Russisches Reich

In Russlands Staats-TV: Putin-Statthalter ruft nach Eroberungen in fünf Nato-Staaten

Der amtierende Gouverneur der Region Saporischschja, Jewgeni Balitski (rechts), im Gespräch mit Wladimir Putin. (Archivfoto)
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Jewgeni Balitski (rechts) im April 2023 im Gespräch mit Wladimir Putin.
  • Christian Stör
    VonChristian Stör
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Ein hoher russischer Beamter versichert im Staats-TV, dass Russland sein altes Reich wiederherstellen werde. Das funktioniere nur mit Waffengewalt.

Moskau – Der Kreml verfolgt offenbar weitreichende Eroberungspläne. Zumindest hat sich ein hoher russischer Beamter im Staatsfernsehen dementsprechend geäußert. In einem Interview wies Jewgeni Balitski jedenfalls darauf hin, dass Russland demnächst weitere Gebiete zu erobern gedenke.

Konkret nannte der von Wladimir Putin eingesetzte Gouverneur der russisch kontrollierten Region Saporischschja in der Ukraine die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen sowie Polen und Finnland. In allen Fällen handelt es sich um Mitglieder der 31-köpfigen Nato-Allianz, deren fünfter Artikel besagt, dass ein Angriff auf einen Staat ein Angriff auf alle Staaten ist.

Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten

Zu den Scharfmachern im Ukraine-Krieg gehört auch Ramsan Kadyrow.
Am 2. März 2007 wählte das tschetschenische Parlament ihn auf Putins Vorschlag zum Präsidenten des Landes
Der russische Außenminister Sergei Lawrow ist so etwas wie „Putins rechte Hand“.
Seit Beginn des Ukraine-Kriegs wiederholt Lawrow seine Vorwürfe, der Westen führe in der Ukraine Krieg gegen Russland.
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Putins Statthalter will Gebiete in fünf Nato-Staaten erobern

In dem von der Russland-Beobachterin Julia Davis geteilten Interview sprach Balitski davon, dass das Russische Reich mit der Revolution von 1917 „seinen Halt“ und „eine große Zahl von Menschen“ verloren habe. Dabei sei „das gesamte Baltikum“ eindeutig Teil Russlands. „Unsere Leute leben dort“, sagte er mit Verweis auf die russischsprachige Bevölkerung in diesen Ländern. „Sie wurden zu stimmlosen Tieren, sie wurden zu zitternden Tieren.“ Das müsse jetzt korrigiert werden.

Er glaube in diesem Fall nicht an Diplomatie. Nur „durch die Macht der russischen Waffen“ könne Russland „unser Volk, die ehemaligen Untertanen des Russischen Reiches, zurückgewinnen“, damit nicht die ganze Welt „in Sodom und Gomorrha“ verwandelt werde, wie es in Europa derzeit geschehe. Schon einmal hatte Balitski öffentlich dazu aufgerufen, in die baltischen Staaten einzumarschieren und diese einzunehmen.

Das Russische Reich, das zwischen 1721 und 1917 existierte, umfasste ein riesiges Territorium. Finnland war Teil des Reiches, bis es nach der Revolution seine Unabhängigkeit erklärte. Im Vertrag von Brest-Litowsk von 1918 verzichtete das revolutionäre Russland dann auf seine Ansprüche auf polnische Gebiete.

Kreml-Propagandisten sprechen häufiger über die Wiederherstellung eines Imperiums

Schon häufiger haben Kreml-Propagandisten über die Wiederherstellung des russischen Imperiums fabuliert. Als zum Beispiel Russland am 30. September den ersten Jahrestag der sogenannten Annexion der vier ukrainischen Gebiete Saporischschja, Cherson, Luhansk und Donezk begangen hatte, sprach Sergej Mardan davon, dass der neue Feiertag den angeblichen Weg Russlands zur Wiederherstellung eines Imperiums markiere. Es gehe dabei „um die Wiederherstellung des Russischen Reiches“, sagte er in seiner Sendung Mardan Live. (cs)

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