Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Regen statt Hitze – Jetstream lenkt Sommer-Wetter in Deutschland

  • VonDominik Jung
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45 Grad für Deutschland? Fehlanzeige – dafür Unwetter. Die Hitze ist nicht weg – sie brennt jetzt woanders mit voller Härte. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Frankfurt – Noch vor wenigen Tagen rechneten einige Wettermodelle mit einer brutalen Hitzewelle für Deutschland – Temperaturen bis 45 Grad schienen möglich. Die Medien sprachen von einer potenziellen Rekordhitze. Doch statt Gluthitze erleben wir nun wechselhaftes Wetter, gefährliche Starkregenfälle und schwere Gewitter. Was ist passiert?

Mitten im Juli ist in Deutschland beim besten Willen kein Wetter fürs Freibad.

Die Antwort liegt in der Entwicklung der großräumigen Wetterlage. Ein stabiles Hoch, das Hitze nach Mitteleuropa bringen sollte, konnte sich nicht halten. Stattdessen etablierten sich Westlagen mit Tiefdruckeinfluss, die kühle und feuchte Luft nach Deutschland lenkten. Doch das bedeutet nicht, dass die Hitze verschwunden ist – im Gegenteil: Sie tobt derzeit mit voller Wucht über Südeuropa und dem Nahen Osten.

Modelle im Spannungsfeld: Möglich, aber nicht wahrscheinlich

Wettermodelle basieren auf Wahrscheinlichkeiten. Wenn vor 10 bis 14 Tagen einige „heiße Läufe“ extrem hohe Temperaturen für Deutschland zeigten, bedeutete das nicht, dass diese Werte sicher eintreten. Vielmehr waren es, wie immer wieder erläutert denkbare, aber nicht dominante Szenarien. Die Atmosphäre ist hochkomplex, und bereits kleine Verschiebungen in der Strömung können große Auswirkungen haben.

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Polarlichter, auch als Aurora Borealis (Nordlicht) oder Aurora Australis (Südlicht) im Bundesstaat New York.
Görlitz - Polarlichter über Sachsen zu sehen am 11.10.2024 in Görlitz
Ein Tornado über dem Gardasee.
Kim Vanaken (L) und Schwester Angela Coble (M) vor ihrem zerstörten Haus durch El Reno, Oklahoma, USA, 01 June 2013.
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In diesem Fall hat sich der Jetstream – das Starkwindband in der oberen Troposphäre – nicht geglättet, sondern blieb wellenförmig und dynamisch. Dadurch konnten Tiefs von Westen her vordringen, während sich der Hitzedom über Südosteuropa und dem Mittelmeerraum festsetzte. In Teilen Griechenlands, der Türkei und Nordafrikas wurden inzwischen Temperaturen über 45 Grad gemessen – mit dramatischen Folgen wie Waldbränden, Stromausfällen und Hitzetoten.

Deutschland unter Wasser – und die Gefahr bleibt

Während anderswo die Hitzewelle Leben gefährdet, kämpft Deutschland mit einer anderen extremen Wetterseite: Starkregen und Gewitter. Die feuchtwarme Luft, die aus Südwesteuropa nach Deutschland gelangt, trifft auf kühlere Luftmassen – eine explosive Mischung. Es entstehen heftige Gewitter, die sich oft kaum bewegen („stationär“ sind) und lokal immense Regenmengen bringen.

Flüsse treten über die Ufer, Straßen werden überflutet. Diese Art von Extremwetter wird in einem sich erwärmenden Klima wahrscheinlicher – nicht nur Hitzewellen, sondern auch Wetterlagen, bei denen sich die Energie in Form von Starkregen und Sturzfluten entlädt. Das zeigt: Selbst wenn Deutschland der Hitze kurz entkommt, bleibt das Wetterrisiko hoch – nur in anderer Form.

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Thomas Warnack

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