„Ist die Stunde Europas“

Mehr Panzer und Haubitzen: EU macht nach Trump-Schock Milliarden für Aufrüstung locker

Von der Leyen spricht zu Verteidigungsausgaben
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Von der Leyen will Europa wieder aufrüsten.
  • Felix Busjaeger
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Ein „Plan für die Wiederaufrüstung Europas“ soll bis zu 800 Milliarden Euro mobilisieren. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen hat nun das Vorhaben vorgestellt.

Brüssel – Donald Trump droht seit Monaten, das Engagement der USA innerhalb der Nato zu reduzieren. Mit einem Stopp der Ukraine-Hilfe legte der US-Präsident nun nach. Die jüngsten Entwicklungen sind mutmaßlich der Auslöser, dass sich die EU beim Thema Aufrüstung stärker auf sich selbst verlassen will. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat jetzt einen Plan zur Stärkung der europäischen Verteidigungsausgaben vorgeschlagen, mit dem nach eigenen Angaben bis zu 800 Milliarden Euro mobilisiert werden sollen.

Aufrüstung Europas: EU-Chefin stellt 800-Milliarden-Euro-Plan vor

„Wir befinden uns in einer Ära der Aufrüstung, und Europa ist bereit, seine Verteidigungsausgaben massiv zu erhöhen“, sagte die Politikerin am Dienstag bei der Ankündigung des EU-Plans zur Aufrüstung und warnte, dass aktuell die Sicherheit Europas auf sehr reale Weise bedroht sei. „Dies ist die Stunde Europas, und wir müssen ihr gerecht werden.“ Nur wenige Stunden vor der Erklärung der EU-Kommissionspräsidentin hatte die Regierung von US-Präsident Donald Trump verkündet, ihre Militärhilfen für die Ukraine vorerst einzustellen – wenige Tage nach dem Eklat beim Besuch des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj im Weißen Haus.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Welche Folgen der Schritt von Donald Trump für die Lage im Ukraine-Krieg haben wird, ist bislang unklar. Dass diese habe drastisch ausfallen könnten, wird nicht ausgeschlossen. Bereits in der vergangenen Woche hatte Trump für einen Eklat im Weißen Haus gesorgt, als er mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj hart ins Gericht ging. In der Folge hatte es vermehrt Stimmen in Europa gegeben, die sich dafür aussprachen, dass die EU dringend selbst mehr für die eigene Verteidigung tun müsse.

Milliardenplan zur Aufrüstung Europas: Mehr Geld für Luft- und Raketenabwehr, Artilleriesysteme

Der „Plan für Wiederaufrüstung“ von Ursula von der Leyen sieht unter anderem einen neuen Fonds in Höhe von 150 Milliarden Euro vor, um die Verteidigungsinvestitionen in der EU zu erhöhen, unter anderem für Militärhilfen für die Ukraine. Die Mittel sollen insbesondere für Luft- und Raketenabwehr, Artilleriesysteme, Drohnen sowie Cybersicherheit bereitstehen. „Hier geht es um bessere und gemeinsame Ausgaben“, sagte von der Leyen. Die Mitgliedstaaten könnten so ihre Nachfrage bündeln, gemeinsam einkaufen und gleichzeitig die Unterstützung für die Ukraine verstärken.

Außerdem sieht der „Plan für Wiederaufrüstung die Europas“ vor, dass die Ausweichklausel des Stabilitäts- und Wachstumspakts aktiviert werden soll. Sie soll es Mitgliedstaaten erlauben, neue Schulden für Verteidigungsausgaben zu machen, ohne deswegen ein EU-Defizitverfahren befürchten zu müssen.

Wiederaufrüstung in Europa: 800-Milliarden-Euro-Plan für Aufrüstung vorgestellt

Ziel des „Plans für die Wiederaufrüstung Europas“ ist es zudem, dass der Vorschlag zusammen mit privatem Kapital und zusätzlichen Mitteln für die Europäische Investitionsbank nahezu 800 Milliarden Euro für die Verteidigung mobilisieren könnte. Das hofft zumindest von der Leyen. Die EU-Kommissionschefin stellte den Plan kurz vor einem Sondergipfel zur Ukraine am Donnerstag vor. (fbu/dpa)