Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Europa nähert sich Wetterrekord: Fast 47 Grad in Sizilien – auch andere Ländern ächzen unter Hitze

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Während Mitteleuropa im Regen versinkt, erlebt der Kontinent historische Hitze – von Südeuropa bis weit in die Arktis. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Am Dienstag, dem 22. Juli 2025, zeigte das Thermometer in Pozzallo auf Sizilien unglaubliche 46,5 °C. Damit nähert sich Europa nur vier Jahre nach dem Rekord von 48,8 °C in Syrakus erneut der psychologischen 50-Grad-Marke. Der Mittelmeerraum ächzt unter einer seit Wochen andauernden Hitzeperiode. In Süditalien, Griechenland, Spanien und der Türkei werden nahezu täglich neue regionale Spitzenwerte erreicht. Was früher als Ausnahme galt, ist mittlerweile zur wiederkehrenden Realität geworden. Besonders Küstenregionen wie Südsizilien, wo heiße, trockene Fallwinde vom Landesinneren auf die Städte treffen, sind von dieser extremen Hitze betroffen. Die Auswirkungen sind gravierend: erhöhte Waldbrandgefahr, Ernteausfälle, überlastete Stromnetze – und eine steigende Zahl hitzebedingter Notfälle in Kliniken.

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Hitzeschock im hohen Norden: 30 °C am Polarkreis

Gleichzeitig erlebt Skandinavien eine Hitzewelle, wie sie nördlich des Polarkreises noch nie dokumentiert wurde. In Teilen Norwegens, Schwedens und Finnlands stiegen die Temperaturen auf über 30 °C – nicht nur für einzelne Tage, sondern über einen Zeitraum von über einer Woche. Noch dramatischer: Selbst nachts fallen die Temperaturen kaum noch unter 20 °C, was dort als „tropische Nacht“ gilt. Diese Wetterlage ist nicht nur ein Ausreißer, sondern ein deutliches Zeichen des sich verändernden Klimas in der Arktis. Die Regionen rund um den Polarkreis erwärmen sich besonders schnell – und was wir derzeit erleben, ist keine Laune der Natur, sondern Teil eines größeren Trends. Hitzewellen mit Rekordwerten in diesen Breitengraden wären noch vor wenigen Jahren unvorstellbar gewesen.

Mitteleuropa: Regen, Unwetter – aber kein kühler Sommer

In Mitteleuropa dagegen zeigt sich der Juli bislang wolkenverhangen, nass und mit zahlreichen Unwettern. Für viele ist das Anlass zur Aussage: „Was für ein Sommer?“ Doch diese Perspektive täuscht. Denn die Wetterextreme im Süden und Norden Europas sind keine Gegensätze zum mitteleuropäischen Wetter – sie sind Teil desselben Systems. Die extrem aufgeheizte Mittelmeerregion liefert enorme Mengen Wasserdampf, der über Luftmassen nach Norden getragen wird – und dort als Starkregen niedergeht. Die Hitze in Südeuropa und am Polarkreis wirkt also direkt auf das Wettergeschehen in der Mitte des Kontinents. Der Sommer 2025 ist kein lauer, verregneter Ausfall – er ist ein extremer, aufgeladen gespaltener Sommer, der Europa von zwei Seiten her unter Druck setzt: mit Feuer und Wasser.

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