Islamisten-Miliz HTS

Syrien nach Assad: Welche Staatsform plant al-Dscholani?

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    VonFranziska Schwarz
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Mit Assads Fall steht er jetzt im Fokus: HTS-Anführer Dscholani. Er äußert sich moderater als früher.

Damaskus – Der Sturz des syrischen Machthabers Baschar al-Assad war das große Ziel von Abu Mohammed al-Dscholani. Er ist der Chef von Hajat Tahrir al-Scham (HTS), eines früheren Zweigs von al-Quaida. Die Gruppe sagte sich allerdings vor Jahren offiziell von dem Terrornetzwerk los. Wie geht es in Syrien jetzt weiter?

Assad-Gegner Abu Mohammed al-Dscholani will, dass in Syrien „Rat“ die Regierung bestimmt

Al-Dscholani hatte in einem Interview mit dem US-Sender CNN bekräftigt, das Ziel von HTS sei es, eine von Institutionen und „vom Volk gewählten Rat“ bestimmte Regierung zu bilden. Der Chef der Rebellenbewegung sagte weiter, es ginge ihnen um „einen Staat mit Regierungsgewalt und Institutionen“. Allerdings sieht CNN hier auch eine „Charmeoffensive“ al-Dscholanis, die seine extremistischen Wurzeln verschleiern soll.

Bereits seit seinem Bruch mit al-Quaida im Jahr 2016 versuchte al-Dscholani, sein Image zu glätten. Mit dem Turban der Dschihadisten, den er noch zu Beginn des Bürgerkriegs in Syrien seit 2011 trug, zeigte er sich immer seltener. Experten und westliche Regierungen überzeugte das nicht. Sie stufen die HTS weiter als Terrorgruppe ein.

Syrien-Rebellen stürzen Assad: Die Bilder des Machtwechsels

Machthaber Baschar al-Assad ist gestürzt. In ganz Syrien versammeln sich Menschen, um den Sturz der syrischen Regierung zu feiern.
Ein zerbrochenes Porträt des syrischen Ex-Präsidenten Hafez Assad liegt auf dem Boden. Menschen durchwühlten die Privatwohnung des geflohenen Machthabers Baschar al-Assad.
Menschen gehen durch die Hallen des Präsidentenpalastes des syrischen Präsidenten, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
Eine Gruppe von Menschen macht ein Familienfoto, während sie auf einer Couch in einem Saal des Präsidentenpalastes, nach dem Sturz des bisherigen syrischen Machthabers al-Assad.
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Nach Assad-Sturz: Experte nennt al-Dscholani einen „pragmatischen Radikalen“ in Syrien

Der Wissenschaftler Thomas Pierret von Frankreichs nationalem Forschungsinstitut CNRS nannte al-Dscholani im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP einen „pragmatischen Radikalen“. 2014 sei er auf dem Höhepunkt seiner Radikalität gewesen, sagt der Experte und verweist darauf, dass er sich damals gegen die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) habe durchsetzen wollen. Seitdem habe der HTS-Chef „seine Rhetorik gemildert“.

Al-Dscholani habe die Verbindungen zu al-Quaida gekappt, um dem Westen keine Gründe zu geben, seine Organisation anzugreifen. Nach Angaben von Pierret hat er seitdem versucht, sich auf den Weg zu einem „aufstrebenden Staatsmann“ zu machen.

HTS-Chef Abu Mohammed al-Dscholani (Archivbild von 2023)

Syrien und der Assad-Sturz: HTS-Chef al-Dscholani gibt sich diplomatisch

Die BBC indes weist darauf hin, dass die HTS sich die vergangenen Jahre als nationalistische Kraft in Syrien neu positioniert hat. Ihre jüngsten Botschaften hätten einen diplomatischen und versöhnlichen Ton. Viele Beobachter seien jedoch nicht überzeugt und sorgten sich, was die Islamisten-Miliz nach dem Assad-Sturz nun plant, berichtet der britische Sender.

Aron Lund vom Politikinstitut Century International sagte dazu der AFP: „Je weniger Panik auf lokaler und internationaler Ebene herrscht und je mehr al-Dscholani wie ein verantwortungsbewusster Akteur und nicht wie ein toxischer Dschihad-Extremist erscheint, desto einfacher wird seine Aufgabe.“ Zugleich schränkt der Experte ein: „Ist er völlig aufrichtig? Sicherlich nicht.“ (frs mit AFP)

Rubriklistenbild: © Omar Haj Kadour/AFP