„Geschockt“
Ein Agent Russlands? Putins höchster EU-Diplomat soll Geheimdienstspion sein
VonStephanie Munkschließen
Brisanter Verdacht: Russlands höchster Diplomat bei der EU soll ein Agent des russischen Geheimdienstes sein. Kirill Logwinow war auch in Berlin tätig.
Brüssel/Moskau – Kirill Logwinow ist seit 2018 der ständige Vertreter Russlands bei der Europäischen Union. Nun wird ihm vorgeworfen, heimlich gegen europäische Interessen zu arbeiten: Belgische Behörden verdächtigen den 48-Jährigen, ein Spion des russischen Geheimdienstes zu sein. Konkret soll er für den russischen Auslandsnachrichtendienst SWR arbeiten.
Über den Verdacht berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf gemeinsame Recherchen mehrerer europäischer Medien. Zu konkreten Operationen oder Indizien gibt es keine Angaben.
Höchster Vertreter Russlands in EU unter Spionageverdacht
Mit Logwinow fällt der Verdacht der Spionage auf den derzeit höchsten russischen Vertreter innerhalb der EU: Seit rund einem Jahr leitet Logwinow die Moskauer Vertretung in Brüssel kommissarisch. Zuvor hatte der russische Botschafter in Brüssel, Wladimir Tschischow, nach 17 Jahren sein Amt niedergelegt. Bei der Abschiedsrede im September 2022 warf Tschischow laut einem Bericht des Nachrichtenportals Euractiv der EU vor, „Brücken zu zerstören“, ohne dabei auf den Ukraine-Krieg als Ursache einzugehen.
Der jetzt der Spionage verdächtigte Tschischow war vor seinem Einsatz als Diplomat in Brüssel auch schon in Berlin tätig: Von 2010 bis 2014 soll er dort an der russischen Botschaft eingesetzt gewesen sein. Laut Spiegel war er damals noch nicht als Spion aufgefallen.
❓ Russia's interim head of the Mission to the EU is said to be a spy!
— EU Watch (@EUWatchBrussels) October 24, 2023
According to an investigation by several European media, Belgian authorities suspect Kirill Logvinov of being an agent of the Russian intelligence service SVR. pic.twitter.com/h5NJo2LnY7
Logwinow russischer Spion? Streit über Diplomaten schwelt schon länger
In Brüssel hätten allerdings Gerüchte und Verdächtigungen gegen den 48-Jährigen bereits vergangenes Jahr kursiert, heißt es. Damals soll in EU-Kreisen ein Streit über den russischen Diplomaten entbrannt sein, berichtet der Spiegel und beruft sich dabei auf Insiderkrise.
Die belgische Spionageabwehr habe damals vehement dafür plädiert, Logwinow als mutmaßlichen Spion auf die Liste auszuweisender Personen zu setzten, allerdings ohne Erfolg. Der Vizepräsident des EU-Parlaments, Martin Hojsík, habe sich darüber nun auf Anfrage „geschockt“ gezeigt, heißt es. Er gehe davon aus, dass sich das EU-Parlament mit dem Fall beschäftigen werde, sagte er.
Putins Zirkel der Macht im Kreml – die Vertrauten des russischen Präsidenten




Russischer Diplomat wetterte gegen Rolle des Westens im Ukraine-Krieg
In einem Interview mit der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass hatte Kirill Logwinow im September 2022 massiv den Westen und seiner Rolle im Ukraine-Krieg kritisiert. Das Vorgehen verstoße gegen die Charta der Vereinten Nationen, sagte der ständige Vertreter Russlands bei der EU. Der Westen verhänge „Sanktionen wahllos und ohne jeglichen Respekt vor dem Völkerrecht“. Der Krieg in der Ukraine sei Teil des Versuchs „einer kleinen Gruppe westlicher Staaten“, um jeden Preis an seinem Monopol im Weltgefüge festzuhalten.
Im Zuge des Ukraine-Kriegs hat unter anderem auch Deutschland hunderte russische Diplomaten ausgewiesen, Russland reagierte im Gegenzug mit der Ausweisung westlicher Diplomaten. Unterdessen gibt es einen brisanten Bericht, wonach Russlands Armeechef Gerassimow nur knapp einem Attentat entkommen sein soll. (smu)
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