, die gepanzerten Fahrzeuge des Ministeriums nach der Schenkung an die Ukraine zu ersetzen.

Auch die Grenzpolizei Bulgariens verfüge nicht über genügend Ausrüstung und Transportfahrzeuge für die Arbeit in höherliegendem Gelände. Genau solche Fahrzeuge sollten nun aber offenbar an Kiew gehen. „Die gepanzerte Hochlandtransportausrüstung, die der Ukraine mit diesem Abkommen zur Verfügung gestellt wird, könnte zum Schutz der bulgarischen Grenze eingesetzt werden“, so Radew. Diese Aufgabe sei von „wesentlicher Bedeutung“, auch mit Blick auf den Beitritt Bulgariens zum Schengenraum.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Im Gegensatz zur liberal-konservativen Regierung um den Ministerpräsidenten Nikolay Denkow gilt Bulgariens Präsiendent Radew als Russland-freundlich. Im Juli 2023 lieferte sich der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit seinem bulgarischen Amtskollegen sogar ein Wortgefecht über die Frage bulgarischer Waffenlieferungen an die Ukraine. Radew sagte damals, er glaube weiterhin, „dass dieser Konflikt keine militärische Lösung hat.“ (rowa)

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