Schiffferkehr
Tanker von russischer „Schattenflotte“ havariert – Meerenge von Bosporus gesperrt
VonErkan Pehlivanschließen
Zehntausende Schiffe nutzen jährlich den Bosporus. Nun ist die Durchfahrt gesperrt, weil ein Tanker der russischen „Schattenflotte“ havariert ist.
Istanbul – Nach der Havarie eines Tankers haben die türkischen Behörden die Meerenge Bosporus bis auf weiteres für den Schiffsverkehr gesperrt. Das Schiff sei von dem türkischen Hafen Yalova, südlich von Istanbul, nach Russland unterwegs gewesen, meldete der staatliche Sender TRT. Die Art der Havarie wurde zunächst nicht bekannt. Bergungsarbeiten seien bereits im Gange, hieß es weiter. Bei dem Tanker handelt es sich um die „Cordelia Moon“, die unter der Flagge von Panama unterwegs sein soll.
Tanker angeblich von Huthi-Miliz beschossen
Das Schiff ist nicht unbekannt. Nach Recherchen von Oda TV sei das Schiff bereits im Oktober von der Huthi-Miliz vor der Küste vom Jemen angegriffen worden. Wie die Nachrichtenagentur AA am 4. Oktober berichtete, gaben die Houthis bekannt, dass ein britischer Öltanker im Roten Meer im Westen des Jemen angegriffen wurde. Auf den veröffentlichten Bildern war zu sehen, dass der Tanker angegriffen wurde und sich eine dicke schwarze Rauchwolke am Himmel ausbreitete. Es wurde erklärt, dass es sich bei dem Schiff auf den veröffentlichten Bildern um den britischen Öltanker Cordelia Moon handelt“, schreibt Oda TV auf seiner Internetseite.
Der Angriff auf den Schiff sei Teil einer „militärischen Operation gegen amerikanische und britische Schiffe“ und als Fortsetzung der „Seeblockade gegen den Feind Israel“. Ein Video in den sozialen Medien soll den Angriff auf die Cordelia Moon zeigen.
Schiff gehört „Schattenflotte“ von Russland
Auch für den ukrainischen Think Tank KSE ist der Frachter nicht unbekannt. Das Schiff gehöre zu Russlands Schattenflotte. Demnach soll die Cordelia Moon über keine Schiffsversicherung (IG & PI) verfügen und das Schiff befinde sich seit dem 01.10.2024 im Status „in Unfall oder Reparatur“, schreibt Yuliia Pavytska vom KSE Institut auf X. Dennoch sollte das Schiff am 28. Dezember in Novorossiysk beladen werden. Der ukrainische Think Tank zählt den Tanker seit Ende 2023 zur „Schattenflotte“ Russlands zugehörig.
Russland baut für 10 Milliarden Dollar Schattenflotte
Die Experten von KSE warnen vor der russischen Schattenflotte. Offenbar dient sie dazu, die westlichen Embargos zu umgehen und dadurch Geld für die eigene Kriegskasse einzunehmen. Das Riesenreich habe seit 2022 10 Milliarden Dollar in den Ausbau dieser Schattenflotte investiert um uneingeschränkt Öl zu verkaufen. „Mehr als 70 Prozent seiner Ölexporte auf dem Seeweg werden heute mit veralteten, schlecht versicherten Schiffen transportiert, was das Risiko einer größeren Ölpest in europäischen Gewässern erheblich erhöht“, schreibt die KSE auf ihrer Internetseite.
„Im ersten Halbjahr 2024 wurden fast 75 Prozent des russischen Öls von den Häfen der Ostsee und des Schwarzen Meeres aus verschifft, 60 Prozent davon auf Schattentankern“. Der Think Tank rät dazu, vorsichtig zu sein und insbesondere die nicht versicherten Schiffe aus dem Verkehr zu ziehen. Ansonsten müssten die Länder bei Schiffsunglücken und Naturkatastrophen auf den Kosten sitzen bleiben.
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Selenskyj warnt vor Umweltkatastrophen durch russische Schiffe
Gegen 79 Schiffe der russischen Schattenflotte hat die EU bereits Sanktionen verhängt. In der Ukraine ist man sehr froh darüber. „Jeder dieser Tanker muss sanktioniert werden, und es ist unerlässlich, nicht nur europäische Häfen vor ihren Operationen zu schützen“, sagt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videobotschaft. „Russland setzt Schiffe ein, die gefährlich veraltet sind – einige sind über 50 Jahre alt – und ist bereit, alles einzusetzen, um seine Gewinne aufrechtzuerhalten. Dies ist nicht nur eine finanzielle Bedrohung, die den Krieg anheizt; es ist eine ökologische Katastrophe. Kein Meer – weder das Schwarze Meer, das Asowsche Meer, die Ostsee oder die Nordsee – verdient die Verwüstung, die durch Russlands rücksichtsloses Handeln verursacht wird“, so der ukrainische Präsident. (erpe/dpa)
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