Kanzler im Wahlkampf

Für über 800 Millionen Euro: Scholz will Taurus-Marschflugkörper modernisieren lassen

  • Patrick Mayer
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Berichten zufolge will die rot-grüne Bundesregierung die Modernisierung der Taurus-Marschflugkörper für sehr viel Geld in Auftrag geben. Aber nicht für die Ukraine.

Berlin – Die Ukraine wehrt sich tapfer gegen den völkerrechtswidrigen Angriff durch das Moskau-Regime aus Russland. Bei dieser Verteidigung hofft Kiew auf weitere Waffen-Lieferungen aus dem Westen. Auch aus Berlin.

Waffen-Lieferungen an die Ukraine: Bundeskanzler Scholz bleibt bei Nein zum Taurus

Während es aus Frankreich für die ukrainischen Streitkräfte bald Mirage-Kampfjets geben soll und viele gespannt in Richtung USA schauen, wie es aus Amerika nach der Amtsübernahme des künftigen Präsidenten Donald Trump (Republikaner) mit den Militärhilfen für die Ukraine weitergehen soll, sorgte ein Kiew-Besuch von Kanzler Olaf Scholz (SPD) für Aufregung. Scholz hatte an diesem Montag (2. Dezember) in der ukrainischen Hauptstadt Waffen-Lieferungen über 650 Millionen Euro für den Dezember angekündigt, sich dabei laut CDU aber auf bereits im Herbst zugesagte Militärhilfen berufen.

Währenddessen sickerte durch, dass Scholz‘ rot-grüne Minderheitsregierung weitere große Investitionen in die Bundeswehr plant. Dabei soll es im Ukraine-Krieg um den von den Ukrainern fast flehentlich erbetenen Taurus gehen. So soll der Bestand der Marschflugkörper der Bundeswehr wohl aufwändig modernisiert werden. Die ukrainischen Streitkräfte sollen davon aber wohl nicht profitieren. Zumindest nicht, sollte Scholz entgegen aller Umfragen auch nach der Bundestagswahl 2025 (23. Februar) noch Kanzler sein.

Im Umfeld des Ukraine-Kriegs im Fokus: der Taurus-Marschflugkörper.

Taurus aus Deutschland: Bundesregierung will Marschflugkörper modernisieren lassen

Für besagte umfassende Modernisierung der Taurus-Marschflugkörper sind Medienberichten zufolge Ausgaben über 829,8 Millionen Euro vorgesehen. Das geht aus einem Schreiben des Finanzministeriums an den Haushaltsausschuss des Bundestags hervor, über das zuerst das Nachrichtenmagazin Politico berichtet hatte. Auch der Deutschen Presse-Agentur (dpa) lag das entsprechende Schreiben vor. Der parlamentarische Ausschuss muss die Mittel in Berlin freigeben.

Laut des Schreibens plant das Bundesverteidigungsministerium von Minister Boris Pistorius (SPD), mit dem Hersteller Taurus Systems GmbH aus dem oberbayerischen Schrobenhausen bei München eine Rahmenvereinbarung über eine zweite „Grundüberholung“ abzuschließen, damit das Waffensystem seine Fähigkeiten behält. Politico zufolge soll es bei der genannten Generalüberholung um 479 Marschflugkörper des Typs Taurus gehen. Sie sollen künftig in der Lage sein, im dauerhaften Tiefflug und auch bei lokal gestörtem GPS ihr Ziel zu erreichen.

Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Die Bundeswehr nutzt den Kampfpanzer Leopard in verschiedenen Varianten seit 1979. Bewaffnet mit einer 120-Millimeter-Kanone lassen sich in den jüngeren Modellen von vier Soldaten an Bord Ziele in einer Entfernung bis zu 5000 Metern bekämpfen. Die Ukraine erhält Panzer des Typs Leopard 2 A6. Das 62,5 Tonnen-Gefährt war bei seiner Einführung im Jahr 2001 als verbesserte Variante des A5 etwa mit neuer Hauptwaffe versehen worden. Das Modell A6M verfügt zudem über einen erhöhten Minenschutz.
Der US-Kampfpanzer M1 Abrams gleicht dem Leopard 2 in weiten Teilen. Den M1 Abrams gibt es seit 1980 in mittlerweile drei Hauptvarianten. Seit dem Modell M1A1 ist eine 120-Millimeter-Kanone an Bord. Die vier Insassen werden von einer Stahl-Panzerung vor Angriffen geschützt. Mit 1500 PS kommt der je nach Modell bis zu 74 Tonnen schwere Abrams auf eine Höchstgeschwindigkeit von knapp 68 Kilometern pro Stunde. Anders als der Leopard 2 wird der M1 Abrams über eine Gasturbine mit Kerosin angetrieben.
Die Hauptwaffe der US-amerikanischen Bradley-Schützenpanzer besteht aus einer 25-Millimeter-Maschinenkanone M242 Bushmaster, die zwischen 100 und 200 Schuss pro Minute verschießen kann. Zudem sind die gepanzerten Kettenfahrzeuge, die nach General Omar N. Bardley benannt sind, mit Maschinengewehren des Typs M240 sowie panzerbrechende Raketen ausgestattet. Die Besatzung umfasst bis zu zehn Soldaten: Fahrer, Kommandant, Richtschütze sowie bis zu sieben Soldaten als Infanterietrupp. Der Panzer wurde dafür konzipiert, im Verbund mit Panzerartillerie und Kampfhelikoptern zu operieren.
Beim AMX-10 RC aus Frankreich handelt es sich um einen amphibischen Spähpanzer. Der Panzer wird aufgrund seiner schwereren Panzerung und Bewaffnung hauptsächlich bei der Aufklärung eingesetzt. Ausgestattet ist er mit einer 105-Millimeter-Kanone, wodurch er auch als Panzerjäger verwendet werden kann. Die Besatzung besteht aus mindestens vier Soldaten. Bei einer Gefechtsmasse von 14,2 Tonnen ist der Panzer mit 85 km/h extrem mobil.
Panzer, Drohnen, Luftabwehr: Waffen für die Ukraine

Taurus für die Ukraine: Olaf Scholz will Kiew den Marschflugkörper nicht liefern

Ukrainische Politiker wie Präsident Wolodymyr Selenskyj und Militärs hatten Deutschland wiederholt um die Lieferung des Taurus gebeten. Militär-Experten mutmaßen, dass sich der Taurus dafür eignen könnte, die symbolträchtige Krim-Brücke auf die gleichnamige Halbinsel im Schwarzen Meer anzugreifen. Das Moskau-Regime von Kreml-Autokrat Wladimir Putin hatte eine mögliche Lieferung als sogenannte „rote Linie“ bezeichnet.

Scholz hatte den Bitten aus Kiew mehrmals öffentlich eine Absage erteilt. Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) hatte dagegen angekündigt, den Ukrainern im Falle eines Wahlsieges im Februar den Taurus liefern zu wollen, damit sie sich auch damit gegen den völkerrechtswidrigen russischen Überfall verteidigen können. (pm)

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