Kämpfe um Bachmut

Opfer bringen für den „Fleischwolf“ – Warum Bachmut für Russland so wichtig ist 

  • VonTadhg Nagel
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Die Kämpfe um Bachmut haben bereits unzählige Opfer gefordert. Russland nimmt das in Kauf, weil die symbolische Bedeutung der Stadt eine politische Dimension hat.

Bachmut – Seit Monaten liefern sich ukrainische und russische Soldaten erbitterte Kämpfe um die Stadt Bachmut. Von der Siedlung, die einst etwa 70.000 Menschen ein Zuhause bot, ist inzwischen nicht mehr viel übrig. Trotzdem könnte der gescheiterte Putschversuch der Wagner-Gruppe um Jewgeni Prigoschin die strategische Bedeutung der Stadt für Russland im Ukraine-Krieg noch weiter erhöht haben, wie der Strategieanalyst Frederik Mertens vom Center for Security Studies in Den Haag dem US-Nachrichtenmagazin Newsweek erklärte. Die erbitterten Kämpfe hätten der Stadt inzwischen einen wenig liebevollen Beinamen eingebracht. Unter anderem der Wagner-Chef selbst sollen sie als „Fleischwolf“ bezeichnet haben.

Doch weshalb die unermüdlichen Kämpfe um eine Stadt, der Militäranalysten stets eher eine symbolische, als eine strategische Bedeutung zugeschrieben hatten? Immerhin ist die Ansiedlung der Ort, an dem die tragende Rolle der Wagner-Gruppe für die Kampfstärke Russlands so deutlich zutage getreten ist, wie nirgends sonst. Prigoschin hatte seinen Männern Ende Mai den Abzug befohlen, obwohl Analysten darauf hingewiesen hatten, dass die tschetschenischen und russischen Kämpfer nicht imstande sein würden, die so entstehende Lücke zu schließen.

Wagner-Söldner feiern ihre Eroberung der Stadt Artyomovsk nahe Bachmut. Die Truppen kämpften monatelang für Russland im Ukraine-Krieg.

Kämpfe um Bachmut: Die symbolische Bedeutung der Stadt hat eine politische Dimension

Bachmut zu halten, hat tatsächlich hauptsächlich eine symbolische Bedeutung für Wladimir Putins Gefolgsleute. Allerdings ist es eine unbedingt erforderliche Symbolkraft, so Mertens. Als die Stadt „der einzige Fleck“ wurde, an dem die Armee Russlands noch Fortschritte erzielt habe, sei sie zum Politikum geworden. Die politische Notwendigkeit „die operativen Reserven zu konzentrieren, um diesen Haufen von Ruinen zu verteidigen“, könnte der Ukraine zum Vorteil gereichen. Das Fehlen dieser Truppen an anderen Bereichen der Front, wie um die Stadt Saporischschja, könnte den Streitkräften von Wolodymyr Selenskyj laut Mertens das Durchbrechen der russischen Linien erleichtern.

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Den Druck um Bachmut zu erhöhen, sei militärisch vernünftig, so der Analyst vom Center for Security Studies. Der US-amerikanische Thinktank Institute for the Study of War (ISW) habe am 1. Juli signalisiert, es sei wahrscheinlich, dass Russland Streitkräfte von anderen Stellen abziehen werde, um die Kämpfer in Bachmut zu unterstützen, hieß es weiter. Die Kampfhandlungen in der Stadt dauern derweil weiter an. „In Bachmut selbst, ist es für den Feind schwierig sich zu bewegen und es ist unmöglich herauszukommen“, so der stellvertretende Verteidigungsminister der Ukraine Hanna Malijar in einem Social Media Post. Die Ukraine würde Fortschritte an der Südflanke der Stadt machen. Insgesamt kommt die Gegenoffensive der Ukraine jedoch eher schleppend voran. (Tadhg Nagel)

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