Kolumne von Meteorologe Dominik Jung

Seltsames Sommer-Phänomen spaltet Europa: Erstaunliche Auswirkungen auf Deutschland-Wetter

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In Deutschland und Großbritannien herrschen fast identische Temperaturen – was steckt hinter der auffallenden Temperatur-Gleichverteilung in Mitteleuropa? Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Hamm – Am Dienstagnachmittag (22. Juli) lagen die Temperaturen in großen Teilen Mitteleuropas erstaunlich gleichmäßig zwischen 19 und 23 Grad – unabhängig davon, ob man sich in Norddeutschland, dem Ruhrgebiet, Bayern oder sogar in Südengland aufhielt. Während der Blick auf die Thermometer kaum Unterschiede erkennen ließ, stiegen die Temperaturen in Südeuropa gleichzeitig dramatisch an: Teile Siziliens und Griechenlands näherten sich der 45-Grad-Marke, was dort bereits zu ersten Hitzewarnungen und Stromausfällen führte. Die auffällige Gleichförmigkeit der Temperaturen in Mitteleuropa ist dabei kein Zufall – sie hat klare atmosphärische Ursachen.

In weiten Teilen Mitteleuropas waren die Temperaturen am Dienstag (22. Juli) recht ähnlich.

Wetter in Mitteleuropa von „Kühlsektor“ bestimmt – Wolken, Schauer und nur wenig Sonne

Verantwortlich für die gemäßigten Temperaturen in Mitteleuropa ist eine großräumige Tiefdruckkonstellation über dem Nordatlantik, deren Ausläufer das Wetter in weiten Teilen West- und Mitteleuropas beeinflussen. Eine sogenannte Frontalzone – die Grenze zwischen kühlerer Atlantikluft und subtropischer Warmluft – verläuft derzeit quer über Europa und liegt südlich von Deutschland. Mitteleuropa befindet sich aktuell auf der kühleren Seite dieser Zone, auch als „Kühlsektor“ bezeichnet.

Dort dominieren maritime Luftmassen aus westlicher bis nordwestlicher Richtung, die mit Wolken, Schauern und nur begrenzt Sonne einhergehen. Diese Wetterlage verhindert ein großflächiges Aufheizen, selbst wenn im Tagesverlauf zwischenzeitlich die Sonne scheint.

Wetter-Blockade über Südeuropa bringt Gluthitze

Der Gegensatz zur Situation in Mitteleuropa könnte derzeit kaum größer sein. Über Südeuropa hat sich ein blockierendes Hochdruckgebiet etabliert, das sehr warme Saharaluft nach Norden lenkt. Diese blockierende Wetterlage verhindert, dass kühlere Luftmassen weiter nach Süden vordringen. Gleichzeitig sorgt das Hoch für wolkenfreien Himmel, was die ohnehin heiße Luft zusätzlich aufheizt.

Durch diese atmosphärische Zweiteilung Europas – kühl im Norden, heiß im Süden – kommt es aktuell zu besonders starken Temperaturgegensätzen. Solche Wettermuster sind im Sommer zwar nicht ungewöhnlich, treten aber in dieser Deutlichkeit seltener auf. Ob sich die Lage in den kommenden Tagen ändert, hängt davon ab, wie lange sich das Hoch im Süden und das Tief im Norden halten. Derzeit ist keine schnelle Umstellung in Sicht. Unterdessen erlebt sogar der Polarkreis Hitze mit bis zu 32 Grad.

Rubriklistenbild: © METEORED/www.daswetter.com

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